Die ungeliebte Minderheit

Tagung zur Situation von Sinti und Roma in Europa

Das rüde Vorgehen des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gegen die in Frankreich lebenden Roma ruft zunehmend Ablehnung hervor. Inzwischen haben die UN, die EU-Kommission und sogar der Papst die kompromisslose Abschiebung von tausenden Roma deutlich kritisiert. Die Medien berichten fast täglich; unvermittelt ist die Situation der Sinti und Roma in Europa in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Am 22. und 23. Oktober veranstaltet die Evangelische Akademie zu Berlin eine Tagung über die größte ethnische Minderheit Europas.

 Etwa zehn bis zwölf Millionen Roma leben in der EU und den potenziellen Beitrittsländern. „Die Roma sind seit 1000 Jahren genuiner Teil der europäischen Kultur, doch ihre Geschichte ist häufig von sozialer und politischer Ausgrenzung geprägt“, sagt Studienleiter Ludwig Mehlhorn. Die Konflikte zwischen Mehrheitsgesellschaft und Minderheit haben sich in vielen Ländern mit den politischen und wirtschaftlichen Umbrüchen im Osten Europas verschärft. Und das, obwohl das EU-Diskriminierungsverbot Roma und Sinti Gleichbehandlung in allen zivilen und gesellschaftlichen Bereichen garantiert.

Im April dieses Jahres hat die EU-Kommission eine Agenda zur Integration der Roma beschlossen. An deren Umsetzung hapert es allerdings: „Es ist zu fragen, warum viele gute Ansätze scheitern“, so Ludwig Mehlhorn. Die Tagung werde in diesem Zusammenhang Probleme bei der Umsetzung der Bildungs-, Wohnungs-, Sozial- und Asylpolitik in vielen EU-Mitgliedsstaaten thematisieren.

Neben einem Überblick über die Geschichte der Roma in Europa steht „Belgrad Backspin“ auf dem Programm, ein Dokumentarfilm zur Situation von aus Deutschland abgeschobenen Roma in Serbien, in dessen Anschluss ein Gespräch mit der Autorin und einer Betroffenen geplant ist. Auch der jeweilige rechtliche Status von Sinti und Roma in den verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten wird im Rahmen der Tagung beleuchtet. Situationsberichte aus unterschiedlichen Perspektiven und Ländern sollen ein möglichst umfassendes Bild von der Situation der ethnischen Minderheit geben. 

Die Lage der Sinti und Roma ist in der Evangelischen Akademie zu Berlin schon seit langem im Blick. Sowohl im Rahmen der Studienreise im Jahr 2008 nach Rumänien, als auch bei der diesjährigen Reise in die Slowakei gab es Begegnungen mit Vertretern der Minderheit. 

Das ausführliche Programm der Tagung „Roma und Sinti – eine transnationale Minderheit in Europa“ vom 22. bis 23. Oktober in der Evangelischen Bildungsstätte Schwanenwerder wird in Kürze erscheinen.