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Wie viel Kirche braucht die Stadt?
Moderne Subsidiarität und die Bedeutung von Kirche im GemeinwesenDas Prinzip ist so einfach wie sinnvoll: Ob Kindertagesstätten, Jugendheime oder Altenpflegeeinrichtungen - zur Entlastung des Staates übernehmen Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände subsidiär zahlreiche Aufgaben im Sinne des Gemeinwohls. Wie kann diese Arbeitsteilung weiter entwickelt werden? Wie kann der Beitrag der Kirchen noch intensiver in die Entwicklung des Gemeinwesens vor Ort eingebracht werden? Sind kirchliche Beiträge für unsere Gesellschaft ersetzbar oder müssen sie gesteigert werden? Vor dem Hintergrund des durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung geförderten Projekts „Kirche findet Stadt“ werden die zukünftigen Entwicklungen diskutiert. An der Debatte über die Bedeutung von Kirche im Gemeinwesen beteiligen werden sich unter anderem der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Frank-Walter Steinmeier, der stellvertretende Präsident des Deutschen Städtetages, Hans Schaidinger, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Peter Neher. Die Tagung am 2. und 3. Februar bildet einen ersten Höhepunkt der bundesweiten Aktionen im Rahmen des Projekts.
„Unsere Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass sich Kirche, Diakonie und Caritas für das Gemeinwesen engagieren“, betont Rüdiger Sachau, Direktor der Ev. Akademie zu Berlin. Trotz der Refinanzierung eines großen Teils der in kirchlicher Trägerschaft erbrachten Leistungen bietet das subsidiäre Engagement der Kirchen und ihrer Einrichtungen einen großen gesellschaftlichen Mehrwert. Sachau weiß: „Manchmal wird dies erst deutlich, wenn eine kirchliche Trägerschaft aufgegeben wird“. Dann zeige sich beispielsweise, dass neben dem ideellen auch der finanzielle Einsatz von kirchlicher Seite signifikant sei.
Subsidiarität macht Sinn – doch in welcher Form sollten Kirche, Diakonie und Caritas als Teile der Zivilgesellschaft mit ihren Pfunden wuchern? „Die Kirchen und ihre Einrichtungen wollen Beteiligung am gesellschaftlichen Leben ermöglichen“, sagt Sachau. Im Blick auf die künftige Gestalt des kirchlichen Engagements werde es dabei immer wichtiger, dass sich gemeindliches Leben und diakonisches Handeln konkret vor Ort verbänden. „Wir müssen neu lernen: Beten und Arbeiten, Predigt und Pflege gehören zusammen.“ Nur so werde es gelingen, den Menschen tatsächliche und nachhaltige Möglichkeitsräume für Selbstwirksamkeit eröffnen. „Dann kann Kirche Heimat werden und bleiben.“
Die Potenziale einer solchen „Gemeinwesendiakonie“ sollen bei der Kooperation „Kirche findet statt“ im Zusammenspiel mit Kommunen und anderen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren vor Ort entwickelt werden. Das im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik geförderte Projekt bietet eine bundesweite Diskursplattform für das kirchliche Handeln in Stadt und Land. Gute Praxisbeispiele für die zivilgesellschaftliche Bedeutung von Kirche und deren Beiträge zur sozialen und kulturellen Gestaltung der Lebensverhältnisse von Menschen in der Stadt sollen identifiziert und diskutiert werden.
Wie das gesamte Projekt wird auch die Tagung „Wie viel Kirche braucht die Stadt? Moderne Subsidiarität im Gemeinwesen“ von der Evangelischen und der Katholischen Akademie in Berlin gemeinsam mit Diakonie, Caritas, dem Kirchenamt der EKD und dem Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz durchgeführt. Nach dem öffentlichen Auftakt in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt bieten die Beiträge und Arbeitsforen in der Evangelischen Bildungsstätte Schwanenwerder die Möglichkeit zur vertieften Reflexion. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.
Wesentliche theologische Vorüberlegungen zum Thema wurden bei der Tagung „Kirche in der Mitte der Gesellschaft. Theologische Bestimmung des sozialen und diakonischen Engagements“ im April vergangenen Jahres unternommen. Die vom evangelischen Pressedienst epd erstellte Dokumentation der Beiträge zu dieser Veranstaltung (Nr. 39 vom 27. Sept. 2011) steht hier zum kostenlosen Download zur Verfügung.

