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Sorge dich nicht

 
 
Bibelarbeitsvorbereitung am 18. März 2011 in Berlin zum Kirchentag in Dresden

„Sorge dich nicht…“?

 

Da sitzt einer in der Ecke und tönt. Die ganze Kirche ist voll von seinen Lauten. Ist es Gesang, was er von sich gibt? Sind es Schmerzensschreie? Energie jedenfalls, die in jeden Winkel des Raumes dringt. Jetzt steht er auf, zischt sich ans Klavier, nimmt die Tasten. Wirft seinen Zuhörern weiter Töne zu und auch Wörter; dazwischen Ächzen, Flüstern, Klopfen, Jaulen: Bibelarbeit in der Französischen Friedrichstadtkirche. 

Jens Thomas heißt der Bibeltonüberträger. Sein geräuschvoller Durchmarsch durch Matthäus 6, 19-34 ist eine Auftragsarbeit, eine musikalische Lockerungsübung für die anderen Anwesenden gewissermaßen: Heute, am 18. März, haben sich auf Einladung der Evangelischen Akademie zu Berlin diejenigen in der Friedrichstadtkirche versammelt, die beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden im Juni eine Bibelarbeit halten werden. Etwa 30 Textarbeiterinnen und Textarbeiter sind gekommen – und noch einmal so viele „Geburtshelfer“, Berliner Theologen, die mitwirken wollen, den jeweiligen Texten zum Leben zu verhelfen.

„Herzstücke des Kirchentags“ nennt Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckhardt die Bibelarbeiten. Ums Herz geht es auch im diesjährigen Motto, das in Matthäus 6, 19-34, dem Text für Eröffnungsgottesdienst und Bibelarbeit am Kirchentagssamstag, enthalten ist: „…da wird auch dein Herz sein“. Pinkfarben leuchten Luftballons, Postkarten und Plakate mit dem diesjährigen Leitspruch, das abgebildete Herz ist ein Schattenriss aus Hand und Buch. Zu kitschig für den kritischen Geist des Kirchentags? Und wo sind die Herzen der Menschen in diesen Tagen?

Matthäus 6, 19-34 beinhaltet die berühmte Mahnung: „Sorgt euch nicht um morgen, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen“. „Sorgt euch nicht um euer Leben – wem sagen wir das? Den Arbeitern in Japan?“ fragt DEKT-Generalsekretärin Ellen Ueberschär. „Wir werden in Dresden nicht über eine Welt sprechen, die in Ordnung ist“, meint auch Katrin Göring-Eckardt. Die aktuelle Dimension des Bibelspruchs, die „dramatische Schwere und neue Bedeutung“ werden sich ihrer Ansicht nach ebenso in den Juni tragen wie „Mitgefühl, Sorge und Wut über die menschengemachte Katastrophe“.

Auch Akademiedirektor Rüdiger Sachau weist darauf hin, dass die Friedrichstadtkirche vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Japan und Libyen derzeit beinahe eine Art „Insel der Seligen“ ist: „Wir dürfen in Frieden nachdenken, aber wir werden uns so mit den Texten auseinander setzen, dass wir die Welt verändern.“. Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters und ebenfalls einer der Samstagsbibelarbeiter, hat damit schon begonnen. In der biblischen Weisung, sich nicht um den nächsten Tag zu sorgen, erkennt er „keine Aufforderung sich in den Himmel zu träumen“. Er versteht den Appell, die Gerechtigkeit Gottes zu suchen, als Auftrag zur Gestaltung der diesseitigen Welt. „Gerade heute sind viele Menschen handlungsunfähig weil vor lauter Sorge blockiert. Wir müssen uns Vertrauen wieder erarbeiten“.

Ähnliches mag sich Musiker Jens Thomas gedacht haben. Zuversichtlich klingen sie nicht, seine abschließenden Töne zum „Sorge dich nicht…“. Kein mächtiges Versprechen ist da zu hören, eher ein zähes Rinnsal. Was die übrigen Bibelarbeiter und ihre Unterstützer aus ihren Bibelstellen machen, wird sich im Juni in Dresden zeigen. Die ungewöhnliche Einstimmung wird jedenfalls in Erinnerung bleiben.

 
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