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Die Kraft aus Gottes Mund ist weiblich

 
 
Impulse zur Geistkraft Gottes von Studienleiterin Erika Godel

Die Kraft aus Gottes Mund ist weiblich

 

Vom 29. Juni bis 1. Juli 2012 hatte die Evangelische Akademie gemeinsam mit dem Frauenstudienzentrum der EKD zur fünften feministisch-theologischen Sommerakademie eingeladen. Unter dem Titel: „Geistkraft Gottes. Klage, Heilung, Wunder“ beschäftigten sich die Teilnehmerinnen mit dem Wirken der göttlichen Kraft in unseren Lebensbezügen. Studienleiterin Erika Godel formuliert Antworten auf die Frage nach Beschaffenheit und Wirkung der Geistkraft Gottes.

Die Frage, wie der Geist wirkt und was er bewirkt, hat Frauen in ihren systematisch-theologischen Überlegungen seit den Anfängen feministischer Theologie interessiert und ebenso die Frage nach der Weiblichkeit des Heiligen Geistes. Was ist die Geistkraft Gottes? In der Hebräischen Bibel, unserem Alten Testament, ist „Ruach“ die Vorstellung, die dem Begriff „Geist“ zugrunde liegt. Ruach ist ziemlich sicher verwandt mit dem Begriff für „Weite“, sie schafft Raum, setzt in Bewegung, führt aus der Enge ins Offene und macht so lebendig.  Der Begriff hat einen ursprünglichen Zusammenhang mit Geburt, die neues Leben schafft. Ruach wird fast immer in Verbindung mit Verben der Bewegung benutzt und kann dann Wind und Sturm, Atem, Geist, Lebenskraft, Energie, Schöpferkraft, prophetische Gotteskraft, Vitalität und Ähnliches bezeichnen.

Das Geschlecht von Ruach ist im Hebräischen weiblich. Diese Weiblichkeit wird zwar im Alten Testament nie ausdrücklich thematisiert, aber es ist augenfällig, dass es immer um zerstörerische Aspekte geht, wenn Ruach in männlicher Form gebraucht wird – zum Beispiel in Hesekiel 19,12, wo der Weinstock ausgerissen und vom Ostwind ausgetrocknet wird, wie die Lutherbibel Ruach in diesem Fall übersetzt. Ruach umschreibt Gottes Schöpfer- und Lebenskraft. Beide gehen wie Atem aus dem Munde Gottes hervor. „Durch das Wort JHWHs wurden die Himmel gemacht, und durch die Ruach seines Mundes ihr ganzes Heer“ (Psalm 33,6).  Wer nicht oder nicht mehr atmet, ist tot und insofern ist die Ruach das, was lebendig macht. Im Gegensatz zu allem Leblosen, Statischen ist Ruach im Alten Testament immer etwas Dynamisches. In allen Varianten von Wind und Sturm, Lebensatem und göttlicher Schöpferkraft ist Ruach die Kraft, die sich bewegt und vor allem anderes in Bewegung setzt. Es gibt keine unbewegliche Ruach.

Gegen ein natürliches Trägheitsprinzip im Menschen und in den Dingen ist Ruach das, was alles Träge, Faule, Schlaffe und Tote überwindet.  Dabei lässt sich Ruach selbst nicht definieren. Man kann nur ihr Wirken beschreiben. Niemand weiß, woher Ruach kommt und wohin sie geht; Ruach ist unfassbar. In diesem Sinne hat das Johannesevangelium noch ganz alttestamentlich gedacht, als der Evangelist Jesus sagen lässt: „Der Geist weht, wo er will; du hörst wohl sein Brausen, weißt aber nicht, woher es kommt und wohin es geht“ (Johannes 3,8).  Ruach ist immer verändernd, belebend und erneuernd. Sie gibt neuen Mut und schenkt neue Lebensmöglichkeiten, also genau das, wonach sich viele Frauen und Männer bis zum heutigen Tag sehnen. Und das, obwohl ihnen in der Taufe die Geistkraft Gottes zugesprochen wurde. Diese Geistgabe in der Taufe hebt nach Galater 3,27 alle Hierarchien, auch die der Geschlechter auf.  Das Pneuma  – wie Ruach, die Geistkraft, im Griechischen genannt wird - schenkt allen Menschen ein Verhältnis zu Gott und eine gleichberechtigte Gemeinschaft untereinander.

Die Gabe der Geistkraft an alle Christen ist ein Zeichen der angebrochenen Endzeit und „Erstlingsgabe“, das heißt Bürge der ausstehenden völligen Erlösung.  Im Römerbrief heißt es: „Wir, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung“ (Römerbrief 8, 13f.). Um diese Hoffnung geht es: Sie wird uns in der Taufe durch den Geist vermittelt, im Leben sorgt der Geist dafür, dass wir unsere Erwählung und Erlösung nicht aus den Augen verlieren und uns entsprechend verhalten.  Und es ist der Geist, der uns nach dem Tod Auferstehung und ewiges Leben ermöglichen wird. Gott hat in Jesus Christus durch seinen Tod und die Auferstehung die Voraussetzung für unser ewiges Leben geschaffen, aber der Geist ist es, der uns durch Leben und Tod in die Gemeinschaft mit Gott bringt.

Die Tatsache, dass Gläubige von der Geistkraft Gottes getrieben sind und dass die Heilsgemeinde durch den Geist als Lebensprinzip konstituiert ist, wird nach Paulus auch in ihrem Verhalten sichtbar. Christen, die vom Geist des zukünftigen Reiches des Himmels ergriffen sind, empfinden deshalb einen Widerspruch zu jeder Lebensweise, die nur auf gegenwärtigen Genuss, Besitz und Macht aus ist. Sie sind von Paulus aufgefordert, sich für den Geist zu entscheiden, dem die Zukunft gehört. Und Zukunft wollen wir doch alle haben – sogar noch über den Tod hinaus. Also müssen wir Verbindung suchen mit der Geistkraft, uns in unserer Gegenwart mit ihr bekannt und vertraut machen, sie suchen in unseren Alltagsbezügen.

Die Geistkraft hat Zukunft und wer will darauf schon verzichten?  Was können wir tun? Wie können wir uns im Sinne von Paulus für die Geistkraft entscheiden? Die Erdenschwere, erfahren in unglücklichen Beziehungen, in Krankheiten des Körpers und der Seele und in unzähligen Ängsten, lastet auch auf Gläubigen, Männern und Frauen. Deshalb brauchen wir zuerst gegenseitige Ermutigung zu Schritten ins Offene. „Auf und macht die Herzen weit. Gottes Macht schützt, was er schuf!“ (EG 454) Reden wir über die Enge, die uns bewegungsunfähig macht. Sehen wir uns an, wie Malerinnen und Maler sich durch ihre Kunstwerke neue Wege gesucht haben. Hören wir auf die Erzählungen von wunderbaren Heilungen, jenseits aller medizinischen Möglichkeiten. Studieren wir die biblischen Texte, in denen unsere Vorväter und Vormütter versucht haben, Geistesgegenwart zu beschreiben. Und schaffen wir der Geistkraft Gelegenheiten, uns zu beflügeln beim gemeinsamen Beten und Singen, Essen und Arbeiten.  

Der Text von Erika Godel wurde zuerst veröffentlicht am 24. Juni 2012 in der evangelischen Wochenzeitung „Die Kirche“.

Die nächste Feministisch-theologische Sommerakademie findet vom 05. bis 07. Juli 2013 in der Evangelischen Bildungsstätte auf Schwanenwerder statt.

Zum Download:

Morgenandacht von Erika Godel (PDF-Dokument, 24.9 KB)

Impressionen (PDF-Dokument, 2 MB)

 

 
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