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Predigt zum Fünften Gebot (2. Mose 20,12) in der Predigtreihe „Klare Worte“ zu den Zehn Geboten

 
 
Dr. Matthias Loerbroks am 17. Juni 2012 in der Französischen Friedrichstadtkirche

Predigt zum Fünften Gebot (2. Mose 20,12) in der Predigtreihe „Klare Worte“ zu den Zehn Geboten

Dr. Matthias Loerbroks am 17. Juni 2012 (PDF-Dokument, 48.5 KB)

Predigt über das 5. Gebot, 2. Mose 20,12 (PDF-Dokument, 48.5 KB)
Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst, deine Tage sich längern auf dem Arbeitsfeld, das der HERR, dein Gott, dir gibt.

Weisung für befreite Sklaven, damit es nicht wieder zu Sklaverei und Unfreiheit kommt – das ist die Grundlinie der Zehn Gebote, und aller anderen auch, darum auch der rote Faden dieser Predigtreihe. Wir suchen damit das Evangelium, die frohe Botschaft von unserer Befreiung, nicht mehr nur als eine Art Präambel, als Vorzeichen oder Deutungsrahmen vor dem Gesetz, auch nicht nur nach dem Gesetz – als Zuflucht, wohin wir fliehen, Trost, der uns wieder aufrichtet, Rettungsanker, an den wir uns klammern, wenn uns durch das Gesetz klar geworden ist, was wir für Scheusale und Versager sind. Sondern wir suchen und hören das Evangelium im Gesetz, üben das ein, was bei den Juden als Simchat tora, Freude an der Tora bezeichnet und gefeiert wird.
Eine Weisung für befreite Sklaven sind die Gebote ja nicht nur für Israel, dessen Befreiung zuvor ausführlich erzählt und zu Beginn der Gebote erinnert wird, sondern auch für uns Christen, die bekennen, durch Jesus Christus von einem terroristischen Regime aus Sünde, Tod und Teufel befreit worden zu sein – durch ihn, durch Jesus Christus, widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen, an Gottes Geschöpfen, hörten wir vorhin aus der Barmer Theologischen Erklärung.
So lasst uns heute darauf hören, inwiefern nun auch das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, zur Bewahrung der Freiheit, zur Vermeidung von Sklaverei beiträgt, und es zu befolgen, uns frohe Befreiung widerfahren lässt.
Der Gott Israels, wie er in der Heiligen Schrift bezeugt wird, hat sich selbst an die Folge der Generationen Israels gebunden, identifiziert sich mit ihr, definiert sich durch sie. Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, so stellt er sich vor. Als er Abraham berief und mit ihm einen neuen Anfang machte, hat er nicht eine Religion begründet, für die Abraham Anhänger sammeln sollte, sondern ein Volk, eine Abstammungsgemeinschaft, hat ihm und Sara Nachkommen wie Sand am Meer versprochen. Um seinen Willen im Himmel und auf Erden durchzusetzen, setzt er nicht nur auf Überzeugungen, das freilich auch, auch nicht nur auf uns Menschen als seine Zeugen, das freilich erstrecht auch, sondern auf reale, materielle, leibliche Zeugungen, die selbst ein Zeugnis, ein Zeichen der Treue Gottes sind, und die Kette dieser Zeugungen und Geburten bilden die Struktur im ersten wie im letzten Buch der Hebräischen Bibel und so einen Deutungsrahmen des ganzen Buchs. Es ist nachdenkenswert, dass das Neue Testament mit seinem Anfang in Matthäus 1 an diese Zeugungen anknüpft: Buch der Zeugung Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. Und bei der griechischen Übersetzung der Hebräischen Bibel, die nicht mit den Chronikbüchern, sondern mit dem Buch des Propheten Maleachi endet und an deren Aufbau sich das christliche Alte Testament orientiert, ist es ähnlich: an deren Schluss wird verheißen, der Prophet Elia werde die Herzen der Väter zu den Söhnen, die Herzen der Söhne zu den Vätern bekehren, alle Generationen also integrieren, ihre Brüche heilen. Denn dass die Gebote in Israels Bibel stehen, heißt ja nicht, dass sie in Israel immer gehalten wurden und werden, im Gegenteil. Das, was wir abstrakt Geschichte nennen, ist in der konkreten Sprache der Bibel diese Kette der Zeugungen, toledot, und so ist eine erste frohe Botschaft, die wir diesem Gebot entnehmen: es ist eine gute Gabe Gottes, dass wir an dieser Geschichte tätig teilnehmen können. Dass wir geschichtliche Wesen sind, geschichtlich bedingt, gesellschaftlich beeinflusst, das ist nicht unser Verhängnis und Gefängnis, die Beschränkung und Unterwerfung, die uns an unserem Eigentlichen hindert, unser Wesentliches behindert, wie uns platonische Philosophen und existenzialistische Theologen einreden wollen, sondern Geschichte, die Folge der Generationen, ist das Gebiet, auf dem wir, eher als in der Natur, von Gott was mitkriegen, ihn kennen, mit ihm leben lernen. Wenn christliche Theologen behaupten, das Evangelium sei so etwas wie die Befreiung von der Geschichte, von der Last der Geschichte; unsere Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt ziele auf unsere Entweltlichung, befreie uns dadurch zum Eigentlichen und Wesentlichen, dann reden sie jedenfalls nicht vom Evangelium Jesu Christi, nicht von der frohen Botschaft des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs/Israels. Denn dies biblische Evangelium befreit uns zur tätigen Teilnahme an dieser Geschichte, befreit uns davon, ein einsames, abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen zu sein oder sein zu wollen, fern und fremd den Bundesschlüssen der Verheißung, ohne Hoffnung und so ohne Gott. Wenn wir das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, tun, werden wir auch den Gott unserer Väter und Mütter kennenlernen.
Das Gebot, die Eltern zu ehren, und das Gebot, den Schabbat zu heiligen, um das es vor vier Wochen ging, sind unter den zehn Geboten die einzigen wirklichen Gebote. Die anderen acht sind Verbote, sagen uns, was wir nicht tun sollen, diese beiden gebieten positiv etwas, und beide zielen auf unseren Umgang mit Zeit, mit Geschichte, wollen erreichen, dass wir sie bewusst gestalten, nicht stumpf und passiv bloß hinnehmen. Und dazu gehört, dass beide die Bedeutung unserer Arbeit begrenzen. Es ist ja biblisch nichts dagegen zu sagen, dass Menschen arbeiten, es ist sogar so etwas wie die Bestimmung des Menschen. Der Mensch, adam, ist dazu da, die adama, den Acker zu beackern. Auch das Schabbatgebot enthält ja das Gebot: sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Arbeit machen, es sorgt aber dafür, dass wir nicht ununterbrochen, bis zur Besinnungslosigkeit arbeiten, indem es die Arbeit unterbricht, uns Zeit zur Besinnung gibt. Und das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, zielt darauf, dass wir nicht arbeiten müssen, bis wir tot umfallen. Es ist zwar eigentlich selbstverständlich, muss aber angesichts von so viel Missverständnis und Missbrauch dieses Gebots in vielen Jahrhunderten doch klar gesagt werden: dieses Gebot ist, wie alle anderen, an Erwachsene gerichtet, dient also nicht der Disziplinierung von Kindern, sondern dem Schutz des freien, auch angstfreien Lebens und der Würde alter Menschen. Wer nicht mehr arbeiten kann, nichts mehr produziert, nichts mehr bringt, soll nicht zum alten Eisen geworfen, zum Schrott erklärt, als unnützer Esser betrachtet und behandelt werden – da ist der Zusammenhang zwischen Gebot und der Befreiung aus der Sklaverei, aus dem Frondienst mit Händen zu greifen.
Auch wer, gerade wer entschlossen ist, das Evangelium im Gesetz zu hören, entdeckt hier auch das Recht und die Wahrheit des traditionell evangelischen Verständnisses der Gebote als eine Art Beichtspiegel, der uns darauf aufmerksam macht, wo wir in die Irre gegangen sind, die von Gott gewiesenen Wege des Lebens verlassen und verloren haben und zur Umkehr gerufen sind in unserem persönlichen Leben, in unserem Zusammenleben als Gemeinde und im Blick auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Denn wir hören und bedenken dies Gebot mitten in einer Diskussion über das, was man mit vornehmer Zurückhaltung die demographische Entwicklung nennt, womit meist gemeint ist: die wachsende Zahl alter Menschen ist ein Problem, und die verschiedenen Vorschläge zur Organisation und Finanzierung der Renten, der Pflege und der medizinischen Versorgung zeigen nicht nur Hilf- und Mutlosigkeit, sondern auch wachsende gesellschaftliche Kälte, und die wird auch deutlich in der schlechten Bezahlung derer, die beruflich mit alten Leuten zu tun haben, ähnlich steht es am anderen Ende des Lebens mit Erzieherinnen und Erziehern, und bei beiden kommt nun auch noch die unverschämte Behauptung hinzu, eine solche Arbeit könne doch jeder tun, insbesondere jeder Bezieher von ALG II.
Nun ist ja wahr: die Menschen werden älter, sterben nicht mehr wie früher kurz nach dem Eintritt ins Rentenalter. Immer weniger Berufstätige müssen für immer mehr alte Menschen aufkommen, und das wird noch schwerer durch die jahrelange Massenarbeitslosigkeit, durch deren Bekämpfung durch das rasante Wachsen des Niedriglohnsektors und beider Folgen für künftige Rentenansprüche. Es ist aber nicht wahr, dass die wachsende Zahl alter Menschen nur oder vor allem ein Problem ist, und es ist auch nicht wahr, dass Menschen, die keiner bezahlten Arbeit mehr nachgehen, nicht arbeiten. Viele verbringen viel Zeit mit ihren Enkeln und spielen in deren Leben eine wichtige Rolle, beobachten deren Besonderheiten manchmal genauer als die vielbeschäftigten Eltern, vermitteln Erfahrungen, arbeiten und wirken als Zeitzeugen, gemeint ist: Augen- und Ohrenzeugen vergangener Zeiten, die unsere Gegenwart oft undurchschaut mitbestimmen.
Die Gebote des Gottes Israels binden nur die, die sich von ihm was sagen lassen, also Juden und Christen, nicht einen säkularen, weltanschaulich neutralen Staat, und der Trick der katholischen Kirche, diese Gebote kurzerhand zum Naturrecht zu erklären und damit als verpflichtend auch für die staatliche Gesetzgebung, steht uns evangelischen Christen nicht zur Verfügung, denn es ist ja nicht nur im Buch Exodus, sondern in der ganzen Bibel deutlich, dass beim Kampf dieses Gottes für die Durchsetzung seines menschenfreundlichen Willens von Natur keine Rede sein kann. Aber seine Gebote geben uns Weisung auch für unser politisches Engagement als Staatsbürger, und das fünfte Gebot macht uns da zu Lobbyisten für das Lebensrecht und die Würde alter Menschen. Es fragt uns aber auch nach unserem eigenen Umgang mit ihnen, nicht nur im persönlichen Leben, auch in der Kirche. Manche Mitarbeitende der Ev. Akademie, unserer Nachbarin in dieser Kirche und Mitmacherin dieser Predigtreihe, sind ganz unglücklich, wenn sie feststellen, dass das Durchschnittsalter der Teilnehmer ihrer Veranstaltungen erheblich über 70 ist, obwohl es doch gut ist, dass Menschen heute länger als früher geistig rege sind, Anregungen suchen, dazulernen wollen. Man könnte meinen, auch in der Kirche gelte das Argument: die bringen doch nichts. Wir müssen doch die erreichen und beeinflussen, die was bewirken, gesellschaftlich relevante Entscheidungen treffen. Auch manche Gemeindekirchenräte sehen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen die Sicherung unserer Zukunft, in der Arbeit mit Alten so etwas wie ein geistliches Gnadenbrot. Dabei ist das Evangelium von Jesus Christus, dem Brot des Lebens, für uns alle geistliches Gnadenbrot. Eine Kirche im Kapitalismus kann wohl keine kapitalismusfreie Zone sein, ist aber doch deutlich weniger den Zwängen der Kapitalverwertung unterworfen als andere Teile unserer Gesellschaft und sollte diese relative Freiheit nutzen.
Das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, ist, das ist schon dem Verfasser des Epheserbriefs aufgefallen, das einzige der zehn, das eine Verheißung enthält, und die wird meist so übersetzt: auf dass du lange lebst in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt; in Luthers Katechismus: auf dass es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden. Alle Gebote Gottes sind in der Tat mit der Warnung verbunden: wenn Israel diese Weisung zur Bewahrung der Freiheit missachtet, wird es das verheißene Land, das Land der Freiheit wieder verlieren, in neue Gefangenschaft, in Unfreiheit geraten, und das ist auch geschehen. Doch hier, bei diesem Gebot, ist nicht vom Land – eretz – die Rede, sondern von adama, vom Acker, den Adam beackern soll. Auch Menschen, die arbeiten, ihr Arbeitsfeld, ihr Arbeitsgebiet haben, so wird uns verheißen, leben besser und länger, wenn sie in einer menschlichen als wenn sie in einer unmenschlichen Gesellschaft leben, und diese Menschlichkeit erweist sich auch am Umgang mit den Alten.
Das hebräische Wort für ehren und für Ehre hat mit schwer sein, hat mit Gewicht zu tun. Wer Vater und Mutter ehrt, gibt ihnen Gewicht, nimmt sie nicht leicht, macht sie nicht klein, entwertet sie nicht. Es geht bei diesem Gebot nicht um Gehorsam gegenüber den Eltern, und diese Gehorsamsforderung wurde in der theologischen Tradition auch noch auf alle möglichen Autoritäten, den Staat, die Kirche, auf Vorgesetzte ausgeweitet, sondern um Respekt. Es ist ja nicht nur unvermeidlich, es ist auch richtig, dass wir als geschichtliche Wesen bei allem Respekt vor den Leistungen und dem Leiden unserer Vorfahren uns kritisch zu Traditionen verhalten, sie nicht in blindem Gehorsam übernehmen. Bei Peter Hacks heißt es: was du ererbt von deinen Vätern, sagt Goethe oder sagt es jedenfalls so ähnlich, verwirf es, um es zu besitzen. Doch das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, will erreichen, dass wir Liebe, Verständnis, Nachsicht, Einfühlungsvermögen nicht nur den Zeitgenossen gegenüber aufbringen, sondern auch gegenüber längst verstorbenen Vätern und Müttern. Die Theologin Dorothee Sölle hat in ihren jungen Jahren ihr Unverständnis darüber geäußert, wie man nach Auschwitz noch „Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret“ singen könne, und dieses Unverständnis kann ich verstehen, weil Auschwitz alle christliche Theologie radikal in Frage stellt. Aber das heißt nicht, dass der Glaube für frühere Generationen ganz leicht, völlig selbstverständlich gewesen wäre. Das war er auch für Joachim Neander nicht und schon nicht für den Dichter des 103. Psalms, den er nachdichtete.
Der Psychoanalytiker und politische Publizist Alexander Mitscherlich veröffentlichte 1963 das Buch „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft“, in dem er die Sorge äußert, dass eine Generation, die sich nicht mehr mit den Vätern auseinandersetzt, schwere seelische Probleme bekommt, gleichgültig gegenüber anderen wird, auch destruktiv und am Ende sogar überangepasst. Die kurz darauf in der Studentenbewegung aufbegehrende und aufbrechende Jugend war gewiss auch davon bewegt, dass den Eltern und Lehrern, die die Naziverbrechen entweder begangen oder jedenfalls nicht bekämpft hatten, nicht zu trauen sei, die sich die Sache aber dadurch zu leicht machte, dass sie die konkrete Auseinandersetzung mit jener Generation nicht immer führte, sondern sich in Selbstgerechtigkeit verfing, und die Situation wurde nicht besser, als manche von ihnen ihren eigenen Kindern gegenüber kein wirkliches Gegenüber waren, lieber beste Freunde sein wollten, sich weigerten, erwachsen zu sein, und es so ihren Kindern schwer machten, erwachsen zu werden. Dennoch bleibt wahr, dass es schwer, dass es vielleicht unmöglich ist, Vater und Mutter zu ehren, wenn es sich bei ihnen um Verbrecher handelt. Das gilt nicht nur für die Kinder der Massenmörder, es ist auch heute so für viele Erwachsene, denen als Kindern von ihren Eltern Gewalt angetan, die sexuell missbraucht wurden, doch ihr Verharren in Hass und Groll, so berechtigt es ist, wird ihre Wunden nicht heilen.
Das aber wirft die Frage auf, was ein Gott, der so leidenschaftlich am Zusammenhang und Zusammenhalt der Generationen interessiert ist; der die Bekehrung der Väter zu den Söhnen wie der Söhne zu den Vätern verheißt, den Eltern für den Umgang mit Kindern gebietet, und ich ehre nun selbst zwei theologische Väter, indem euch weitersage, wie sie unser Gebot in dieser Hinsicht weitergedacht haben.
Mein großer Vorgänger Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, er gilt zurecht als Kirchenvater des 19. Jahrhunderts, hat in seinen jungen Jahren, als er in den hiesigen Salons aufblühte, einen „Katechismus der Vernunft für edle Frauen“ geschrieben, in dem das fünfte Gebot – auch Schleiermacher hielt sich an die reformierte Zählung, die ja auch die biblische ist – lautet: Ehre die Eigentümlichkeiten und die Willkür deiner Kinder, auf dass es ihnen wohlgehe und sie kräftig leben auf Erden.
Und Karl Barth gilt als Kirchenvater des 20. Jahrhunderts, mit weniger Recht, denn seine Wirkung war leider viel geringer als die seines großen Vorgängers, den er sein Leben lang trotz scharfer Gegensätze bewundert, bei aller Kritik geliebt, immer geehrt hat, hat als alter Mann für sich selbst ein paar „Lebensregeln für ältere Menschen im Verhältnis zu jüngeren“ aufgeschrieben, die er dann gelegentlich auch anderen älteren Menschen weitergab:
1. Du sollst dir klar machen, dass die jüngeren, die verwandten oder sonst lieben Menschen beiderlei Geschlechts ihre Wege nach ihren eigenen (nicht deinen) Grundsätzen, Ideen und Gelüsten zu gehen, ihre eigenen Erfahrungen zu machen und nach ihrer eigenen (nicht deiner) Fasson selig zu sein und zu werden das Recht haben.
2. Du sollst ihnen also weder mit deinem Vorbild noch mit deiner Altersweisheit, noch mit deiner Zuneigung, noch mit Wohltaten nach deinem Geschmack zu nahe treten.
3. Du sollst sie in keiner Weise an deine Person binden und dir verpflichten wollen.
4. Du sollst dich weder wundern noch gar ärgern und betrüben, wenn du merken musst, dass sie öfters keine oder nur wenig Zeit für dich haben, dass du sie, so gut du es mit ihnen meinen magst und so sicher du deiner Sache ihnen gegenüber zu sein denkst, gelegentlich störst und langweilst und dass sie dann unbekümmert an dir und deinen Ratschlägen vorbeibrausen.
5. Du sollst bei diesem ihrem Tun reumütig denken, dass du es in deinen jüngeren Jahren den damals älteren Herrschaften gegenüber vielleicht (wahrscheinlich) ganz ähnlich gehalten hast.
6. Du sollst für jeden Beweis von echter Aufmerksamkeit und ernstlichem Vertrauen, der dir von ihrer Seite widerfahren mag, dankbar sein, du sollst aber solche Beweise von ihnen weder erwarten noch gar verlangen.
7. Du sollst sie unter keinen Umständen fallen lassen, sollst sie vielmehr, indem du sie freigibst, in heiterer Gelassenheit begleiten, im Vertrauen auf Gott auch ihnen das Beste zutrauen, sie unter allen Umständen lieb behalten und für sie beten.
Amen.

 

 
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