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Predigt zum Siebten Gebot (2. Mose 20, 14) in der Predigtreihe „Klare Worte“ zu den Zehn Geboten

 
 
Dr. Erika Godel am 19. August 2012 in der Französischen Friedrichstadtkirche

Predigt zum Siebten Gebot (2. Mose 20, 14) in der Predigtreihe „Klare Worte“ zu den Zehn Geboten

Dr. Erika Godel am 19. August 2012 (PDF-Dokument, 52.3 KB)

 

„Ach wären doch die Worte weniger ‚klar’, möchte man seufzen angesichts der Sachlage, dass laut des Statistischen Bundesamtes in Deutschland 2011 rund 190.000 Ehen geschieden wurden. Demnach verstießen 380.000 Männer und Frauen ganz offensichtlich gegen das 7. Gebot. Von den vielen anderen will ich gar nicht erst reden, die „nur“ mal einer Frau hinterher schauten, um sie zu begehren. Jesus sagt im Matthäusevangelium klipp und klar: Wer das macht, „hat schon die Ehe mit ihr gebrochen in seinem Herzen“ (Mt. 5,28). Heute ist zu ergänzen: nicht nur die Männer, die begehrliche Blicke auf junge, hübsche Gesichter werfen, auf schöne Beine oder einen wohlgeformten Busen, brechen damit schon die Ehe, sondern auch die Frauen, die einem knackigen Männerpo hinterherschauen oder eine dicke Brieftasche anziehend finden.

Ist aus der Scheidungsrate zu schließen, dass Ehebruch unter uns eher der Normalfall als die Ausnahme ist? Sollten wir das 7. Gebot aus unserem Kanon streichen, weil es unsere Wirklichkeit nicht mehr trifft? Sollen wir uns darauf verständigen, dass Ehebruch keine Sünde ist?

Mein erster Impuls bei der Aussicht, heute hier über das 7. Gebot zu predigen, war: eine tolle Gelegenheit endlich einmal öffentlich gegen die Unsitte zu Felde zu ziehen, dass bis in die eigene Zunft hinein kaum mehr Skrupel bestehen, sich scheiden zu lassen. Schauspieler, Politiker sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses aus allen möglichen Bereichen gingen voran, und Pfarrerinnen und Pfarrer, leitende Kirchenbeamte, Generalsuperintendenten und zuletzt sogar Bischöfinnen folgten. Kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bemühen im Falle der Scheidung gerne die fadenscheinige Ausrede, dass gerade die eigene Erfahrung mit dem Scheitern der Ehe sie erst recht in die Lage versetze, verständnisvolle Seelsorgerinnen und Seelsorger für die vielen zu sein, denen es auch nicht gelang, ihre Ehe nicht zu brechen.

Ist die Lebensführung von Amtsträgerinnen und Amtsträgern nicht mehr konstitutiver Bestandteil des Amtes? Gehört es nicht mehr zur Aufgabe, die heiligen Riten zu vollziehen, d.h. zu taufen und das Abendmahl zu spenden, die heiligen Mythen zu erzählen, d.h. zu predigen und das Evangelium zu verkündigen und ein heiliges Leben zu führen? Manfred Josuttis erregte 1990 mit in seinem Buch „Ehebruch im Pfarrhaus“ Aufsehen, als er ausführte: „Das Heilige erfordert ein heiliges Leben… In der Darstellung des heiligen Lebens zeigt der Pfarrer/die Pfarrerin, dass er/sie zum Vollzug der heiligen Riten und zur Weitergabe der heiligen Mythen bevollmächtigt ist… Der Pfarrer/die Pfarrerin soll tun, was er/sie sagt. Er/sie wird dafür bezahlt, dass er/sie so lebt, wie man leben soll und wie die anderen aus verschiedenen Gründen nicht leben wollen oder nicht leben können“ (München 1990, S. 13f.).

Wie kann man predigen: „Du sollst nicht ehebrechen“, wenn man sich selber nicht daran hält? Es ist mehr ein Gefühl als ein Wissen: den Ehebruch als Normalität hinzunehmen, würde meine Religion grundsätzlich in Frage stellen. Wieso? Weil die Missachtung der Weisungen Gottes bedeutet, Gott selber in Frage zu stellen.

Zu dieser Überzeugung bin ich auf diesem Weg gelangt:

Zuerst habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich „Ehe“ im biblischen Verständnis? Garantiert nicht das, was wir heute darunter verstehen, denn im Alten Testament war Polygynie eine selbstverständliche Gegebenheit und die übliche Form des Zusammenlebens. Unter Polygynie ist eine Eheform zu verstehen, bei der es einem Mann gestattet ist, mehr als eine Frau zu heiraten. Im Deutschen bezeichnen wir Polygynie schlicht und drastisch als Vielweiberei. Aus der Geschichte und den biblischen Geschichten weiß man, dass in polygynen Ehegemeinschaften ausgeprägte Hierarchien typisch sind und dass oft starke Rivalität zwischen den Frauen herrscht. Die (zeitlich) ersten Frauen haben im Normalfall einen höheren Status als die nach ihnen kommenden. Denken Sie nur an die Geschichte von Sara und Hagar oder den Gebärwettstreit zwischen Lea und Rahel mitsamt ihren Sklavinnen. Polygynie war für bestimmte Gesellschaftsformen vorteilhaft. Sie passte und passt bis heute zu politischen und ökonomischen Systemen, in denen Land oder Güter die wichtigsten Ressourcen darstellen.

Sie, meine Herren, liebe Brüder, hören es vielleicht gerne: Ehebruch bedeutete in der Zeit der Erlassung des 7. Gebots nicht, dass ein Mann nicht mehrere Sexualpartnerinnen haben durfte. Das wurde als selbstverständlich vorausgesetzt. Er durfte auch mehrere legitime Ehefrauen haben, weil Abwechslung erfreut, im besten Fall Geld zu Geld (Landbesitz zu Landbesitz oder Viehherde zu Viehherde) kommt und außerdem die Nachkommenschaft gemehrt und somit billige Arbeitskräfte garantiert sind. Während einer Geschäftsreise, wenn man die jährlich große Schafschur außerhalb des Wohnortes mal so bezeichnen will, war der Besuch bei einer Hure ganz normal. Man musste dieses Vergnügen nur anständig bezahlen. Dass er das zunächst nicht getan hatte, wurde Juda zum Verhängnis, als er seine Schwiegertochter Tamar schwängerte, nicht, dass er bei ihr war, als sie sich als Hure verkleidet hatte und ihn am Straßenrand als Freier empfing (1. Mose 38).

Zu diesen patriarchalen Zeiten hatten zwar Frauen nicht viel mitzureden, aber nur nachteilig war die Lebensform der Polygynie für Frauen auch nicht. Auch dafür ist die bereits erwähnte Tamar ein Beispiel. Als kinderlose junge Witwe war sie mittellos und von Altersarmut bedroht. Sie konnte zwar in das Haus ihres Vaters zurückkehren, aber da erwartete sie nur eine Existenz als „fünftes Rad am Wagen“. Deshalb war sie bereit den jüngeren Bruder ihres verstorbenen Mannes zu ehelichen, um mit ihm legitime Nachkommen zu zeugen und sich damit den Anspruch auf das Erbe ihres Mannes zu sichern, was ihr als Frau alleine nicht zustand. Selbst auf die Wiederverheiratung mit dem jüngsten Bruder hat sie geduldig gewartet, bis der im heiratsfähigen Alter war. Erst als der Schwiegervater den nicht herausrückte griff sie zu der List, sich als Hure verkleidet von ihrem Schwiegervater schwängern zu lassen. Unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen akzeptierten Frauen Polygynie, weil sie als Verheiratete versorgt waren und einen gesellschaftlichen Status hatten. Der Mann, der sich viele Frauen leisten konnte, musste ein wohlhabender oder reicher Mann sein. Mit so einem eine Ehe einzugehen, bedeutete für einige Frauen die Sicherung des Lebensstandards, den sie von zu Hause gewohnt waren, für viele aber war es ein sozialer Aufstieg. Liebe spielte üblicherweise weder in dem einen noch in dem anderen Fall eine nennenswerte Rolle.

Ehen wurden zu Zeiten des Alten Testaments nicht geschlossen, um eine neue Familie zu gründen, wie wir es heute sagen, sondern sie standen ausschließlich im Dienst der Erhaltung und Weiterführung der Sippe des Mannes. Folgerichtig erwählten und erwarben die Väter für ihre Söhne die Bräute bei deren Vätern für Geld oder vergleichbare Sachwerte. Von offiziellen Trauungsriten oder gegenseitigem Ja-Wort ist an keiner Stelle die Rede. Einziger Zweck der Ehe war die Erzeugung von Nachkommen, besonders von Söhnen.

Rechtlich-moralische Forderungen bezüglich der Ehe waren für Männer und Frauen sehr verschieden. Nur von Mädchen wurde voreheliche Keuschheit verlangt und absolute Treue nur von verlobten und verheirateten Frauen. Jeder außereheliche Geschlechtsverkehr von Frauen war Ehebruch, weil er gegen die Besitzrechte des Mannes verstieß. Männer brachen die Ehe nur, wenn sie mit Frauen anderer Männer geschlechtlich verkehrten. Männer konnten infolge dessen nur fremde Ehen brechen, Frauen dagegen nur ihre eigene. Auf Ehebruch stand für beide die Todesstrafe durch Steinigung. Unter bestimmten Umständen war es immer schon möglich, geschieden zu werden. Akzeptierte Gründe für eine Scheidung waren Kinderlosigkeit, Missfallen, Unverträglichkeit und Ehebruch. In einem sogenannten Scheidungsbrief wurden die rechtlichen Angelegenheiten geregelt.

Ich langweile Sie? Das klingt ihnen alles zu sehr nach grauer Vorzeit? Heutzutage gibt es so ein Eheverständnis bei uns nicht mehr, höchstens noch in vergleichsweise zurückgebliebenen Gesellschaften? Wir heiraten doch nur aus Liebe, egal ob es den Eltern gefällt oder nicht? Die Erinnerung an die eigene Tradition sollte sie zumindest vorsichtig machen bei der Be- und Verurteilung anderer Kulturen, wenn es um Unterscheidung zwischen vermittelten Ehen und Zwangsverheiratungen geht und bei Strafen, die beispielsweise die Scharia für Ehebruch vorsieht. Sie unterscheiden sich von Regelungen des Alten Testaments nicht sehr.

Und vergessen Sie nicht: Auch bei uns wird überwiegend im gleichen Milieu geheiratet. Im Schwäbischen ist es geradezu sprichwörtlich: erst die Sach’ und dann das „Mädle“, will heißen, bei der Wahl einer Frau sollte es zuerst darauf ankommen, dass die „Sach“, also das Vermögen und die Mitgift stimmen, ob das Mädle auch noch gut aussieht oder gebildet ist oder über sonstige Vorzüge verfügt, ist zweitrangig.

Und wenn Sie sich mal gedanklich in ihrem Bekanntenkreis umschauen, dann finden Sie bestimmt Beispiele dafür, dass manche Paare auch ohne Liebe ganz gut zusammenleben, weil das Drum und Dran stimmig oder für alle Beteiligten vorteilhaft ist. Es steht zu befürchten, dass Ehen, die aus Liebe geschlossen wurden, eher mehr als weniger anfällig sind für Ehebruch und infolge dessen für Scheidungen.

Und nun ist zu fragen: Hat das Neue Testament an den Ehevorstellungen des Alten Testaments viel verändert?

Ich denke nicht.

Wir wissen, dass es Hochzeiten gab, denn Jesus hat an einer teilgenommen und dass es Scheidungen gab, die Jesus den Menschen nur wegen ihrer Herzen Härtigkeit zugestand. Von Ehen ist in den Evangelien eigentlich keine Rede, nur von Ehebruch und Ehescheidungen. Wie bereits gesagt: Jesus verschärfte das Verbot des Ehebruchs, in dem er schon den begehrenden Blick auf eine fremde Frau als solchen wertete. Wiederverheiratung von Geschiedenen oder die Ehe mit Geschiedenen stuft das Neue Testament als schwere Sünde ein, obwohl auch zutreffend ist, dass Jesus mit einer Ehebrecherin sehr erbarmungsvoll umging. Jesus selbst war wie Johannes der Täufer nicht verheiratet und in seinem Freundeskreis ist nur von Petrus bekannt, dass er eine Schwiegermutter hatte und demnach verheiratet war. Auch Paulus war Single. Er empfahl angesichts des nahen Gottesreiches, auf die Ehe zu verzichten. Allein wegen der Gefahr der Unzucht, der Bedrängnis durch das Fleisch (1. Kor 7, 28) sei eine Ehe der Ehelosigkeit vorzuziehen. Besser für einen ungeteilten Dienst an Christus sei aber die Ehelosigkeit.

Also lieber nicht heiraten, damit man erst gar nicht in die Lage kommt, das 7. Gebot zu brechen? Wenn das die ganze biblische Weisheit in Bezug auf die Ehe wäre, dann könnte man sie getrost vergessen und das 7. Gebot gleich mit.

Fest steht, dass das Christentum die Ehe nicht erfunden, sondern in unterschiedlichen Rechts- und Sozialformen vorgefunden hat und dass die Kirche sich von Anfang an schwer damit getan hat, sie überhaupt zu akzeptieren. In der Bibel ist die Ehe nichts anderes als ein Rechtsgeschäft. Und als Rechtsgeschäfte nicht mehr Sache der Kirchen sondern des Staates waren, konnte Martin Luther zu recht sagen: Die Ehe ist ein weltlich Ding. Und wie Eheleute sie gestalten, geht niemand etwas an. Mit Glauben, mit unserem Seelenfrieden, gar dem Seelenheil hat sie nichts zu tun.

Ich habe bisher so ausführlich über Ehe zu biblischen Zeiten gesprochen, um deutlich zu machen, dass die Ehe damals mit der Ehe heute nicht viel gemein hat. Muss deshalb folgerichtig auch Ehebruch etwas anderes gewesen sein als heutzutage?

Was den Ehebruch betrifft wäre ja alles ganz einfach, wenn da bloß nicht bis heute der Schmerz wäre, wenn eine Ehe gebrochen wird. Egal wie liberal man sich gibt, Emanzipation von Männern und Frauen hin oder her: Es tut einfach weh, wenn man verlassen wird, wenn man sich gegenseitig nur noch langweilt und ganz besonders, wenn ein Mann eine andere Frau der eigenen vorzieht oder eine Frau einen anderen Mann. Außereheliche Beziehungen sind für die meisten von uns zutiefst verletzend, und ich persönlich traue niemandem, der oder die das Gegenteil behauptet.

Natürlich weiß ich, dass die menschliche Natur triebhaft ist. Niemand ist von Natur aus vor Begehren gefeit, denn eben dieses Begehren steht ja in der Regel bis heute auch am Anfang jeder Zweierbeziehung. Begehren, auch sexuelles Begehren, ist etwas Gutes und Schönes und eine Triebfeder für das gelingende Miteinander von Männern und Frauen. Aber ich weiß auch, dass dieses Begehren offensichtlich schwer zu beherrschen ist und nur zu gebieten: „Du sollst nicht ehebrechen“, hilft nicht weiter.

Aber was hilft? Vielleicht die Beobachtung, dass das 7. Gebot in biblischer Sicht gar nicht beim Begehren ansetzt, sondern an unserer Befähigung zur Treue. Die ist uns in der Liebe Gottes geschenkt und diese Treue setzen wir im Ehebruch aufs Spiel. Diese zu verspielen, macht uns Gott fern.

Das meine ich so:
Gott hat es aus uns unerfindlichen und nicht nachvollziehbaren Gründen gefallen, den Menschen als Mann und Frau zu schaffen. Und er fand das nicht nur gut so, sondern sehr gut. Wir sind als Männer und Frauen ein „paariges“ Individuum, dessen Natur sich in der Praxis des geteilten Lebens erfüllt. Michel Foucault folgert aus dieser Beobachtung, dass es auf diesem Hintergrund keine grundlegende Unverträglichkeit geben kann zwischen dem Verhältnis, das man zu sich selbst hat und der Beziehung, die man zum anderen herstellt. Genauso hat es Gott in der Beziehung zu seinen Geliebten gehalten. Er war ihnen treu, immer, und selbst dann noch, als sie ihn betrogen. Sie sind um ein goldenes Kalb herumgetanzt, obwohl er sie aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hatte. Immer wieder schildert uns die Bibel die Beziehung von Gott und Menschen als Liebesbeziehung, in der es Begehren, Eifersucht und Untreue gibt, wie in unseren menschlichen Beziehungen auch. Aber anders als wir, bleibt Gott treu. Er hat den Bund, den er mit Israel geschlossen hat und zu dem wir Christen durch Jesus nachträglich eingetreten sind, bis heute nicht aufgelöst. Wenn wir diese Treue unter uns nicht wertschätzen und untereinander in unseren Beziehungen abbilden, dann begehen wir einen Bruch, einen Bündnisbruch, einen Ehebruch und stellen damit – bewusst oder unbewusst - mit infrage, dass der treue Gott existiert und wir an seiner Treue interessiert sind. Das ist das Verhängnisvolle an der Sache.

Ehe ist natürlich nur eine mögliche Form, in der Treue gelebt werden kann. Und diese Form ist wandelbar, wie ihre Geschichte zeigt. Auch in anderen Beziehungen ist Treue möglich und ein hoher Wert, der auch von Lesben und Schwulen verspielt werden kann.
Für alle Beziehungen zwischen Menschen gilt, dass wir uns in unseren Beziehungen an der Beziehung Gottes zu uns orientieren sollen. Die deutsche Übersetzung der Gebote ist auch im gegebenen Fall nicht optimal, weil die Verbotsform mit „du sollst nicht“ dazu führt, die Klammer zu vergessen, die alle Gebote zusammenhält. Es ist die von Gott gewährte Befreiung aus Knechtschaft. Aus dieser Befreiung ist unsere Freiheit abzuleiten, so zusammenzuleben, dass es der Treue Gottes nicht widerspricht. Denn Gott will nicht, dass wir fremd gehen. So übersetzt die Bibel in gerechter Sprache das Ehebrechen. Mit „fremd gehen“ scheint mir das 7. Gebot unter unseren heutigen Bedingungen besser umschrieben zu sein als mit Ehebruch. Weil Gott treu ist, sollen wir es auch sein.
Aber wie geht das?

Ich habe eine Spur gefunden in dem Lied, das wir vorhin gesungen haben und dem, was wir gleich noch singen werden.

In dem Morgenlied heißt es in seiner alten Fassung:
„All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu. Sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag. O Gott, du schöner Morgenstern, gib, was wir von deiner Lieb begehrn. Zünd deine Lichter in uns an, lass’s Herz an Gnad kein Mangel han.“

Übertragen Sie das ruhig einmal auf ihre persönliche Liebesbeziehung:
Denken Sie morgens beim Aufwachen nicht: O, was liegt denn da für einer oder für eine neben mir? Der hat ja schon fast keine Haare mehr auf dem Kopf und immer dicker wird er auch. Oder: Im ungeschminkten Zustand sehe ich nichts als Falten und schlaffe Haut. Sondern denken Sie: All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu. Und du da neben mir, sollst mir der lebendige Beweis dafür sein. Gib mir, was ich von deiner Liebe begehre. Zünde ein Licht in mir an und lass es mir an nichts mangeln, jeden Tag nicht.

Oder beginnen Sie den Tag mit Johann Scheffler, besser bekannt unter dem Namen Angelus Silesius. Er dichtete:
„Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht, Liebe die du mich so milde nach dem Fall hast wieder bracht: Liebe dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.“
Von Askese, vom Verkneifen aller Gelüste ist in dieser Liebesmystik wahrlich nicht die Rede, sondern von Hingabe zwecks ewiger Lust und Seligkeit. Wie im Himmel, so auf Erden soll es sein. Richten Sie ihr Begehren nur ganz inbrünstig auf ihren Mann oder ihre Frau. Genauso, wie Gott sein Begehren inbrünstig auf uns Menschen gerichtet hat und bis heute richtet.

In einem anderen Lied von Angelus Silesius heißt es:
„Ich will dich lieben, meine Stärke, ich will dich lieben meine Zier, ich will dich lieben mit dem Werke und immer währender Begier. Ich will dich lieben schönstes Licht, bis mir das Herze bricht“ (EG 400).
Begehren kann man sich vielleicht nicht vorschreiben, das mag naturgewaltig über einen kommen, aber das Wollen, das Lieben-Wollen, steht sehr wohl in unserer Macht und setzt unsere Entscheidung voraus, jeden Morgen neu. Und wenn Sie sich immer wieder für die oder denjenigen entscheiden, für den Sie einmal in Liebe entbrannt sind, dann werden Sie es vielleicht erleben, das Wunder andauernder Liebe. Und dann erfüllen Sie das 7. Gebot aus ihrem ureigensten Bedürfnis heraus und unterlaufen nicht ständig, was geschrieben steht: Du sollst nicht fremd gehen!

Amen

KMD Nauhaus beendete den Gottesdienst an der Orgel mit einer Vertonung des Liedes
„Zärtliche Liebe“ von Ludwig van Beethoven.

Ich liebe dich, so wie du mich,
am Abend und am Morgen,
noch war kein Tag, wo du und ich
nicht teilten unsre Sorgen.
Auch waren sie für dich und mich
geteilt leicht zu ertragen;
du tröstetest im Kummer mich,
ich weint in deine Klagen.
Drum Gottes Segen über dir,
du, meines Lebens Freude.
Gott schütze dich, erhalt dich mir,
schütz und erhalt uns beide.

 

 

 

 
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