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Verbindlich leben – vielfältig leben

 
 
Veranstaltungsreihe

Verbindlich leben – vielfältig leben

 

12. September 2013

Das Kloster der Jesus-Bruderschaft in Volkenroda wurde nach der Wende nach jahrhundertelanger Nichtnutzung wieder aufgebaut, die Gemeinschaft Kana – Suppenküche Dortmund gründete sich in den 1980er Jahren als Reaktion auf die zunehmende Armut in der Stadt und die Iona Community hat ihren Hauptsitz auf einer schottischen Insel, die Mitglieder der Gemeinschaft leben über die ganze Welt verteilt. So unterschiedlich wie die Orte und Entstehungsgeschichten von Kommunitäten heute sind auch ihre Lebensformen. Doch gleich ob ein fester gemeinsamer Wohnsitz, häufige Treffen mit der Gemeinschaft oder „nur“ eine enge Verbindung durch die modernen Kommunikationsmittel das Zusammenleben prägen – eine übergeordnete Rolle spielt für alle geistlichen Gemeinschaften die Verbindlichkeit.

„Verbindlich leben“ heißt die Reihe, in deren Rahmen am 12. September 2013 bereits die zweite Abendveranstaltung stattfand. Akademiedirektor Dr. Rüdiger Sachau begrüßte und lud ein, sich „unverbindlich verlocken“ zu lassen von den persönlichen Begegnungen und Gesprächen, die der Abend bringen werde.
Auf dem Programm stand zuerst ein Podiumsgespräch, geleitet von Rüdiger Sachau und Simone Ehm, zu dem Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunitäten in Berlin und bundesweit geladen waren, um von ihren Gemeinschaften zu berichten. Als ihre Aufgabe betrachten viele Gemeinschaften, in der Gefolgschaft Jesu Menschen einen zuverlässigen Raum bieten zu können, in dem diese sich wohl fühlen und bestenfalls einen Weg zu Gott finden können. Auch ein offenes Ohr sei wichtig: „Ich will immer da sein, wenn Menschen Fragen haben“, sagte Brigitte Beckmann vom Kloster Stift Heiligengrabe. Teilen miteinander und mit den Bedürftigen der Gesellschaft ist ebenso wichtig wie gemeinsame Gebetszeiten. Zu diesen findet man sich an einem festen Ort zusammen oder tauscht Bibeltexte per E-Mail aus. Gemeinschaft könne auch in innerer Verbundenheit bestehen, erklärte Schwester Steffanie Ziemer-Brandenburger von der Sarepta Schwesternschaft in Bethel, deren Arbeitsplatz sich außerhalb des Schwesternhaus befindet, weshalb sie oft auf die gemeinsamen Gebete verzichten muss. Doch in Gedanken sei sie zu den gemeinsam festgelegten Zeiten stets mit ihren Mitschwestern verbunden.
Feste und verlässliche Regeln sind das wichtigste Element jeder Gemeinschaft. Auf die Frage, ob bei so viel Besinnung nicht automatisch eine gewisse Distanz zum weltlichen Geschehen entstehe, erwiderte Christiane Danowski von Kana – Dortmunder Suppenküche, Weltdistanz könne man gerade im Rahmen der Weltzuwendung erleben. Die Menschen, die das Angebot einer kostenlosen warmen Mahlzeit annähmen, seien oft weit entfernt vom Leben der Mehrheitsgesellschaft. Man befinde sich mitten in der Stadt, aber doch weit weg von ihr. Auch Jens Wolf von der Jesus-Bruderschaft Kloster Volkenroda betonte, dass Leben in einer klösterlichen Gemeinschaft nicht weltfern sei, sondern auch bedeute, mit verschiedenen Menschen auf engem Raum zu leben, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen und sie zu akzeptieren.
An die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunitäten aus Berlin und Umgebung richtete sich die Frage, welche Formen von Spiritualität in der Großstadt funktionierten. Den Begriff der Spiritualität verkomme zu einem „Containerbegriff“, der zunehmend einen Wellness-Charakter bekomme, erklärte Schwester Katharina Klara Schridde von der Solentiname-Weggemeinschaft. Die persönliche Verwirklichung werde dabei in das Zentrum der Erfahrung gestellt. Vielmehr sei jedoch wichtig, den Nächsten in den Blick zu nehmen. Das könne man, anders als manche vermuteten, in der Großstadt besonders gut, denn der Widerspruch, den das städtische Leben mit sich bringe, helfe dabei, sich zu besinnen auf die Aufgaben, die man in der Gesellschaft habe. Rolf Bielefeld von der Iona Community in Berlin findet, dass Spiritualität stiftende Themen in der Großstadt geradezu auf der Straße lägen. Bruder Franziskus vom Rogate-Kloster St. Michael zu Berlin schloss sich dem an und berichtete, dass die Großstadt und ihre Brennpunkte ihn dazu inspirierten, sie in die traditionelle Gottesdienstform miteinzubeziehen. Es sei aber auch notwendig, dass es festgelegte Zeiten des Rückzuges aus dem städtischen Trubel gäbe, ergänzte Clemens Weber von der Basisgemeinde Prenzlauer Berg. Eine Stunde Stille am Tag gehört in seiner Gemeinschaft zu den festen Ritualen.
Der zweite Teil des Abends war geprägt von persönlichen Gesprächen zwischen den Besuchern und  den Vertreterinnen und Vertretern der Kommunitäten. Dabei ging es bei Wein und Brot in Tischgruppen oft um ganz praktische Fragen, die das Leben in einer Gemeinschaft betreffen: Wie reagieren Nachbarn auf die Anwesenheit einer Kommunität? Ergibt sich aus einer solchen Gemeinschaft automatisch eine Vorsorge für das Alter oder läuft sie mit zunehmendem Lebensalter  der Mitglieder Gefahr, auseinander zu brechen? Gibt es Zuwachs in den Kommunitäten? Die Vertreterinnen und Vertreter der Kommunitäten beantworteten alle Fragen sehr offen und auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung befanden sich viele noch in anregenden Gesprächen.
Möglichkeit zum Weiterdenken haben alle Interessierten wieder am Donnerstag, den 19.9.2013, wenn die Veranstaltungsreihe zu Gast im Stadtkloster Segen im Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee 161 ist. Dort können Sie direkte Einblicke in das Leben einer Kommunität mitten in der Stadt gewinnen. Die Veranstaltungsreihe „Verbindlich leben“ schließt am Donnerstag, den 17.10.2013 mit einem Abend in der Französischen Friedrichstadtkirche.
Zu allen Veranstaltungen laden wir Sie herzlich ein.

Maria Langer, Praktikantin an der Evangelischen Akademie zu Berlin

 
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