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Gottes Nähe

 
 
Rüdiger Sachau über eine verharmlosende Jahreslosung und eine heilsame Beunruhigung

Gottes Nähe ist kein einfaches Glück

 

Zu gefällig, zu nett, zu wenig glaubwürdig – so urteilt Akademiedirektor Rüdiger Sachau über die diesjährige Jahreslosung „Gott nahe zu sein ist mein Glück“. Das aus dem Zusammenhang gerissene Zitat entspreche weder den Ambivalenzen des Lebens, noch dem Tenor des biblischen Psalms 73, aus dem es stammt.

 

„Das Evangelium ist nicht einfach und es ist auch keine süße Botschaft“, betont Sachau. Bei einem genaueren Blick auf dem Psalm 73 sei sogar festzustellen: „Der hier betend sein Glück behauptet, ist gar nicht glücklich!“ Sachau erkennt den Psalmbeter als „zutiefst angefochtenen Menschen“, der unsicher sei, wie es mit Gottes Nähe und unserem Glück bestellt sei. „Er leidet am Glück der anderen“, meint Sachau. Aus der Perspektive des Beters gelte: „Die Reichen werden immer reicher, die Gottlosen fühlen sich überlegen, die Orientierung an Werten gilt nichts mehr“: „Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich“. Der Ärger des Psalmisten lasse sich spüren, der Neid über die anderen, die ohne Moral erfolgreich sind. Und doch sei seine Kritik eine billige, konstatiert Sachau: Sie komme neidisch aus einer „inneren Gefangenschaft“, und sie sei wohlfeil, weil sie nichts koste. Eine ernst zu nehmende, wirkungsvolle, „vollmächtige“ Kritik aber könne nicht aus der Sünde des neidischen Vergleichens entspringen, sondern nur aus der Orientierung an Gott. Wie ist eine solche Orientierung möglich? Für alle Menschen, macht Sachau deutlich, gilt, dass sie „nicht sind, wie sie sein sollten“, und somit auch „nicht der Nähe Gottes würdig“ sind. „Weil ich also nicht zu Gott kommen kann“, schlussfolgert Sachau, „kommt Gott zu mir“.

 

Aber auch diese Botschaft ist differenziert zu betrachten. Denn wenn Gott von sich aus zu den Menschen kommt – gibt es das Glück dann umsonst? Sind die Maßstäbe für unser Handeln herabgesetzt? Sachau verbindet diese Fragen mit der Beobachtung, „wer denn die glücklich machende Nähe Gottes zu spüren bekommen soll“. Dem biblischen Zeugnis entsprechend nimmt Sachau an, dass Gott sich nicht „zu den Eliten und Verantwortungsträgern“ begibt, sondern eher „zu den Sozialhilfeempfängern“, nach Weißrussland oder nach Syrien.

Das Evangelium, so die Konsequenz Sachaus, werde politisch, wenn es nicht nur als „individuelle Geschichte der Beruhigung“ gelesen werde. „Aber wenn wir uns darauf einlassen, uns heilsam beunruhigen lassen, dann wird es auch kraftvoll, weckt Widerstand und setzt Energien frei. Dann beginnt der Wind Gottes zu wehen. Mitten unter uns, ganz nahe. Das ist es, was ich mir für dieses Jahr wünsche“.

Andacht von Rüdiger Sachau (PDF-Dokument, 386.2 KB)

 
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