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Bildandacht Muthesius zu schön um wahr zu sein

 
 

Zu schön, um wahr zu sein?

© EAzB

 

Der Künstler hackt die Axt in sein Werk. Dann holt er eine Motorsäge. „Nein!“ ruft jemand im Publikum. Die meisten sitzen stumm. Das Sägeblatt gleitet kreischend in das golden schimmernde Quadrat. Holzspäne fliegen durch die Luft. Winfried Muthesius, der Schöpfer des „Golden Field“ in der Kapelle der Evangelischen Bildungsstätte Schwanenwerder, bearbeitet sein Werk. Es ist seine „Bildandacht“ auf der Tagung „Zu schön um wahr zu sein? Kunst und Kirche im Dialog“ am 12. Juli. Die meisten der rund 45 Zuschauerinnen und Zuschauer machen ernste Minen. Was passiert hier? Ist das jetzt Kunst? Der Künstler bleibt stehen, schaut herab auf sein Werk, die Axt bei der Hand. Minutenlang umstreicht er schweigend das goldene Wrack. Das Publikum steht zögernd auf. Manche treten nach vorne, schauen sich das angesägte Goldbild aus der Nähe an.

Nach der Andacht gehen die Eindrücke des Publikums auseinander. „Diese konzentrierte Stille. So viel Aufmerksamkeit habe ich selten erlebt.“ „Für mich war es eine Opferung, als wäre er mit der Axt auf Christus losgegangen.“ „Aber der Künstler hat doch nur sein Werk bearbeitet. Besser hat er es gemacht, wenn Sie mich fragen. Eine glatte goldene Fläche hinter einer Christusfigur ist doch eine Platitude!“ „Nein, das war ein primitiver Akt, gewollt und pathetisch! Bei mir bekäme der Künstler Hausverbot.“ „Mich hat es an Jimi Hendrix erinnert, wie er seine Gitarren abgefackelt hat.“ „Warum sind wir alle einfach sitzengeblieben? Niemand ist dazwischen gegangen.“ „Ich finde wichtig, dass es der Künstler selbst war, der an sein Werk Hand angelegt hat, niemand anderer.“ „Für mich ist die Kapelle erst jetzt eine Kapelle. Vorher war es ein Raum der Stille. Jetzt passt alles zusammen, passt es zum gekreuzigten Christus.“

Das Publikum hat eine Aktion erlebt, die nicht wiederholt werden kann. Aus dem großen, glatten, schimmernden Quadrat ist ein kleines, geschundenes geworden. War es vorher zu schön? Was sie erkannt haben, nehmen die Einzelnen mit.

Bericht: Eva Harasta und Karoline Lehmann

Das Video und Bilder zur „Bildandacht“ mit Winfried Muthesius sehen Sie unten eingebettet.

Den Blog von Winfried Muthesius finden Sie hier.

 

Bildandacht mit Winfried Muthesius

 
Artikel

Chapeau! Eine beeindruckende Aktion, die selbst im Bericht noch spürbar wird.

Ein gewaltsamer Akt. An einem Objekt, das durch sein Dasein an diesem Ort zumindest schon zum Teil zum Besitz aller geworden ist. Die Leute sind beklemmt und gebannt. Bilderstürmerei? Kunstwerkverbrennung? Keiner steht auf, die Axt oder Säge wegzunehmen. Wäre doch vielleicht unangemessen. Es wird schon seine Richtigkeit haben damit. In der DDR hätte man spöttisch gesagt: die Genossen werden sich schon was gedacht haben dabei. Ist das nicht ein Wesenszug, der sich durch die Geschichte der Deutschen zieht? Manche unserer Vorfahren mag ebenso beklommen dagestanden haben. Ohne aufzustehn. Wenn es Absicht war, dieses ans Licht zu bringen, ist die Sache schon fast wieder genial. Und sollte uns ermahnen und ermutigen, in weniger harmlosen Fällen das Werkzeug zu entwinden. Man hätte es ja schon mal hier proben können ...

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