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Demokratisierung als berufliche Aufgabe

 
 
Nachbericht „Demokratisierung als berufliche Aufgabe?“ am 2. Juli

Die Rolle von Pfarrerinnen und Pfarrern 1989 und heute

© EAzB

Michael Haspel im Gespräch mit Teilnehmenden am Abendforum und Studierenden der Humboldt-Universität zu Berlin

 

„Die Kirche ist nicht zur Kirche, sondern in die Welt gesandt.“ Dies ist eine der Thesen von Prof. Michael Haspel im Blick auf die heutige Rolle von Pfarrerinnen und Pfarrern. „Die öffentliche Verantwortung gehört zum Öffentlichkeitsauftrag der Kirche und der Pfarrpersonen, weil sie im Öffentlichkeitsanspruch des Evangeliums und der Sendung der Kirche begründet ist“, sagte der Theologe in seinem Referat „Pfarrerinnen und Pfarrer als organische Intellektuelle der Friedlichen Revolution. Und heute?“ am 2. Juli.

„Demokratisierung als berufliche Aufgabe? Pfarrerinnen und Pfarrer 1989 und heute“ – das war die Frage des Abends in der Reihe „Kirche als Lernort der Demokratie“. Was Michael Haspel in seinem Vortrag erörterte, wurde von 18 Studierenden der Humboldt-Universität Berlin illustriert. In einem praktisch-theologischen Seminar unter Leitung von Pfarrerin Dr. Kerstin Menzel hatten sie Interviews mit Pfarrerinnen und Pfarrern geführt. Die Videoaufnahmen der Interviews wurden bei der Veranstaltung in der Französischen Friedrichstadtkirche gezeigt und diskutiert. Dabei zeigte sich für viele Teilnehmende, dass nicht nur in der ehemaligen DDR unter Bedingungen der Diktatur, sondern auch heute in der freiheitlichen Demokratie Pfarrerinnen und Pfarrer ihre Rolle im gesellschaftlichen Raum genau bestimmen müssen. Die Studierenden hatten in ihren Interviews unter anderem nach dem Verhältnis zur Öffentlichkeit und zur Demokratie gefragt.

Haspels Überlegungen zur Rolle von Pfarrerinnen und Pfarrern in der Friedlichen Revolution bildeten die Grundlage der Diskussionen. „Die oppositionellen Gruppierungen, die sich im Laufe der 1980er Jahre bildeten, waren zwar oft von kirchlichen Mitarbeitenden und ehrenamtlich kirchlich engagierten geprägt, aber gerade nicht von Pfarrerinnen und Pfarrern“, sagte er. Diese seien in größerer Zahl doch wohl erst ab Oktober 1989 auf den Plan getreten. Aber nicht nur diese Berufsgruppe war (und ist) für das Bild der Kirche in der Gesellschaft wichtig. Das, so Haspel, wird beispielsweise an Marianne Birthler deutlich. Sie hatte als Gemeindepädagogin wesentlichen Anteil an der Friedlichen Revolution und engagierte sich auch später politisch, bis in das Spitzenamt der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.

Im Blick auf die Pfarrpersonen, konstatierte der Theologe, sei damals nicht nur ihr Verhalten sehr unterschiedlich gewesen, „sondern auch ihre Einstellungen zu und Vorstellungen von Demokratie“. Er verwies darauf, dass „einige Akteure des Herbstes 1989 in den Reihen der Rechtspopulisten, ja sogar auch Rechtsextremen“ wiederzufinden seien. „Die eine Rolle der Pfarrer*innen und Pfarrer hat es nicht gegeben. Ob die Mehrheit überhaupt für eine liberale Demokratie eintrat, wissen wir nicht.“

Die Gespräche zwischen den Studierenden und zahlreichen Besucher der Veranstaltung zeigten, dass auch nach 30 Jahren die Demokratie inner- und außerhalb der Kirche vor großen Herausforderungen steht. Diesbezüglich verwies Michael Haspel auf die Diskussionen zur „postdemokratischen Gesellschaft“, damit die Forderungen nach demokratischer Beteiligung nicht an tieferliegenden systemischen Veränderungen vorbeigehe. Zu den Thesen Haspels gehört auch die Annahme, die Kirche solle sich selbst als „verbesserlich“ verstehen. „In der verbesserlichen Welt gilt auch für die Kirche und ihre Glieder, die Botschaft von der Gottebenbildlichkeit und Würde aller Menschen und deren Schutz durch das Recht immer wieder neu zu hören. Rechtspopulismus macht an den Kirchentüren ja leider nicht halt.“

Die Reihe „Kirche als Lernort der Demokratie“ wird von der Stiftung Aufarbeitung gefördert. Der vierte Teil mit dem Titel „Wie politisch muss die Kirche sein?“ findet am 18. September statt. Das erweiterte Redemanuskript von Michael Haspel lesen Sie hier (PDF-Dokument, 133 KB).

Einen Radiobeitrag von rbb Kultur zum Abendforum hören Sie hier.

Im Folgenden sehen Sie die beim Abendforum vorgestellten Videos.

 
Martin Vogel

Länderbeauftragter Berlin-Brandenburg

 
Cordula Machoni

Citykirche St. Petri - St. Marien (Alexanderplatz)

 
Frank-Michael Theuer

Beauftragter für Deutschlandfunk

 
Dr. Rüdiger Sachau

Direktor der Evangelischen Akademie

 
Eva-Maria Menard

Superintendentin im Kirchenkreis Prignitz

 
Michael Reis

Militärpfarrer

 
Stefanie Hoffmann | Theresa Brückner

Pfarrer*innen im digitalen Raum

 
Joachim Lenz

Leiter der Berliner Stadtmission

 

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    Das Kirchenlied als Werkzeug der Verkündigung.
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