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Tschetschenische Flüchtlinge in Deutschland

 
 

Tagung

Tschetschenische Flüchtlinge in Deutschland

Tagung und Ausstellung

Tagungsnummer
2006TG24
04. Oktober 2006
10:00 - 20:30 Uhr
Inhalt:

Leitung

Ulrike Poppe

Organisation

Silke Ewe

 
(030) 203 55 - 508

Seit Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges im Herbst 1999 kommen Flüchtlinge aus Tschetschenien nach Europa, überwiegend junge Männer, Frauen und Kinder. Hunderttausende flohen vor der anhaltenden Gewalt in der kleinen Kaukasusrepublik. Zehntausende leben bis heute als Asylsuchende in europäischen Ländern, davon mehrere Tausend in Deutschland und mehrere Hundert in Berlin. Weitgehend zerstört sind in Tschetschenien nicht nur Wirtschaft, Infrastruktur, Wohnhäuser, Schulen und Krankenhäuser, gefährlich beschädigt ist inzwischen auch die traditionell gut funktionierende tschetschenische Zivilgesellschaft. Experten sprechen von der größten humanitären Katastrophe im Umfeld der OSZE.

Aufgrund der russischen Informationssperre um das Krisengebiet wissen wir in Deutschland wenig darüber, was in Tschetschenien wirklich geschehen ist und bis heute geschieht. Die zum großen Teil schwer traumatisierten tschetschenischen Flüchtlinge treffen in den Zufluchtsländern auf eine Bevölkerung, die selbst mit den Auswirkungen einer Wirtschaftskrise, mit Langzeitarbeitslosigkeit und Überschuldung zu kämpfen hat und kaum ermessen kann, aus welchem Inferno diese Flüchtlinge kommen.

Dadurch ist die Situation der Tschetschenen sehr viel schwieriger als beispielsweise die der Bürgerkriegsflüchtlinge aus Ex-Jugoslawien in den neunziger Jahren, die breite Unterstützung der deutschen Öffentlichkeit und bereits etablierte Netzwerke vorfanden, welche infolge jahrzehntelanger Arbeitsmigration von Landsleuten gewachsen waren. Umso mehr benötigen die tschetschenischen Flüchtlinge unsere Aufmerksamkeit.

Auf dieser Tagung werden wir über die Situation der tschetschenischen Flüchtlinge in Berlin und in Deutschland sowie über die Hintergründe der Fluchtbewegung informieren. Zusammen mit tschetschenischen Zeitzeuginnen und Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Politik wollen wir über die menschenrechtlichen Herausforderungen für europäische Diplomatie und Flüchtlingspolitik ins Gespräch kommen.

Dazu laden wir Sie herzlich ein.


Barbara Gladysch, Mütter für den Frieden

Ulrike Poppe, Ev. Akademie zu Berlin

Dr. Sonja Süß

Programm:

9.15 Uhr Anmeldung und Kaffee / Tee


10.00 Uhr Begrüßung und Einführung

Ulrike Poppe, Evangelische Akademie zu Berlin


10.15 Uhr Informationen zur Ausstellung

"Tschetscheniens Kinder – Tschetscheniens Zukunft"

Barbara Gladysch, Mütter für den Frieden, Düsseldorf


10.30 Uhr Zur gegenwärtigen Situation in Tschetschenien

Vortrag: Anna Schor-Tschudnowskaja, Soziologin, Politikwissenschaftlerin, Hessische Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, Mitarbeiterin bei Memorial in St. Petersburg


11.30 Uhr Erfahrungsberichte:

Dr. Lipkhan Bazaeva , Mitarbeiterin bei Memorial in Inguschetien und Tschetschenien; Begründerin des Zentrums „Frauenwürde“ in Grosny, z.Z. Hamburg

Mainat Kourbanova, Journalistin, ehem. Korrespondentin der "Nowaja Gazeta" und der Radiostation "Swoboda" im Nordkaukasus, z.Z. Stipendiatin des „Writers in Exile“ – Programms, Berlin


Diskussion

Moderation: Barbara Gladysch

13.00 Uhr Mittagsimbiss

14.30 Uhr Tschetschenische Flüchtlinge in Deutschland

Die rechtliche Situation:

Barbara Esser, Ethnologin, Mitarbeiterin des Psychosozialen

Zentrums für Flüchtlinge in Düsseldorf

Bernward Ostrop, Rechtsanwalt, Vorsitzender von Marscha Doriyla –

Hilfsverein für tschetschenische Flüchtlinge e.V., Berlin


Die gesundheitliche und psychosoziale Situation:

Dr. med. Isa Abdusalamov, Unfallchirurg aus Tschetschenien, z.Z. Senftenberg

Dr. med. Sonja Süß, Psychiaterin und Psychotherapeutin, Berlin


Diskussion


Moderation: Imke Dierßen, Referentin für Europa und Zentralasien in der Abteilung Länder und Asyl bei amnesty international, Berlin


16.30 Uhr Kaffee- / Teepause


17.00 Uhr Was kann Europa tun?

M. Andreas Groß, Tschetschenien-Berichterstatter der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, Straßburg (angefr.)

Klaus Ammann, Historiker, Journalist, Zürich

Sarah Reinke, Wiss. Mitarbeiterin der Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen

Anna Schor-Tschudnowskaja

Moderation: Ulrike Poppe


18.30 Uhr Abendimbiss


19.30 Uhr „Lieber Muslim…“Dokumentarfilm, Deutschland 2005

Regie/Idee: Kerstin Nickig

Der Film dokumentiert die schwierige Situation tschetschenischer Flüchtlinge in Polen am Beispiel einer Familie, deren Mutter Sacita Briefe an ihren kleinen Sohn Muslim schreibt, um ihm die Situation ihrer Heimat, die Gründe ihrer Flucht und die völlige Unsicherheit ihrer Lebenslage für einen späteren Zeitpunkt zu erklären, wenn sie vielleicht nicht mehr lebt und er es verstehen kann.


Ende gegen 20.30 Uhr

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