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Die Seele im biotechnologischen Zeitalter

 
 

Abendforum

Die Seele im biotechnologischen Zeitalter

Natur- und Geisteswissenschaften im Gespräch

Tagungsnummer
33-1/2010
11. Oktober 2010
17:00 - 20:00 Uhr
Inhalt:

Leitung

Dr. Rüdiger Sachau / Simone Ehm

Organisation

Hannah Kickel-Andrae

 
(030) 203 55 - 506

Wer spricht nicht von der guten, schönen, geheimnisvollen oder kranken Seele? Wer ist nicht der Meinung, dass es einen Unterschied macht, wenn ein Mitmensch, eine Sportmannschaft, eine politische Partei oder auch eine Landschaft als ‚seelenlos' erscheint? Obwohl oder gerade weil diese Überlegungen Teil unserer alltäglichen Gespräche sind, befinden wir uns heute in einer paradoxen Situation. Einerseits nämlich gehört die Rede über die menschliche Seele unserem Sprachgebrauch an, denn das seelische Erleben stellt eine menschliche Grunderfahrung dar. Andererseits haben wir in den Wissenschaften vom Menschen keinen Platz für ein Verständnis des ‚Seelischen‘. Wir kennen zwar das Phänomen, uns fehlt jedoch ein Begriff, weil die Seele sich der Beobachtung und Feststellung entzieht.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert kommen die Natur-, Sozial- und Kulturwissenschaft ohne einen Begriff der Seele aus. Insbesondere die Naturwissenschaften behaupten sich mit großem Erfolg als Analyseverfahren einer ‚Faktenaußenwelt‘ (Arnold Gehlen). Gegenwärtig werden in der Entwicklungspsychologie, der Neurobiologie und -psychologie wie auch der Medizin im Verbund mit den Kognitionswissenschaften durch immer feinere, technologische Verfahren die Strukturen menschlichen Lebens untersucht. Mit der Erforschung der materialen Lebensbasis des Menschen geht ein Desinteresse an den Phänomenen, die sich in der menschlichen (Selbst)Erfahrung und im Verhalten zur Welt zeigen, einher. Hier nämlich geht es um existentielle Spannungen zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, Wille und Widerstand und um ‚seelische‘ Konflikte, wenn die Lebensplanung misslingt und die eigene Welt aus den Fugen gerät.

Das wissenschaftliche Desinteresse führt nicht nur zur Blindheit für einen Teil relevanter Lebensphänomene, sondern stellt gleichsam die abendländische Geistesgeschichte auf den Kopf. Von den Anfängen unserer Schriftkultur über die großen Traditionsbestände antiker Philosophie bis zu philosophisch-wissenschaftlichen Abhandlungen der Frühen Neuzeit und den Arbeiten der großen Forscher an den Grenzen von Natur- und Geisteswissenschaften im 19. Jahrhundert steht die Erforschung der menschlichen Seele im Zentrum wissenschaftlicher Debatten.

An vier Abenden werden wir uns der Frage widmen, was verschiedene Wissenschaftsdisziplinen zum Verständnis des Seelischen beitragen. Viele Stimmen müssen gehört werden, viele Perspektiven müssen eröffnet werden – erst dann werden wir sehen, ob unsere Rede von der menschlichen Seele, vom Menschen als einem ‚beseelten‘ Wesen heute noch einen integrativen Sinn für Wissenschaft und Lebenswelt hat. Die Veranstaltungsreihe wendet sich an Interessierte aus Theologie, Religions- und Kulturwissenschaften, Psychologie, Psychiatrie, Philosophie, Psychotherapie und Beratung, Pädagogik, Neuro- und Kognitionswissenschaften und alle, die sich mit diesem exemplarischen Thema im Gespräch von Geistes- und Naturwissenschaften auseinander setzen wollen.


Wir laden Sie herzlich ein


Dr. Rüdiger Sachau

Direktor, Evangelische Akademie zu Berlin


Simone Ehm

Studienleiterin Ethik in den Naturwissenschaften, Evangelische Akademie zu Berlin


Prof. Dr. Gerald Hartung

Leiter des Arbeitsbereichs „Theologie und Naturwissenschaft“,

Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), Heidelberg


Prof. Dr. Michael Pauen

Professor am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin,

Sprecher der Berlin School of Mind and Brain


Unter folgendem Link finden Sie die Dokumentation der Vortragsreihe http://www.eaberlin.de/F54FCF45591E466ABEC54E4762A2BC7C.php


Programm:

I. Seelen-Wandlungen


Die erste Veranstaltung gibt einen Eindruck von den Tiefendimensionen unserer Rede von der Seele in der abendländischen Geistesgeschichte und vom Wandel des Seelenverständnisses in der Natur- und Geistesgeschichte. Der Seele auf den Grund kommen wollten Menschen zu allen Zeiten: Wer

über die Seele spricht, der wagt einen Ausflug in mythische Welten und die abendländische Geistesgeschichte. Phänomenologisch betrachtet gibt es eine Vielzahl von Konnotationen der Seele im religiös-mythischen Kontext. Wir kennen die Fünf-Seelen-Lehre aus indischen Texten, die sich auf die Atem-, Rede-, Seh-, Hör- und Denkkraft des Menschen bezieht. In anderen Religionen ist von Blutseelen und Schattenseelen, von Namensseelen und Hauchseelen die Rede. Diese vielfältigen Bestimmungen erfordern erst eine systematische Betrachtung, wenn sie in den Zusammenhang mit der Platonischen Seelenlehre gerückt werden, deren Dreiteilung in der abendländischen Geistesgeschichte bis auf Immanuel Kant gewirkt hat. Heutzutage wird in Alltagsgesprächen oft von der Seele gesprochen, so wenn wir einen Mitmenschen als ‚gute Seele’ bezeichnen oder ihm im

psychologischen Urteil eine ‚kranke Seele’ diagnostizieren. Was aber genau damit gemeint ist, entzieht sich unserer Kenntnis.


17.00 Uhr Begrüßung


17.10 Uhr Vorstellungsgespräch mit den Referenten


17.30 Uhr Die Seele der Medizin

Wie der Heilkunde auf dem Weg in die Naturwissenschaften ein Begriff abhanden kam


Prof. Dr. Cornelius Borck, Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung, Universität Lübeck

Cornelius Borck ist Professor für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin und Naturwissenschaften und Direktor des Instituts für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte an der Universität Lübeck. Zu seinen Publikationen gehören: Psychographien (2006); Hirnströme – eine Kulturgeschichte der Elektroenzephalographie (2005); Anatomien medizinischen Wissens (1996).


18.00 Uhr Ein Organ für unser Fühlen und Denken

Die Seele in der abendländischen Geistesgeschichte


Prof. Dr. Wilhelm Schmidt-Biggemann, Institut für Philosophie, Freie Universität Berlin.

Wilhelm Schmidt-Biggemann ist Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte der Philosophie und der Geisteswissenschaften an der Freien Universität Berlin

Zu seinen Publikationen zählen: Philosophie perennis – Historische Umrisse abendländischer Spiritualität in Antike, Mittelalter und Früher Neuzeit (1998); Sinn-Welten Welten-Sinn. Eine philosophische Topik (1992).


18.30 Uhr Diskussion zwischen den Referenten und Gespräch mit dem Publikum


19.30 Uhr Im Gespräch bei einem Glas Wein


Hier kommen Sie zum 2. Abend Seelen-Bildungen:

http://www.eaberlin.de/programm_detail.php?vstg_id=9623&archiv=0


Hier kommen Sie zum 3. Abend Sorge um die Seele:

http://www.eaberlin.de/programm_detail.php?vstg_id=9624&archiv=0


Hier kommen Sie zum 4. Abend Seelen-Forschungen:

http://www.eaberlin.de/programm_detail.php?vstg_id=9625&archiv=0

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