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Schwedt/Oder

 
 

Exkursion

Schwedt/Oder

Eine sozialistische Stadt im Wandel

Tagungsnummer
18/2017
22. April 2017
07:00 - 19:00 Uhr
Inhalt:

Leitung

Heinz-Joachim Lohmann

 

Organisation

Kerstin Koschinski

 
(030) 203 55 - 507
Schwedt hat im Jahr 2015 sein 750. Stadtjubiläum begangen. Am Stadtbild lässt sich das Alter der Stadt nicht ablesen. Der historische Teil macht nur etwa 10 % der Gesamtstadt aus. Am Ende des Zweiten Weltkrieges zu fast 85 % zerstört, sollte Schwedt eine neue, sozialistische Stadt werden. Den Aufbauplänen folgend entstand Anfang der 1960er-Jahre ein starker Industriestandort mit Erdöl- und Papierverarbeitung. Menschen aus der ganzen DDR strömten damals nach Schwedt, vorwiegend junge Familien. Dieser Bevölkerungsentwicklung entsprechend entstanden in schneller Folge mehrere Wohnkomplexe, zunehmend altstadtfern und mit neuer Infrastruktur. Mit den Umbrüchen nach 1989 ging mit dem Verlust vieler Arbeitsplätze die Bevölkerungszahl stark zurück und ein Großteil der Wohnungen wurde überflüssig. Schwedt ist ein Ort des beispielhaften Rückbaus von Wohngebieten und Preisträger im Bundeswettbewerb „Stadtumbau Ost" für ein integriertes Stadtentwicklungs- konzept.
 
Hatte die Stadt vor dem Krieg 10 000 Einwohner, direkt nach dem Krieg 6 000, waren es nach 20 Jahren an die 20 000. Die höchste Einwohnerzahl war Anfang der 1980er-Jahre mit etwa 54 000 erreicht. Bei Planungen für das Jahr 2010 war man sogar von 70 000 Einwohnern ausgegangen. Von noch 50 000 Einwohnern 1990 ging die Zahl trotz Erhaltung der prägenden Industrien bis 2016 auf ca. 28 000 zurück.
 
Mit dem Bau der neuen Stadt verlor die Altstadt an Bedeutung. Sie war jahrzehntelang vernachlässigt worden, die Substanz befand sich in einem entsprechend schlechten Zustand. 1995 wurde die Altstadt zum Sanierungsgebiet erklärt und einer umfassenden Neugestaltung unterzogen. Mit der Sanierung zahlreicher öffentlicher und privater Bauten und einer Aufwertung des öffentlichen Raums, besonders in den Uferbereichen, gewann die Altstadt ein neues Image.
 
Die bedeutende barocke Stadtanlage ist kaum noch zu erkennen, wenn auch die zum Petrolwerk führende Magistrale der neuen Stadt die barocke Achse aufnahm. Die bezog sich allerdings nicht mehr auf das Schloss, die Ruine war 1962 gesprengt worden. Dort entstand ein Kulturhaus, eröffnet 1978, heute Uckermärkische Bühnen Schwedt. Etwas von der alten Pracht ahnen lassen der erhaltene und sanierte Berlischky-Pavillon, ehemals Kapelle der Hugenotten, und die üppige Begrünung der Stadt.
 
Die älteste Kirche, St. Katharinen, erhielt ihre neogotische Fassung Ende des 19. Jahrhunderts. Beim Wiederaufbau Anfang der 1950er-Jahre wurde auf die Wiederherstellung der kriegszerstörten Spitze des Turms verzichtet. Als „Mahnmal zum Frieden" dient er gleichzeitig dem ganz praktischen Zweck als Aussichtsplattform.
 
Eines der wenigen in Deutschland erhaltenen jüdischen Ritualbäder, ein Synagogendienerhaus und Fundamente der Synagoge werden nach vollständiger Sanierung seit 2010 museal genutzt und sind so auch am Samstag zugänglich. An jüdisches Leben erinnern außerdem ein jüdischer Friedhof und in der Stadt verlegte Stolpersteine. Eine jüdische Gemeinde gibt es nicht mehr.
Von 1968 bis 1990 wurde in Schwedt das einzige Militärgefängnis der DDR mit insgesamt etwa 6 500 Inhaftierten betrieben. Im Verein DDR-Militärgefängnis Schwedt e.V. bemühen sich ehemalige Insassen und einstiges Aufsichtspersonal um die Aufarbeitung der Geschichte und die Erhaltung des authentischen Ortes. Ein Schwerpunkt ist das Zeitzeugenprogramm, in dem alle Betroffenen zu Wort kommen sollen.
 
Heinz-Joachim Lohmann
Evangelische Akademie zu
 
Helga Wetzel
Berlin Arbeitskreis Stadtpolitik
Programm:
Samstag, den 22. April 2017
 
07.08 Uhr Abfahrt Berlin Hauptbahnhof (tief), Gleis 3, RE3342 Richtung Schwedt/Oder
Treffpunkt in den beiden vorderen Wagen
Reiseleitung: Helga Wetzel, Arbeitskreis Stadtpolitik
 
07.14 Uhr ab Berlin Gesundbrunnen, Gleis 10
07.53 Uhr ab Bernau, Gleis 5
08.56 Uhr Ankunft Schwedt/Oder
 
09.00 Uhr Stadtsanierung, Stadtumbau Ost
Rundgang und Busfahrt zu Projekten der Stadtsanierung und des
Stadtumbaus Ost
Frank Hein, Stadtverwaltung Schwedt, Leiter des Fachbereichs 3: Stadtentwicklung
und Bauaufsicht
Anschließend Fahrt zum Gelände des ehemaligen Militärgefängnisses
 
12.00 Uhr Führung über das Gelände des ehemaligen Militärgefängnisses der DDR
Anke Grodon, Leiterin der Städtischen Museen Schwedt
 
13.00 Uhr Mittagspause
Mittagessen individuell
 
14.30 Uhr Ensemble jüdisches Ritualbad, Gartenstraße 6
Führung durch das Ensemble
Katrin Bossdorf, Mitarbeiterin der Städtischen Museen Schwedt/Oder
 
16.30 Uhr Stadtkirche St. Katharinen
Führung, Gespräch, Blick von der Aussichtsplattform
Pfarrerin Christa Zepke
 
Kaffee und kleiner Imbiss (im Teilnehmerbeitrag enthalten)
 
18.30 Uhr Fußweg zum Bahnhof
19.06 Uhr Abfahrt Schwedt/Oder, Gleis 1, RE 3355, Richtung Berlin Hbf
20.05 Uhr an Bernau
20.24 Uhr an Berlin-Lichtenberg
20.36 Uhr an Berlin Gesundbrunnen
20.46 Uhr an Berlin Hauptbahnhof (tief)
 
Bitte beachten: Laut aktueller Bahnauskunft ist die Strecke Berlin-Schwedt von Bauarbeiten betroffen, daraus ergeben sich Fahrplanänderungen. Verbindlich sind derzeit die oben angegebenen Zeiten. Prüfen Sie bitte kurz vor der Exkursion, ob sich weitere Änderungen ergeben. Wir fahren auf jeden Fall so, dass wir Schwedt gegen 9.00 Uhr erreichen.
 
Änderungen des Programms vorbehalten!
 
 
 
 
Zusätzliches Angebot:
11. April 2017 ab 18.00 Vortrag
"Das ehemalige Militärgefängnis der DDR in Schwedt und die Arbeit des Vereins Militärgefängnis der DDR in Schwedt e.V.
Detlef Fahle, Zeitzeuge und Vorsitzender des Vereins
Veranstaltungsort: Evangelische Akademie zu Berlin, Raum 408 (4. Etage).
Charlottenstraße 53/54, 10117 Berlin
Bitte geben Sie auf Ihrer Anmeldung an, ob Sie an dem Vortrag teilnehmen möchten.
Eine Teilnahme am Abend ist unabhängig von der Exkursion.
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Veranstaltungskalender

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  • Worum es geht!
    Blickwechsel 2017: Ökumenische Dialoge
    Beginn: 18:00 Uhr