Facebook Link

Im Netzwerk liegt die Kraft

 
 
EAzB, 20. Dezember 2013

Vom Potenzial der Freiwilligen Feuerwehr

 

Zum Beispiel Laurin. Laurin ist eine von vielen Initiativen gegen Rechtsradikalismus und Menschenfeindlichkeit. Mit Projekten in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt, Tourismus, Zivilgesellschaft und internationale Begegnung in der Lausitz will sie eine positive Identität einer sorbisch und deutsch geprägten europäischen Grenzregion fördern. Laurin ist exemplarisch für zwei Trends, die auf der Fachtagung „Im Netzwerk liegt die Kraft - Perspektiven für die Zusammenarbeit gegen Rechtsextremismus“ am 6. und 7. Dezember deutlich wurden. 

 

„Viele Initiativen gegen Rechtsradikalismus setzen vermehrt auf die Förderung demokratischer Strukturen“, sagt Studienleiter Heinz-Joachim Lohmann. „Zum anderen treten sie untereinander in einen immer lebhafteren Austausch“. Beide Tendenzen stünden in einem inneren Zusammenhang, betonte der Soziologe Dr. Rainer Strobl in seinem Vortrag über die Arbeit von Netzwerken in Deutschland. Er wies darauf hin, dass für eine demokratische Entscheidungsfindung, die allen Interessen Rechnung trägt, ein Austausch der Beteiligten notwendige Voraussetzung sei. Insofern ließe sich demokratische Kultur ohne Vernetzung gar nicht denken. Im Blick auf die Voraussetzungen einer erfolgreichen Vernetzung maß Strobl einem guten Netzwerkmanagement besondere Bedeutung zu. Eine gelungene Steuerung von Netzwerken zeichne sich beispielsweise dadurch aus, dass sie eine „Inbesitznahme“ des Netzwerks etwa durch einen kleinen, besonders aktiven Kern von Mitgliedern verhindere. Ideal seien eine gleichmäßige Aufteilung von Aufgaben, sowie der Ausgleich möglicher Interessenskonflikte zwischen unterschiedlichen Akteuren untereinander und mit dem Netzwerk insgesamt, ohne dass die strategischen Ziele des Netzwerks aus dem Blick gerieten.

 

Zwei zentrale Fragestellungen hatte Strobl in diesem Zusammenhang identifiziert. Zum einen habe er beobachtet, dass viele demokratische Netzwerke eher homogen zusammengesetzt seien, gleichzeitig aber für eine pluralistische Gesellschaft einträten. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, wie es gelingen könne, Netzwerke so offen zu gestalten, dass vielfältige Bevölkerungsgruppen an ihnen teilnehmen könnten. Aus seiner Sicht müssten zunächst die Ziele eines Netzwerks so weit wie möglich gefasst werden, damit keine potentiellen Akteure abgeschreckt werden.

 

In den Arbeitsgruppen wurde weiterhin vorgeschlagen, Schlüsselpersonen an das jeweilige Netzwerk zu binden. In jeder Ortschaft gebe es Personen, die über besonders vielfältige Kontakte verfügen. Könnten diese für das Netzwerk gewonnen werden, würden automatisch andere Teilnehmer an das Netzwerk herangeführt werden. Um solche Personen zu gewinnen, sollte der Mehrwert, den sie aus der Beteiligung am Netzwerk ziehen können, klar kommuniziert werden.

 

Die zweite Fragestellung Strobls orientierte sich an der Beobachtung, dass es zum Funktionieren eines Netzwerks eines guten Netzwerkmanagements bedarf. „Was aber braucht ein gutes Netzwerkmanagement?“ Viele Vertreter von ehrenamtlich organisierten Bürgerbündnissen sähen sich mit der Aufgabe einer kompetenten Netzwerksteuerung überfordert. Im Rahmen der Diskussion wurde vorgeschlagen, vom Staat finanzierte Moderatoren einzusetzen, die lokale Gruppen im Aufbau und bei der Steuerung ihrer Netzwerke unterstützen. Auf diese Weise könne mit verhältnismäßig wenig Mitteln die Wirksamkeit von Bürgerinitiativen gesteigert werden.

 

Auch die strukturellen Unterschiede zwischen Stadt und Land wurden im Rahmen der Tagung in den Blick genommen. Lan Böhm von der Bundeszentrale für Politische Bildung stellte in diesem Zusammenhang das Programm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ vor. Diese Initiative versuche erstmals gezielt auf Probleme im ländlichen Raum mit seinen besonderen Gegebenheiten einzuwirken. Als wesentliche Schwierigkeit wurde dabei die Erreichbarkeit der ländlichen Gemeinden angesprochen. In vielen Orten seien kaum noch Parteien vertreten, immer seltener gebe es parteigebundene Gemeindevertreter. Das erschwere den Informationsaustausch von Landes- und kommunaler Ebene. Um dem entgegenzuwirken, wurden im Rahmen von „Zusammenhalt durch Teilhabe“ gezielt große Verbände in die Arbeit des Programms mit eingebunden. Über den Dachverband der Freiwilligen Feuerwehren etwa sollen die lokalen Feuerwehren für demokratische Werte sensibilisiert werden.

 

Vertreter unterschiedlicher brandenburgischer Aktionsbündnisse unterstrichen, dass das Model des Netzwerks für den ländlichen Raum ein geeignetes Werkzeug für die Verhinderung und Bekämpfung von Rechtsradikalismus sein könne. „Gerade für den ländlichen Raum liegt im Netzwerk also die Kraft, um den Herausforderungen durch menschenfeindliche Ideologien zu begegnen“, bilanziert Lohmann. Voraussetzung hierfür sei allerdings ein gutes Management. Durch Verstärkung der politischen Bildung und mehr Unterstützung bei der Steuerung von Netzwerken könnten einige Potenziale gehoben werden. „In diesem Sinne machte die Tagung Mut und zeigte neue Handlungsmöglichkeiten auf.“

 

 

 
 
Artikel

Neuer Kommentar

Bitte alle mit einem Sternchen (*) gekennzeichneten Felder ausfüllen.
Bildbasierter Sicherheitstest zur Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine.

 

Unsere Webseiten verwenden Cookies zur Verbesserung der Bedienung und des Angebots sowie zur Auswertung von Webseitenbesuchen. Einzelheiten über die von uns eingesetzten Cookies und die Möglichkeit diese abzulehnen, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.