Bernburg (Saale)

Exkursion

Bernburg (Saale)

Residenzstadt im Schatten der ‚Euthanasie’

Berlin-Brandenburgische Stadtexkursionen

Tagungsnr.
31/2019
Von: 17.08.2019 07:30
Bis: 17.08.2019 20:00
Bernburg (Saale)

Inhalt

Bernburg ist aus drei mittelalterlichen Siedlungskernen entstanden und war bis 1863 Residenzstadt der Fürsten von Anhalt-Bernburg. Das Schloss erhebt sich über dem östlichen Saaleufer, zu seinen Füßen die Bergstadt. Westlich der Saale die sich in Alt- und Neustadt gliedernde Talstadt, dazwischen als städtebaulicher Angelpunkt die Saalebrücke. Die um zwanzig Prozent gesunkene Einwohnerzahl erschwert die Stadtentwicklung. Die Sanierung ist weit fortgeschritten, kann jedoch Leerstand und Verfall nicht immer abwenden. In der ehemaligen Landes-Heil- und Pflegeanstalt Bernburg wurde Ende 1940 eine NS-Gasmordanstalt eingerichtet. In nur zehn Monaten fielen 9.384 Menschen der ‚Euthanasie'-Aktion zum Opfer. 1942 wurden dort etwa 5.000 Häftlinge aus verschiedenen Konzentrationslagern ermordet. Heute befindet sich am authentischen Ort eine Gedenkstätte.
Bernburg ist aus drei mittelalterlichen Siedlungskernen entstanden und war bis 1863 Residenzstadt der Fürsten von Anhalt-Bernburg. Das Stadtbild ist geprägt durch die Lage am Fluss. Das Renaissance-Schloss erhebt sich auf einer steilen Anhöhe über dem östlichen Saaleufer, zu seinen Füßen die Bergstadt. Westlich der Saale die sich in Alt- und Neustadt gliedernde Talstadt, dazwischen als städtebaulicher Angelpunkt die Saalebrücke. Berg- und Talstadt vereinten sich erst 1825 zur Stadt Bernburg. 1884 begann der Salzbergbau. Östlich des Stadtkerns und von diesem durch den Stadtpark auf Distanz gehalten erstreckt sich ein markantes Areal der chemischen Industrie. Vor und im Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung der Stadt als Standort von Militär und Rüstungsproduktion rasant. Seit 1945 bis heute hat sich ein kontinuierlicher Rückgang der Bevölkerung um etwa ein Drittel vollzogen. Heute hat die Stadt mit 33.000 ebenso viele Einwohner*innen wie nach dem Ersten Weltkrieg. Die negative demographische Entwicklung erschwert die Stadterneuerung. Zwar ist die Sanierung des ausgedehnten historischen Stadtkerns mit zahlreichen Baudenkmälern weit fortgeschritten, aber bislang konnten Leerstand und Verfall nicht immer abgewendet werden.

In einem Teil der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Bernburg wurde im Oktober 1940 eine der sechs NS-Gasmordanstalten eingerichtet. Es handelte sich um die Nachfolgeeinrichtung der unmittelbar zuvor geschlossenen Tötungsanstalt in der Stadt Brandenburg. Das gesamte Brandenburger Personal wurde nach Bernburg versetzt. In nur zehn Monaten fielen in Bernburg 9.384 Menschen der ‚Euthanasie'-Aktion zum Opfer. Nachdem auf Anordnung Hitlers im August 1941 die Aktion zum Schein beendet worden war, wurde die Bernburger Anstalt bis März 1943 weitergenutzt, um etwa 5.000 Häftlinge aus verschiedenen Konzentrationslagern zu ermorden. Heute befindet sich am authentischen Ort eine Gedenkstätte.

Die Exkursion schließt mit einem Rundblick vom Turm der gotischen Marienkirche und dem Besuch der Talstadtgemeinde. Die im Kern auf die Mitte des 13. Jh. zurückgehende drei-schiffige Hallenkirche hat eine wechselvolle Geschichte. Besonders besticht die feingearbeitete Bauplastik des spätgotischen Chores und des Hauptportals. Das Innere der Kirche verlor in der Zeit des reformierten Bekenntnisses einen Teil der ursprünglichen Ausstattung und wurde um 1870 neogotisch überformt. Aus dieser Zeit stammen der Altar, die Kanzel, die Taufe und die farbigen Chorfenster. Die große Orgel ging in der Zeit der DDR verloren. Nach 1990 wurde die Kirche schrittweise als Kulturdenkmal und Raum für Gottesdienste und Konzerte restauriert. Die Gemeinde bemüht sich mit Unterstützung eines Fördervereins um die Wiederbeschaffung einer großen Orgel, um die Kirche dem lebhaften Gemeindeleben entsprechend in vollem Umfang nutzen zu können.

Heinz-Joachim Lohmann
Evangelische Akademie zu Berlin

Hans Tödtmann
Arbeitskreis Stadtpolitik

Programm

Samstag, den 17. August 2019

7.30 Uhr Abfahrt nach Bernburg mit Reisebus,
Hildegard-Knef-Platz
(Bahnhof Berlin-Südkreuz, Ausgang Schöneberg)
Reiseleitung: Hans Tödtmann (0157 / 85 86 84 67)

10.00 Uhr Gedenkstätte für Opfer der NS-‚Euthanasie’
Olga-Benario-Str. 16/18, Bernburg
Besuch der Ausstellung, Führung am authentischen Ort und Gespräch
Dr. Ute Hoffmann, Gedenkstättenleiterin

12.30 Uhr Mittagspause im Restaurant ’Rhodos’
Gröbziger Str. 2, Bernburg

14.00 Uhr Fachliche Führung durch das Sanierungsgebiet Altstadt
Uwe Hey, Stadt Bernburg, Amt für Wirtschaftsförderung
und Stadtentwicklung, Stadtsanierung

16.15 Uhr Stadtkirche St. Marien
Altstädter Kirchhof 13, Bernburg
Kirchenführung und Turmbesteigung,
Gespräch bei Kaffee und Kuchen über Kirchengemeinde in der sich wandelnden Stadt
Johannes Lewek, Pfarrer der Talstadtgemeinde

17.45 Uhr Abfahrt nach Berlin mit Reisebus
20.00 Uhr Ankunft in Berlin
Hildegard-Knef-Platz (Bahnhof Berlin-Südkreuz)

Änderungen des Programms vorbehalten!

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Leitung

Heinz-Joachim Lohmann

Studienleiter für Demokratische Kultur und Kirche im ländlichen Raum

Telefon (030) 203 55 - 407

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