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Gefragter Glaube: Von Gott reden – im Gespräch mit Fragen des Atheismus

 
 
Gefragter Glaube: Von Gott reden

Im Gespräch mit Fragen des Atheismus

© privat

 

Dr. Rüdiger Sachau am 02. Mai 2010

Predigtreihe in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin

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Lesung aus dem Evangelium nach Johannes 3,1-9
Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen?

1. Nikodemus der Sucher
Es ist Nacht und er will es wissen. Nikodemus schleicht durch die Gassen Jerusalems. Jesus will er kennenlernen. Im Schutz der Dunkelheit drückt er sich um Ecken und an Wänden entlang. Bis er zu dem Haus kommt, in dem er Jesus vermutet. Er klopft und wird eingelassen. Dieser Besuch ist riskant für einen Pharisäer, es kann ihn seinen guten Ruf kosten, seine Stellung im Rat. Schließlich gehört er zu den führenden Leuten Jerusalems. Darum kommt er bei Nacht, vielleicht ist er verlegen und fragt sich: Was tue ich hier eigentlich? Vielleicht ist er ein wenig wütend auf sich selbst: Musst du für eine verrückte Idee deinen Ansehen riskieren? Und dann steht er vor Jesus, dem Wanderprediger aus Nazareth in Galiläa, dem Wundertäter, vom dem einige aus dem Volk sagen, er sei der Messias, der Erlöser. Egal! Jetzt gibt es kein Zurück. Sie kommen ins Gespräch. Aber die Unterhaltung läuft schlecht, Jesus redet in Rätseln, von Wiedergeburt und dem Geist. Das letzte Wort, das wir von Nikodemus erfahren ist eine Frage: Wie kann dies geschehen?

2. Zweifeln an Gott – fragen nach dem Geist
Liebe Gemeinde, unser Nachdenken über den Heiligen Geist beginnt heute mit einem, der nach Gott fragte und eine Antwort über den Geist bekam, eine Antwort, die schwer verständlich war. Wir haben diese Geschichte eben als Evangelium gehört, die Geschichte vom Pharisäer Nikodemus, der sich nachts zu Jesus begibt. Ich frage mich, ob heute Abend hier in der Kirche einer oder eine unter uns ist, der oder die sich ebenfalls hergeschlichen hat? In die Kirche gehen, ist doch irgendwie peinlich und altmodisch. Und doch gibt es da vielleicht eine Frage, die wichtiger ist als die spöttischen Blicke der Freunde, das Befremden der Freundinnen: Was willst du denn da?
Ich möchte Sie dazu verlocken, dass wir uns gemeinsam auf die Suche nach dem Geist machen. Gerne würde ich mit Ihnen nach Antworten suchen und dabei unsere Fragen und unsere Zweifel nicht über Bord werfen, denn sie haben ihr Recht. Fragen sind die Eintrittskarte in dieses Gespräch. Wer ernsthaft sucht, ist willkommen, auch wenn die Fragen bleiben. Das ist heute nicht anders als damals in der Nacht Jerusalems. Wir fragen mit Nikodemus, was ist der Geist, von dem Jesus spricht?
Liebe Gemeinde, Gott, Jesus, … wozu brauchen wir noch den Geist? Viele Menschen zweifeln schon an Gott, fragen sich, wie man mit vernünftigem Verstand glauben kann. Viele Menschen können Jesus als eindrucksvollen Menschen bewundern, aber ist er deshalb der Sohn Gottes? Das sind berechtigte Zweifel. Muslime machen uns Christen den Vorwurf, dass wir nicht beim Glauben an den einen Gott geblieben seien: Ihr habt doch drei Götter: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Ich persönlich glaube an den einen Gott, und bin überzeugt, dass sich das Eine vielfältig zeigt. Meine Hoffnung für diesen Gottesdienst ist, dass wir mit den Fragen nach dem Geist eine Antwort über Gott bekommen. Und zwar eine Antwort der Freiheit, die gerade den einlädt, der zweifelt und sucht.

3. Eine alte Geschichte
„Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt.“ Diese Antwort Jesu an Nikodemus spielt auf eine sehr alte Geschichte über Gott an, eine Geschichte, die beide sicherlich kannten und die ich Ihnen kurz erzählen will. Im alten Israel lebte ein Prophet namens Elia. Der nahm es mit dem Glauben an den einen Gott sehr ernst, und weil die Könige es damit nicht so genau nahmen, weil sie gerne noch ein paar andere Götter mit bedienten, war Elia sehr zornig. Es gab richtigen Ärger und ziemlich heftige Auseinandersetzungen, dabei starben auch einige von den konkurrierenden Priestern der anderen Götter. Daraufhin musste Elia in die Wüste fliehen. Er war ziemlich schlecht dran mit seinem Glauben an den einen Gott. Und er flieht zum Horeb, dem Gottesberg auf dem Sinai. Als Elia dort ankommt, bricht ein Sturm aus, der Wind reißt und zerrt am Berg, so dass Felsen herab stürzen. In diesen kraftvollen Gewalten, ist das Gott? fragt Elia - aber Gott ist nicht in der Gewalt des Sturms. Kaum hat sich der Sturm gelegt hat, beginnt die Erde zu grummeln und zu wanken, ein mächtiges Erdbeben erschüttert den ganzen Berg. Aber auch in dieser Kraft ist Gott nicht verborgen. Als sich der schwankende Boden endlich beruhigt hat, bricht ein Feuer aus, ein Vulkanausbruch? Sengende Hitze, verzehrende Flammen, aber auch in der Energie des Feuers ist Gott nicht. Und dann, nach Sturm, Beben und Feuer wird es ganz still. Und ein Windhauch erhebt sich, nur „ein stilles, sanftes Sausen. Als Elia das hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel.“  Gott ist da, nicht übermächtig, nicht gewaltig, nicht demonstrativ sondern sanft naht er sich im Säuseln eines Windhauches, nur für den wahrzunehmen, der auch Sinne dafür hat.

4. Wie ist Gott? Erinnerung an die Unverfügbarkeit Gottes
Gott ist anders als wir denken. Manchmal ist er ein stilles sanftes Sausen. Ein Wind, der weht, wo er will. Gott ist manchmal überraschend anders, der himmlische Vater, Schöpfer der Welt stellt sich an unsere Seite in Jesus, unserem Bruder. Und manchmal im Geist, der mitten unter uns wehen kann, uns berührt, vielleicht jetzt in diesem Gottesdienst. Im Gespräch erinnert Jesus seinen Gesprächspartner Nikodemus daran, dass wir Gott nicht in einem Bild fassen können. Der Geist, der weht, wo er will, der nicht zu zwingen und nicht zu fassen ist, den nicht wir bewegen können, sondern der uns anwehen und bewegen könnte, auch das ist Gott.
Wir haben nicht drei Götter, sondern weil Gott so groß, so vielfältig, so unfassbar und unbegreiflich ist, lässt er sich in verschiedenen Personen erfahren. Manche finden das seltsam und verwirrend. Ich finde, es ist eine Einladung, die verschiedenen Gesichter Gottes in meinem Leben kennen zu lernen. Gott, Jesus, … brauchen wir dann noch den Heiligen Geist? Der Geist ist die Erinnerung an die unverfügbare Gegenwart Gottes mitten unter uns. Mit dem Geist wird das Bild Gottes, das wir uns immer wieder machen, offen gehalten. Übrigens, auf Hebräisch ist der Geist weiblich, RUACH – Geistin müssten wir richtig übersetzen. Das ärgert die Gewohnheit und macht klar: Gott ist anders, als wir denken und erwarten. Unsere Bilder und Vorstellungen scheitern an seiner Vielfältigkeit. Dafür steht der Geist. Das eröffnet einen Raum großer Freiheit und ist eine Einladung für alle, die mit den festen Gottesbildern nicht klarkommen.

5. Religiöse Erfahrungen – fehlt uns der Geist?
Immer wieder gibt es Menschen, die von außerordentlichen religiösen Erfahrung berichten. Die Bibel ist voll davon, auch die Geschichte von Elia auf dem Gottesberg gehört dazu. Von Jesus wird berichtet, dass er seinen Jüngern außerordentliche Gaben zutraut: Sie sollen Kranke heilen, böse Geister vertreiben und sogar Tote auferwecken. Auch heute hört man manchmal erstaunliche und schwer zu verstehende Geschichten. Es gibt Menschen, die gegen alle medizinischen Erwartungen in schweren Krankheiten geheilt wurden. Und die Gott und seinem Geist für dieses Wunder danken. Ich selber verfüge nicht über solche Kräfte. Und das ist auch gut so, denn wahrscheinlich wäre ich stolz darauf. Ja, ich habe Sturm, Erdbeben und Feuer lieber als das sanfte unauffällige Säuseln des Windes. Ich würde auch gerne etwas bewirken, aber dafür lässt Gott seinen Geist nicht missbrauchen. Trotzdem glaube ich, dass der Geist Gottes auch heute wirkt. Doch das können wir meist erst im Rückblick erkennen. Nach durchstandener Krankheit können wir Gott für die Gesundung danken. In der Krankheit können wir nur hoffen aber nicht Heilung verfügen. Wir können beten aber nicht Gesundheit machen. Darum habe ich eine Skepsis gegenüber allen, die sagen: Hier ist der Geist Gottes - oder da!

8. Kirche mit mehr Geist?
Ist mein Vorbehalt die typische Lauheit einer mittelständigen und wohlhabenden Kirchlichkeit in Deutschland? Ist die nicht eine Theologie der Bürgerlichkeit und der Aufklärung? Redet die Bibel dagegen nicht von der Dynamik, von der Kraft Gottes? Christen aus anderen Ländern bemängeln, wenn sie zu uns nach Deutschland kommen, unseren fehlenden Glaubensmut, unsere Müdigkeit, sie vermissen bei uns in den Kirchen die Begeisterung. Sie vermissen den Geist. Wenn ich nach Afrika, nach Korea und China, nach Südamerika schaue, dann wünsche auch ich mir mehr Gottesdienste, die anlocken, in denen man Erfahrungen machen kann. Ich wünsche mir eine Kirche, die lebendig ist und voller begeisterter Menschen. Aber für uns, auch für die Kirche gilt das eben Gesagte, wir können es nicht machen, der Geist lässt sich nicht zwingen. Ich beobachte Gemeinden, die sich auf das Wunder der Pfingstgeschichte berufen, als die ersten Christen begeistert wurden und in vielen Sprachen sprachen.  Aber das Wunder von Pfingsten besteht darin, dass die anderen, die Außenstehenden, sie verstehen können. Das Wunderhafte, die Erfahrung der ersten Christen, das Außerordentliche der Sprachen, das ist alles nur Beiwerk. Ich bestehe darauf, der Kern ist die großartige Ausweitung des Horizontes: Alle Völker, alle Menschen sollen die frohe Botschaft hören, in ihren Sprachen, mit ihren Ohren. Hier haben wir den Geist zu sehen, und nicht in den religiösen Erfahrungen.

9. Alles Psycho?
Ich sehe unsere Aufgabe im beharrlichen und nachdenklichen Gespräch mit Nikodemus, mit seiner Skepsis und seinen Fragen. Wir müssen unsere religiösen Überzeugungen unter heutigen Bedingungen und unter Würdigung und Ernstnahme heutigen Wissens aussprechen. Natürlich wissen wir, dass Religion eine psychologisch erklärbare Seite hat, über die kann man auch ruhig sprechen. Nur der Glaube geht eben nicht in Psychologie auf. Natürlich gibt es genetische Zusammenhänge, auch für unsere Fähigkeit zu glauben und zu vertrauen. Aber das ist eine Sicht von einer anderen Seite. Wenn es ein Religionsgen gäbe, einige Forscher behaupten das, so sagte es nichts über Gott und seinen Geist, sondern eben nur über ein Gen und seine Existenz. Natürlich geschieht etwas im Gehirn, wenn wir beten, wenn wir hoffen, wenn wir meditieren oder einer Predigt folgen. Das kann man auch zum Teil sichtbar machen und soll es auch. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse der Hirnforschungen der nächsten Jahre. Aber auch das wird weder ein Beweis für oder gegen den Geist Gottes sein. Gesetzt den Fall, wir könnten die Jünger von damals in den Scanner legen, im Gehirn würden einige Regionen aufleuchten, das sagt nichts über das Wirken des Geistes sondern nur über die Existenz einer aktiven Hirnregion. „Glaube mir, mich gibt es nicht“ hat ein Hirnforscher, mit dem ich im Gespräch bin, seinen Roman über das Verhältnis von Wissenschaft und Glaube genannt.

10. Glauben heute
Wie, bitte, können wir dann glauben? Wie bitte, könnte Gottes Geist auch in meinem Leben wirksam sein? Erstens indem wir lernen, die Dinge von mehreren Seiten zu betrachten, nicht „entweder Psycho oder Gott“, sondern „sowohl echte religiöse Erfahrung, als auch psychologischer Prozess“. Zweitens indem wir lernen, auf Beweise zu verzichten. Natürlich verstehe ich, wenn Menschen gerne Klarheit hätten, glaube ich, bin ich ein richtiger Christ, eine wahrhaftige Christin? So begreiflich der Wunsch nach Klarheit ist, er will eine Leistung, die ich gar nicht erbringen kann. Denn wer die Frage stellt: Habe ich den rechten Glauben und den Heiligen Geist? dem muss gesagt werden, dass es hier gar nichts zu haben gibt. Man kann den Glauben nicht haben, das ist eine sprachliche wie sachliche Verirrung. Man kann nur glauben, und das im Sinne von Vertrauen. Und solcher vertrauende Glaube wird immer schwankend sein, denn der Zweifel ist der Zwilling des Glaubens und man soll ihn nicht wegschicken, weil dann der Glaube einsam wird. Weil es nicht ums Haben des Glaubens geht, und noch weniger des Geistes, geht es nicht um eine psychische Leistung, sondern um eine Sehnsucht. Diese Sehnsucht hat einen biblischen Heimatsatz: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“  Dieser eine Satz der Sehnsucht genügt. Denn wir werden geglaubt. Das ist der Kern des Evangeliums, dass wir die Liebe Gottes nicht verfügen, sondern dass sie uns aber geschenkt wird. Dass wir den Geist nicht haben, sondern er uns anweht.

11. An den Taten sollt ihr sie erkennen
Schon Paulus relativiert die Geistesgaben 1. Kor. 13 im Hohen Lied der Liebe. Prophetie und alle Gaben des Geistes sind nichts wert ohne die Liebe.  Das Evangelium kennt nur einen Maßstab: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Nicht an ihren Gefühlsausbrüchen und psychisch-religiösen Erfahrungen, nicht an ihren Zeichen und Wundern, nicht an ihren Lehren und Überzeugungen, sondern an ihren Taten sind Christen und ihr Geist zu erkennen. Dazu muss man nicht alles verstanden haben. Um ein guter Christ zu sein, muss man nicht starke religiöse Gefühle zeigen. Aber wer von Gott geliebt wird, der soll im Geist des Evangeliums tätig handelnd leben. Interessanterweise müsste man dann auch den Gedanken nicht ausschließen, dass auch Menschen, die gar nicht dem christlichen Glauben angehören, trotzdem in ihrem Handeln als von Gottes Geist geprägt erkannt werden könnten. An dieser Stelle möchte ich mit ihnen noch einmal zu Nikodemus zurückkehren. Irgendwann ist er gegangen. Sehr erfolgreich scheint das Gespräch mit Jesus nicht gewesen zu sein, zumindest ist davon in der Bibel nichts zu lesen. Aber er trug in sich eine Sehnsucht, immerhin hatte er sich bei Nacht zu dem verfemten Mann aus Galiläa aufgemacht, hatte seinen guten Ruf riskiert. War Nikodemus ein Anhänger Jesu, einer der in seinem Geist lebte? Als Jesus in Jerusalem ist, diskutiert man in führenden Kreisen über seine Verhaftung. Im Rat sind sich fast alle einig: Der ist nicht echt, man muss diesem Treiben ein Ende bereiten. Und in dieser Beratung meldet sich Nikodemus zu Wort. „Spricht zu ihnen Nikodemus, der vormals zu ihm gekommen war und der einer von ihnen war: Richtet denn unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn verhört und erkannt hat, was er tut? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du auch ein Galiläer?“ (Johannes 7,40-52) Da ist er wieder, Nikodemus, der Zweifler, der Frager, er stellt sich gegen die Mehrheit seiner Kollegen, er riskiert seinen guten Ruf und hinterfragt die Vorverurteilung, die Einlinigkeit des Urteils, das schon feststeht, bevor untersucht wurde.

13. Zur Freiheit hat euch Gott befreit.
Christen sind lernenden Menschen. Uns wird nicht alles vorgeschrieben, wir sollen selber mutig entscheiden. Paulus, der Apostel, einer dem man wahrlich nicht mangelnden Mut nachsagen kann, er schreibt: Alles prüfet, das Gute behaltet. Sind wir also am Ende mit unserem Nachdenken über den Geist wieder bei der Freiheit gelandet?
• Freiheit der Gottesbilder
• Freiheit von der Verfügung über Gott
• Freiheit im Prüfen und Entscheiden
Und das ist alles? werden Sie vielleicht fragen. Ist das nicht typisch evangelisch, am Ende läuft es immer auf Gnade und Freiheit hinaus?
Darüber müssen Sie selber entscheiden, was Ihnen diese Freiheit des Geistes bedeutet. Für mich ist sie eine Entlastung von der Vorstellung eines Glaubens, der alles vorschreibt. Für mich ist sie Entlastung von der Bürde traditioneller Gottesbilder. Für mich ist diese Freiheit eine Einladung, mein Leben in Verantwortung vor Gott und zum Wohle der Menschen zu leben. Und damit hier nicht der Eindruck zurückbleibt, dass die Sache mit dem Geist unbestimmt und unverbindlich sei, muss ich Ihnen eine letzte Geschichte von Nikodemus erzählen. Er taucht nämlich noch einmal auf: Ganz am Ende, als alles vorbei zu sein scheint, als Jesus tot ist. „Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur heimlich. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist.“ (Joh. 19,38-42) 100 Pfund duftende Kräuter für einen Toten. Das ist ein Vermögen damals gewesen. Und es ist ein Bekenntnis. Nikodemus, dem Jesus soviel schwer verständliches über den Geist in einem nächtlichen Gespräch sagte, er zeigt am Ende mit seinem praktischen Handeln, wes Geistes Kind er ist. Und das ist nicht das Ende, sondern eigentlich der richtige Anfang, denn der Geist weht wo er will.
Amen

 
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