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Körperwelten

 
 
Rüdiger Sachau über "Körperwelten"-Ausstellung

"Keine Auseinandersetzung mit dem Tod"

© © sauletas - Fotolia.com

 

Die Ausstellung „Körperwelten“ von Gunter von Hagens soll wieder in Berlin gezeigt werden. Ist es gut, das Thema Tod mit präparierten Leichen ins Zentrum des (touristischen) Interesses zu bringen? Nein, meint Akademiedirektor Dr. Rüdiger Sachau. Die Zurschaustellung von gehäuteten und ausgeweideten Körpern versage den Toten den ihnen gebührenden Respekt – und den Angehörigen die Möglichkeit zu Trauer und Abschied.

In seinem Aufsatz „Der Leichnam und die Religion. Theologische und religionsgeschichtliche Aspekte zum Umgang mit dem toten Körper“1 geht Sachau vielmehr davon aus, dass die in anderen Städten bereits beheimatete Ausstellung von Hagens „Ausdruck jener fortgeschrittenen Distanzierung vom toten Menschen“ ist, der „zum Objekt gemacht wird“. Aus christlicher Perspektive sei der Mensch „Ebenbild Gottes und niemals ein Objekt“, betont Sachau weiter. Da die Würde des Menschen nicht mit seinem Tod ende, sei es respektlos, einen Toten zu einem Ausstellungsstück zu machen.

Darüber hinaus böten die „Körperwelten“ gerade keine Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit dem Tod. „Wer verstorbene Menschen in grotesken Gesten zeigt, die so tun, als wären sie noch lebend, der blendet die Realität des Todes aus“, unterstreicht Sachau. Weil die Namen, Biografien und individuellen Persönlichkeiten der Toten in der Ausstellung nicht mehr erkennbar sind, fehle eine wesentliche Dimension in der Begegnung mit dem Tod, sie werde auf die materiale Dimension reduziert. Die Konfrontation mit der Endlichkeit allen Lebens aber werde auf diese Weise nicht herbeigeführt, sondern vermieden, ist Sachau überzeugt.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass der Tod für die Lebenden eine Krise darstellt, „die nur mittels komplexer ritueller und kultischer Bearbeitungsformen zu bestehen ist“, verweist Sachau auf die Notwendigkeit, dass Trauernde in ihrer Auseinandersetzung mit dem Tod einen „Statuswechsel“ vollziehen müssen. „Menschen, die sich für die Plastination zur Verfügung stellen, berauben ihre Angehörigen um die Möglichkeit zu Trauer und Abschied“.

Seine Bilanz: Die Freiheit im Umgang mit den Toten sei begrenzt „in der Integrität des anderen, des Verstorbenen und der Angehörigen“. Die sterblichen Überreste Verstorbener seien demzufolge nicht als Privatbesitz anzusehen, sondern verlangten verantwortliches Handeln, auch zum Wohle der Gemeinschaft.

 

Den gesamten Aufsatz von Dr. Rüdiger Sachau lesen Sie hier (PDF-Dokument, 82.8 KB).

 

1Der Leichnam in der Religion. Theologische und religionsgeschichtliche Aspekte zum Umgang mit dem toten Körper. In: Liselotte Hermes da Fonseca / Thomas Kliche (Hrsg.): Verführerische Leichen – verbotener Verfall. "Körperwelten" als gesellschaftliches Schlüsselereignis, Perspektiven Politischer Psychologie Bd. 1, Lengerich 2006, 125-139.

 

 
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