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Quo vadis, Volkskirche

 
 
Tagung "Quo vadis, Volkskirche?" im Dom zu Fürstenwalde

Bischof Dröge ruft evangelische Kirche zu Reformen auf

© Martin Haupt

 

Fürstenwalde (epd). Der Berliner Bischof Markus Dröge hat die evangelische Kirche aufgefordert, sich als Volkskirche zu erneuern. Die Kirche werde ihren Weg in die Zukunft "nicht ohne gravierende Änderungen" gehen können, sagte Dröge am Samstag bei einer Tagung der Berliner Evangelischen Akademie in Fürstenwalde. Der Anspruch, eine für alle offene und öffentlich aktive Kirche zu sein, die zu einem guten Miteinander in einer pluralistischen Gesellschaft beiträgt, müsse mit neuen Ideen umgesetzt werden und dürfe nicht ohne Not aufgegeben werden. Dabei müssten auch regionale Besonderheiten künftig sensibler berücksichtigt werden, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz: "Die Zeit der großen Masterpläne von oben ist vorbei." Die evangelische Kirche habe trotz sinkender Mitgliederzahlen eine Zukunft als Volkskirche, betonte die Vorsitzende der bundesweiten EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer. Grund dafür sei das vielfältige ehrenamtliche Engagement der Gemeinden, sagte die ehemalige FDP-Bundesbauministerin. Um dieses Engagement zu stärken, müssten jedoch Pfarrer lernen, mehr Aufgaben abzugeben und Ehrenamtlichen mehr Verantwortung zu übertragen. Die Kultur der Zusammenarbeit in der Kirche müsse verändert werden, "wenn wir die Zukunft gewinnen wollen", sagte die Präses des bundesweiten evangelischen Kirchenparlaments. Die Kirche dürfe sich nicht aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zurückziehen und von Aufgaben wie der diakonischen Sozialarbeit entfernen, betonte Dröge. "Ich bin heilfroh, dass ich die Kirchen habe, weil sie helfen können, wo mir die Hände gebunden sind", sagte der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Christian Hanke (SPD). So habe das von Politik und Verwaltung unabhängige kirchliche Engagement sehr zur Lösung von Flüchtlingskonflikten beigetragen. Auch kirchenferne Menschen setzten weiter auf das Engagement der Kirche, betonte Heinz-Joachim Lohmann von der Evangelischen Akademie. So wendeten sich auch Atheisten häufig mit der Aufforderung aktiv zu werden an die Kirche, wenn es um Proteste gegen Rechtsextreme, Hähnchenmastanlagen oder andere Themen gehe. Diese Aufforderungen seien Ausdruck der Wertschätzung der Kirche und eine Ehre, betonte Hanke. Künftig müsse auch weiterhin flächendeckend geistliches Leben angeboten werden, jedoch nicht überall in der klassischen Form regelmäßiger Sonntagsgottesdienste in allen Kirchen, betonte Dröge: "Diese Form von Volkskirche ist auf keinen Fall mehr haltbar." Wichtig sei zudem, dass die evangelische Kirche "prinzipiell niemanden ausschließt" und sich auch bei sinkenden Mitgliederzahlen nicht in eine Sonderwelt begebe. Auch die evangelischen Schulen dürften nicht zu "Fluchtburgen der Verängstigten" werden, sagte Dröge. Sie müssten vielmehr ihren Beitrag zu einer pluralistischen Gesellschaft deutlich machen und zeigen, dass sie keine Privatschulen "der Schönen und Reichen", sondern für alle offen seien. Innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vereine die Landeskirche die größten Gegensätze mit Gemeinden in fünf Bundesländern, unterschiedlichen Frömmigkeitstraditionen, vielen kleinen Landgemeinden und der Großstadt Berlin, betonte Dröge. Es sei deshalb auch bundesweit von exemplarischer Bedeutung, hier zu zeigen, wie die "Volkskirche der Zukunft" aussehen könne.

Yvonne Jennerjahn, Evangelischer Pressedienst Potsdam

 

Eine Dokumentation der Tagung ist geplant.

 

 
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