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Wie Fusion stark macht

 
 
Nachbericht zur Tagung über Vereinigungsprozesse im kirchlichen Raum

Wie Fusion stark macht

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Die Fusion zwischen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz ist ein Erfolgsprojekt. Zehn Jahre nach der Vereinigung zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz spielt es keine Rolle mehr, dass einst zwei Kirchen existierten. Das war Konsens bei den Teilnehmern der Tagung „Wie Fusion stark macht“ am 1. März 2014.

Zwar gebe es an manchen Stellen noch Diskussionsbedarf, sagt Studienleiter Heinz-Joachim Lohmann rückblickend, doch insgesamt sei die Fusion von allen Beteiligten positiv bewertet worden. Das mag auch daran liegen, dass die Lösungen schwieriger Problemstellungen nicht übers Knie gebrochen, sondern gemeinschaftlich erarbeitet wurden. Dass dies sowohl bei der Bildung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg (EKiBB) Anfang der neunziger Jahre, als auch der Neubildung der EKBO im Jahr 2004 geschehen sei, unterstrich der ehemalige Berliner Generalsuperintendent Martin-Michael Passauer. Als zukunftsweisend zeigen sich Passauer zufolge auf regionale Identitäten bezogene Konzepte. So könnte der Versuch, „schlesische Identität“ für die Zukunft fruchtbar zu machen, zu einem verbindenden Moment zwischen der Lausitz, Tschechien und Polen werden. Gemeint seien dabei keineswegs territoriale Ansprüche, sondern das Zusammendenken von Geschichte, von heutigen Lebensorten und dem gemeinsamen europäischen Raum.

Unter dem Titel „Als Fusionen noch geholfen haben“ referierte Dr. Thies Gundlach, Vizepräsident des Kirchenamtes der EKD. Er gab einen retrospektiven Überblick über im Bereich der EKD vollzogene Vereinigungen und prognostizierte, dass nach der Lösung vieler struktureller Fragen nun eine Besinnung auf den Kern protestantischen Kirche-Seins auf der Tagesordnung stehe. Er plädierte dafür, die Tugenden der Einkehr und der Besinnung stärker zu betonen und künftig keinen zu großen strukturellen Veränderungsdruck aufkommen zu lassen.

Intendantin Dagmar Reim vom Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) berichtete vom Vereinigungsprozess des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB) mit dem Sender Freies Berlin (SFB), die 2003 fusionierten. Dabei beschrieb sie die Schwierigkeit, unterschiedliche Traditionen zu harmonisieren. Nach dem Motto „Früher war alles besser“ habe oftmals eine Mentalität des Beharrens geherrscht. Reim lobte den Weitblick der politisch Verantwortlichen, die damals frühzeitig erkannt hätten, dass zwei kleine Sender auf engem Raum nicht nebeneinander existieren konnten. Der Zusammenschluss der Sender habe zudem die Möglichkeit geboten, überfällige Innovationen einzuführen wie etwa die Zusammenführung von Radio, Fernsehen und Internet. Letztlich seien alle Schwierigkeiten durch den Druck, täglich senden zu müssen, verdrängt worden.

Dr. Manfred Stolpe, ehemaliger Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und Ministerpräsident a.D., erinnerte an Neustrukturierungsgedanken innerhalb des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. In den siebziger Jahren habe es die Überlegung gegeben, durch die regionale Neugestaltung sinnvoller Kirchenzusammenhänge eine Evangelische Kirche der Oberlausitz zu gründen, um das schlesische Erbe zu bewahren und einer zusammengehörenden Region ein eigenes Gesicht zu geben. In den achtziger Jahren habe es Bestrebungen gegeben, den Kirchenbund zu einer Kirche in der DDR zusammenzuschließen. Dies sei an dem Willen Berlin-Brandenburgs gescheitert, die Einheit mit der Westregion aufrechtzuerhalten. Konfessionelle Bedenken, so Stolpe, hätten indes ausgeräumt werden können. Anhand von Beispielen aus der lebensweltlichen Praxis beschrieb der ehemalige Ministerpräsident die Notwendigkeit der Einheit von Berlin und Brandenburg. Viele Probleme können nur gemeinsam gelöst werden. Er erinnerte an die erfolgreichen Zusammenschlüsse der Verkehrsbetriebe und Rundfunkstationen, betonte unauflösbare infrastrukturelle Gemeinsamkeiten und plädierte damit dafür, die Chancen vor die Ängste zu setzen.

Bischof Dr. Markus Dröge, leitender Geistlicher der EKBO, führte in das Konzept des Zukunftsprozesses der Landeskirche ein. Er erinnerte an das Perspektivpapier „Salz der Erde“ und beschrieb die Schritte der Einbeziehung von Kirchengemeinden und -kreisen in den Prozess. Dröge betonte, dass sich die Kirche treu bleiben müsse, unabhängig von den Zahlen. Er stellte 10 Thesen vor, die den Rahmen für zukünftige Entwicklung der Landeskirche darstellen und in ihrer Endfassung der Landessynode im April vorliegen. In Ihnen werden vielfältige Bezüge zwischen Mitarbeitenden, Gremien, Strukturen und dem Zusammenhang von Kirche und Diakonie hergestellt. „Damit zeigt der Bischof, dass die EKBO beantworten will, welche Kirche sie morgen sein will“, bilanziert Lohmann.

 
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