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Elisabeth Schmitz

 
 

Tagung

Elisabeth Schmitz

Tagungsnummer
2007TG17A
07. Mai 2007
09:00 - 19:00 Uhr
Inhalt:

Leitung

Ludwig Mehlhorn

 

Organisation

Kerstin Koschinski

 

„Als wir zum 1. April 33 schwiegen, als wir schwiegen zu den Stürmerkästen, zu der satanischen Hetze der Presse, zur Vergiftung der Seele des Volkes und der Jugend, zur Zerstörung der Existenzen und der Ehen durch sogenannte ‚Gesetze’, zu den Methoden von Buchenwald – da und tausendmal sind wir schuldig geworden am 10. November 1938. Und nun? Es scheint, daß die Kirche auch diesesmal, wo ja nun wirklich die Steine schreien, es der Einsicht und dem Mut des einzelnen Pfarrers überläßt, ob er etwas sagen will oder nicht. (...) Es gehen Gerüchte um..., daß ein Zeichen an der Kleidung beabsichtigt sei. Unmöglich ist nichts in diesem Land, das wissen wir. (...) Wir haben die Vernichtung des Eigentums erlebt, zu diesem Zweck hatte man im Sommer die Geschäfte bezeichnet. Geht man dazu über, die Menschen zu bezeichnen, so liegt ein Schluß nah, den ich nicht weiter präzisieren möchte. Und niemand wird behaupten wollen, daß diese Befehle nicht ebenso prompt, ebenso gewissenlos und stur, ebenso böse und sadistisch ausgeführt würden wie die jetzigen. Darf die Kirche das zulassen? Ich bin überzeugt, daß – sollte es dahin kommen – mit dem letzten Juden auch das Christentum aus Deutschland verschwindet.“

Mit diesen außerordentlich klaren, hellsichtigen Worten wandte sich die Berliner Historikerin und Studienrätin Dr. Elisabeth Schmitz am 24. November 1938 an den Dahlemer Bekenntnispfarrer Helmut Gollwitzer, nachdem sie eine Woche zuvor dessen mutige, auf die Ereignisse des Pogroms Bezug nehmende Bußtagspredigt gehört hatte.

Wer war diese im doppelten Wortsinn „unerhörte“ Frau, die 1935 (anonym) eine Denkschrift zur Judenverfolgung verfasste und an zahlreiche kirchliche Stellen mit der dringenden Aufforderung versandte, nun endlich öffentlich gegen die Gewaltmaßnahmen zu protestieren und praktische Hilfe zu leisten? Wer war die Frau, die im ständigen Briefwechsel mit prominenten Theologen und Führern der Bekennenden Kirche klare theologische Stellungnahmen, angemessenes kirchen-politisches Handeln und solidarische Hilfen mit den Verfolgten anmahnte? Wer war die Frau, die 1938 aus eigener Initiative den Schuldienst aufkündigte, um nicht weiter nationalsozialistische Ideologie im Unterricht (Deutsch, Geschichte, Religion) verbreiten zu müssen, und die sich fortan mit ihrer ganzen Kraft der Bekennenden Kirche zur Verfügung stellte, um „nichtarischen Christen“ und anderen Verfolgten unmittelbar zu helfen?

Unsere Tagung soll dazu beitragen, biographische Konturen dieser in Berlin weithin vergessenen Frau, einer „unbesungenen Heldin“ par excellence, nachzuzeichnen und ihre außerordentliche Lebensleistung zu würdigen. Wie nur wenige andere hätte gerade sie ein „Denkmal“ verdient.


Prof. Dr. Manfred Gailus

Institut für Geschichte und Kunstgeschichte, TU Berlin


Ludwig Mehlhorn

Evangelische Akademie zu Berlin

Programm:

Montag, den 7. Mai 2007


9.00 Uhr Anmeldung


10.00 Uhr Eröffnung und Begrüßung

Ludwig Mehlhorn

Prof. Dr. Manfred Gailus


10.15 Uhr Grußwort

Pröpstin Friederike von Kirchbach


10.30 Uhr Biographische Einführung zu Leben und Werk

Dietgard Meyer, Kassel


11.00 Uhr Die Historikerin:

Prägungen durch Friedrich Meinecke und Adolf von Harnack

Prof. Dr. Manfred Gailus, Berlin


11.30 Uhr Die Lehrerin:

Erziehung und Unterricht an Höheren Schulen

Dr. Rolf Hensel, Berlin


12.30 Uhr Mittagessen


14.00 Uhr Die Theologin:

Biefwechsel mit Karl Barth

Marlies Flesch-Thebesius, Frankfurt/M


14.30 Uhr Ein Überraschungsfund in Hanau 2004: Die Denkschrift „Zur Lage der deutschen

Nichtarier“ von 1935/36 im handschriftlichen Original

Gerhard Lüdecke, Hanau


15.00 Uhr Die Denkschrift „Zur Lage der deutschen Nichtarier“ von 1935/36

Analyse – Vergleich – Kontext

Dr. Hartmut Ludwig, Berlin


16.30 Uhr Kaffeepause


17.00 Uhr Vernetzungen und Parallelbiographien:


Dr. Elisabeth Abegg, Dr. Elisabeth Schiemann und Dr. Margarete Sommer

Martina Voigt, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin


17.30 Uhr Zuspitzungen:

Die „Kristallnacht“ und ihre Konsequenzen

Prof. Dr. Andreas Pangritz, Bonn


18.30 Uhr Nachkriegszeiten:

Die große Vergessenheit und späte Erinnerung

Prof. Dr. Manfred Gailus


19.00 Uhr Schluss der Tagung


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