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Frauen in der Revolte (II)

 
 

Tagung

Frauen in der Revolte (II)

Die 89er Bewegung in weiblicher Perspektive

Tagungsnummer
38/2008
31. Oktober - 02. November 2008
14:00 - 13:30 Uhr
Inhalt:

Leitung

Ulrike Poppe

Organisation

Silke Ewe

 
(030) 203 55 - 508

Als nach dem Mauerfall die deutsche Wiedervereinigung in den Blick kam, setzten sich auch die politisch bewegten Frauen aus Ost und West an einen Tisch, um Pläne für das neue Deutschland zu schmieden. Aber zwischen den jeweils systemgeprägten Auffassungen traten sehr schnell Differenzen zu Tage. Für die meisten Ost-Frauen war es normal, berufstätig zu sein, Kinder zu haben, sich wenn notwendig vom Ehemann zu trennen und über eine Abtreibung frei entscheiden zu können.

Den West-Frauen kamen die „Ost-Muttis“ dennoch oft merkwürdig provinziell vor, weil sie mit Feminismus kaum zu tun haben wollten und sich als wenig kämpferisch erwiesen. Schließlich hatte die anhaltende (männlich dominierte) staatliche Bevormundung auch ihre Spuren hinterlassen. Die „West-Emanzen“ wirkten wiederum auf viele DDR-Frauen exaltiert und mit ihrer Konzentration auf Geschlechterfragen unpolitisch. Während sich viele DDR-Frauen durch die Revolution 1989 mehr Freiheit und Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen erhofften, wurden sie im wiedervereinigten Deutschland mit einem überwunden geglaubten Frauenleitbild konfrontiert und in die traditionelle Rolle verwiesen.

Anknüpfend an die Tagung zur „68er Bewegung in weiblicher Perspektive“, die im Frühjahr in Neudietendorf in Thüringen stattfand, möchten wir in ein Gespräch darüber kommen, mit welchen Motiven und Zielen sich Frauen in oppositionellen Bewegungen der 70er und 80er Jahre engagierten und welchen Einfluss sie auf die Umbruchereignisse und die Gestaltung der deutschen Einheit nahmen. Wir werden uns darüber austauschen, was Ost- und West-Frauen in dieser Zeit verband und was sie unterschied. Wir werden diskutieren, wie sich die Lebensmöglichkeiten für Frauen in Ost und West in den vergangenen zwei Jahrzehnten veränderten und welche Bedeutung die Revolten von einst für die junge Frauengeneration heute haben. Zugang zu diesen Themen werden wir vor allem durch biographisches Erzählen suchen.

Dazu laden wir alle interessierten Frauen und Männer herzlich ein.


Dorothea Höck

Evangelische Akademie Thüringen


Dr. Anne Ulrich

Heinrich-Böll-Stiftung


Dr. Marina Grasse

OWEN e.V.


Ulrike Poppe

Evangelische Akademie zu Berlin

Programm:

Freitag, 31.Oktober 2008


14.00 Uhr Anmeldung


14.30 Uhr Kaffee/Kuchen


15.00 Uhr Begrüßung und Einführung

Dorothea Höck, Ev. Akademie Thüringen

Ulrike Poppe, Ev. Akademie zu Berlin


I. FRAUEN IM AUFBRUCH


15.15 Uhr Selbstbestimmung contra sozialistisches Frauenleitbild

Wie Frauen die 70er und 80er Jahre in der DDR erlebt haben

Petra Streit, Mitbegründerin von Frauen für den Frieden Weimar, z. Z. Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung und Stadträtin in Weimar

Samirah Kenawi, Mitbegründerin des Frauenzentrums Fennpfuhl, Gründerin des Archivs der ostdeutschen Frauenbewegung GrauZone

Gesprächsleitung:

Dr. Anne Ulrich, Koordinatorin der Grünen Akademie in der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin


16.30 Uhr Kaffeepause


17.00 Uhr Neues Frauenbewusstsein - langer Atem

Wie Frauen die 70er und 80er Jahre in der Bundesrepublik erlebt haben

Dr. Christina Thürmer-Rohr, 1976 Gründerin des Studienschwerpunkts Frauenforschung an der PH Berlin, Mitbegründerin und Vorstand des Vereins Sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis für Frauen e.V., Köln, Professorin an der Technischen Universität Berlin

Marianne Weg, Frauenpolitikerin und Gender-Expertin, Wiesbaden

Gesprächsleitung:

Dr. Ingrid Miethe, Professorin für Allgemeine Pädagogik Fachbereich Sozialarbeit / Sozialpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule in Darmstadt


18.15 Uhr Abendessen


19.30 Uhr Erzählabend

Eingeleitet mit Texten von Annette Simon

aus: „Was Frauen verrückt macht“ und „East goes West“

gelesen von Franziska Groszer, Berlin


Gesprächsleitung:

Dorothea Höck, Ev. Akademie Thüringen

Ulrike Poppe, Ev. Akademie zu Berlin


Ende gegen 21.30 Uhr



Samstag, 01. November 2008


II. FRAUEN VERÄNDERN DIE GESELLSCHAFT


9.00 Uhr Frauen in politischen Aktionen –

und Frauen in frauenpolitischen Aktionen

Gespräch mit Akteurinnen der 80er Jahre

Halina Bendkowski, ehem. Bundessprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland, Mitbegründerin des Weltfrauensicherheitsrates, Begründerin des politisch-soziologischen Konzepts der Geschlechterdemokratie, Berlin

Barbara Sengewald, Frauengruppen Erfurt – Frauen für Veränderung, z. Z. Betriebswirtin

Irena Kukutz, Mitbegründerin der Berliner Gruppe Frauen für den Frieden, z. Z. Mitarbeiterin in der Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.

Dr. Claudia Neusüß, 1987 Mitbegründerin der Frauengenossenschaft WeiberWirtschaft, z. Z. selbstständige Projekt- und Politikberaterin für nationale und internationale Organisationen im Profit- und Non-Profit-Bereich, Dozentin und freie Autorin

Moderation:

Dr. Anne Ulrich, Koordinatorin der Grünen Akademie in der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin

Dorothea Höck, Ev. Akademie Thüringen


11.00 Uhr Kaffeepause


11.30 Uhr Ohne uns ist kein Staat zu machen!

Gespräch mit Akteurinnen in Revolution und Einigungsprozess


Verfassung

PD Dr. Tine Stein, ehem. Geschäftsführerin der Bürgerinitiative Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder, z. Z. Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Transnationale Konflikte und Internationale Institutionen am Wissenschaftszentrum Berlin

Gewerkschaften

Dr. Renate Hürtgen, war aktiv am Aufbau von Basisinitiativen in der betrieblichen Wende 1989/90 beteiligt, z. Z. am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, Forschungsschwerpunkt u.a.: Betrieblicher Alltag in der DDR

Regierung

Dr. Marina Grasse, Gleichstellungsbeauftragte in der Regierung de Maiziere, z. Z. Mitglied des Vorstands von OWEN e.V., Berlin

Parlament

Marianne Birthler, Abgeordnete der ersten frei gewählten Volkskammer, später des Bundestages, Ministerin in Brandenburg, z. Z. Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Berlin


Moderation:

Dr. Ingrid Miethe, Professorin für Allgemeine Pädagogik Fachbereich Sozialarbeit / Sozialpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule in Darmstadt

Ulrike Poppe, Ev. Akademie zu Berlin


13.30 Uhr Mittagessen


15.30 Uhr ARBEITSGRUPPEN

Alle Frauen sind mutig! stark! schön!

Frauen im Einigungsprozess


AG I – Erwerbsarbeit (u.a. mit Dr. Renate Hürtgen)

AG II – Politik (u.a. mit Halina Bendkowski und Petra Streit)

AG III – Familie (u.a. mit Irena Kukutz und Dr. Claudia Neusüß)

AG IV – Kultur, Wissenschaft, Bildung, Medien (u.a. mit Barbara Sengewald und Dr. Christina Thürmer-Rohr)


18.00 Uhr Abendessen


19.30 Uhr Figuraler Einzelgang zeitgemäßer Erscheinungen

Filme, Fotografien, Ausstellungen und Performances der Künstlerinnengruppe Erfurt und von Exterra XX in den 80er Jahren

Gespräch mit Monique Förster, Kunsthaus Erfurt

Moderation:

Dorothea Höck, Ev. Akademie Thüringen


Sonntag, 02. November 2008


9.15 Uhr Andacht

Pfarrerin Dorothea Höck


9.45 Uhr Kaffeepause


III. EMANZIPATION WEITERDENKEN


10.00 Uhr Die Frauenfrage - Schnee von gestern?

Lebenspläne der Nach-Neunundachtziger

Manuela Bär, wissenschaftliche Mitarbeiterin von OWEN, Jg. 1970

Astrid Rothe-Beinlich, Frauenpolitische Sprecherin und Landesprecherin Thüringens von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, Jg. 1973

Jana Hensel, Journalistin und Autorin (u.a. Neue deutsche Mädchen), Jg. 1976

Dr. Mara Kuhl, Politologin, Beraterin für die öffentliche Verwaltung u.a. in Genderfragen, Jg. 1973

Moderation:

Dr. Marina Grasse, OWEN e.V.


12.30 Uhr Tagungsrückblick


13.00 Uhr Mittagessen und Ende der Tagung

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