Vortrag-Fischer-Geistesgegenwart

Von der Geistesgegenwärtigkeit im Krankenhaus

Vortrag von Professor Johannes Fischer

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Was hat Medizin mit Spiritualität zu tun? Fragt Dr. Johannes Fischer, Professor emeritus für Theologische Ethik an der Universität Zürich. Weder ist Spiritualität Gegenstand der medizinischen Wissenschaften noch der ärztlichen Kunst im engeren Sinne. Der Schlüssel für die Beantwortung dieser Frage liegt Fischer zufolge in der Beziehung zwischen Krankheit und Spiritualität. Derzeit herrsche zwar Konsens, dass die spirituelle Dimension im Blick auf Erkrankungen eine Rolle spiele, der genaue Zusammenhang zwischen Krankheit und Spiritualität sei aber unklar. Die Zuständigkeit für die zusammenhängenden Phänomene sei derzeit eine entsprechend getrennte: Um die Krankheit habe sich das medizinische Personal, um Spiritualität hätten sich Seelsorgerinnen und Seelsorger zu kümmern. Während also die Objektivierung einer Krankheit durch eine Diagnose Sache von Ärztinnen und Ärzten sei, werde der „Präsenzcharakter von Krankheit“, die „das Leben kontaminierende“ Erfahrung, die schwere Erkrankungen auslösten, als innerphysischer Vorgang an Psychologen und Seelsorger delegiert. Dies hält der Theologe für „kontraproduktiv“: „Das Leben spielt sich im Erleben ab“.

Spiritualität als „Tiefendimension der Wirklichkeit“ sei unsichtbar wirksam, so Fischer weiter. Güte und Liebe seien vom Geist Gottes bestimmte Phänomene, für die Menschen gewissermaßen ein Medium sein könnten. Aus utilitaristischer Perspektive sei nur das Handeln Gegenstand der Ethik, der Geist, in dem etwas getan werde, bleibe dabei unberücksichtigt, obwohl genau dies atmosphärische Auswirkungen auf die Personen hätte, an denen die Handlungen vollzogen werden.

Auch im Blick auf die Problematik des assistierten Suizids wird nach Ansicht des Theologen deutlich, dass es nicht vorrangig um das ärztliche Handeln, um Regeln für dieses Handeln geht, sondern um „Grundhaltungen des ärztlichen Berufs“. Fischer geht davon aus, dass diese Grundhaltung „über Anschauung erlernt“ wird. Jüngere können von älteren Kollegen lernen, wie „von Liebe geprägtes Verhalten die Würde eines Menschen sichtbar machen kann“.

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