Adventsblog 07.12.2020

…und Frieden auf Erden…

07.12.2020 | ADVENT 2020 | Renke Brahms

Berliner Dom mit Stern 2020-12-07

© EAzB/A.Czekalla

Frieden auszurufen in friedlosen Zeiten – diese Botschaft verbindet uns heute mit der Weihnachtsgeschichte von damals. Gar kein so garstiger Graben von 2000 Jahren zwischen damals und heute. Durch alle Jahrhunderte hindurch schallt dieser Ruf in alle Länder, zu allen Menschen und in alle Kontexte. Damals die Römer mit ihrer Unterdrückung und gewaltsamen Herrschaft einer sogenannten Pax Romana – heute die sogenannten Weltmächte mit ihren Stellvertreterkriegen durch Waffen oder wirtschaftlichen Einfluss, Krieg gegen die Schöpfung durch Ausbeutung und Verschmutzung. War es je anders? Was hat er genützt – dieser Friedensruf? Geht er nicht an der Wirklichkeit vorbei?

Fragen wir doch einmal andersherum: Was wäre denn, wenn dieser Ruf nicht laut geworden wäre über alle Jahrhunderte? So viele Menschen haben sich rufen lassen und für Frieden gesorgt. Was wäre diese Welt denn ohne die Bertha von Suttners, die Mutter Theresas, die Martin-Luther-Kings, die Nelson Mandelas – und die vielen Frauen und Männer ohne berühmte Namen. Die Sehnsucht nach Frieden ist doch nicht nur Sehnsucht geblieben. Sie ist real geworden in Verträgen und Abkommen, in so wertvoller internationaler Zusammenarbeit, in dem Verbot und der Vernichtung schrecklicher Waffen, in diversen Gesellschaften. Zugegeben, es ist noch eine Menge zu tun. Frieden ist und bleibt gefährdet.

Umso wichtiger ist es, dass es jedes Jahr wieder Weihnachten wird. Die alten, wertvoll klingenden Worte der Bibel werden laut. Die Sehnsucht nach Frieden wird entfacht. Der Wirklichkeit der Gewalt wird eine andere Wirklichkeit entgegengesetzt: Gottes Frieden. Mitten in friedlosen Zeiten, gegründet in Gottes Gegenwart. Deshalb gehören sie ja zusammen in der Weihnachtsgeschichte: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden. Und wer Gott die Ehre gibt, bleibt wachsam und aufmerksam, sensibel für die Mitmenschen und achtet die Würde seiner Geschöpfe. Bewusst trug die Friedenskonvokation des Ökumenischen Rates der Kirchen im Jahr 2011 genau diesen Titel: „Ehre sei Gott und Frieden auf Erden.“ Und es war als „Erntedankfest“ des großen Friedensengagements der weltweiten Kirchen ein Zeichen der Hoffnung: Frieden kann gelingen!

Aufmerksamkeit, Sensibilität und Wachsamkeit zu fördern, ist auch ein Anliegen der Adventszeit mit den Texten und Liedern, der Zeit für Besinnung – in diesem Jahr in ganz besonderer Weise. Es ist eine Zeit der Erwartung, eine Zeit, die nach vorne drängt in gute neue Zeiten – ohne Corona und hoffentlich in Frieden.

Der Theologe Renke Brahms ist Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland.

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