Sehnsuchtsort oder Sündenbabel?

Sehnsuchtsort oder Sündenbabel?

Jugend-Bibelworkshop in Wrocław zum Thema "Stadt"

Historischer Stadtkern Wroclaw - Breslau

© EAzB / Tamara Hahn

Autos braucht es eigentlich nicht in der idealen Stadt, da waren sich die meisten Teilnehmer*innen schnell einig. Aber was macht sie aus, die gute, die lebenswerte Stadt? 20 junge Menschen aus sechs Ländern haben beim Jugend-Bibelworkshop im polnischen Wrocław vom 23. bis 27. Oktober darüber diskutiert.

Ein guter öffentlicher Nahverkehr war für viele Teilnehmende wichtig. Bildung, Kultur und medizinische Betreuung sollten für alle leicht und gleich gut erreichbar sein. Die individuelle Identität sollte frei entfaltet werden können, ohne dass sie Ausgrenzung zur Folge hätte. „Viele der Teilnehmer*innen kannten das Gefühl, nicht zur Mehrheit zu gehören, sei es als Protestant*in in einem katholischen Land, als Linkshändler*in oder als staatenloser Sohn ehemaliger Sowjetbürger in Lettland“, berichtet Studienleiterin Tamara Hahn.

In einzelnen Kleinteams wurden Pläne entworfen „für wundervolle Städte, in die wir sofort einziehen würden“, so Hahn, aber schon im Plenum seien die Meinungen auseinandergegangen: Was ist mit denen, die unsere Werte (von Freiheit, Gewaltlosigkeit, Solidarität und gegenseitigem Respekt) nicht teilen? Braucht es doch ein Gefängnis? Mit wem lohnt es nicht (mehr) zu reden?

Die großen Utopien der Weltliteratur, so ein Ergebnis der Gespräche, seien bei näherer Betrachtung doch wieder Dystopien, da sie am Ende diejenigen ausgrenzen, die nicht dazu passen. Selbst das in der Bibel beschriebene „Neue Jerusalem“ (Offenbarung 21) ist keine Vision, die alle einschließt: Ungläubige müssen draußen bleiben.

„Wer aber vermeintlich nicht hineinpasst, lässt sich nach einer Begegnung in breiter Vielfalt wie bei unserem Workshop nicht mehr so leicht festlegen“, bilanziert die Studienleiterin. Auch das ist ein Anliegen der Europäischen Bibeldialoge, die als Begegnungstagungen Menschen mit unterschiedlichen Biographien und Erfahrungen miteinander ins Gespräch kommen lassen.

Der Besuch in Kreisau/Krzyżowa hat weitere Gedanken angestoßen. Der „Kreisauer Kreis“ diskutierte, wie es denn nach der NS-Herrschaft in Deutschland weitergehen könnte. Zwar bezahlten die meisten diese Gedanken und Pläne mit dem Leben, unmittelbare Handlungen hatten sich aus den konspirativen Treffen aber nicht ergeben. Lag das möglicherweise auch daran, dass man doch unter sich geblieben war? Tamara Hahn hält das für plausibel: „Dem Kreis gehörten Intellektuelle und Bürgerliche verschiedener Konfessionen an, aber es war letztlich eben doch ein geschlossener Kreis.“ 

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