Vom Licht Israels leben

„Vom Licht Israels leben“

Christian Staffa über eine „wunderbare Vision“ in der hebräischen Bibel

Christian Staffa 2021

© EAzB / Karin Baumann

Über ein „uneingelöstes christliches Vorhaben“ schreibt Studienleiter Christian Staffa in der Wochenzeitung „Die Kirche": „vom Licht Israels zu leben und selbst Licht der Völker zu sein“.  In einer Rubrik zum Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ legt er so eine Vision von des Propheten Jesaja in der hebräischen Bibel aus.

„Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist,
die Stämme Jakobs aufzurichten und die
Zerstreuten Jakobs wiederzubringen,
sondern ich habe dich auch zum Licht
der Völker gemacht, dass mein Heil reiche
bis an die Enden der Erde.“

Jesaja (49,6)

In der Rubrik „angesagt“ der Wochenzeitung schreibt Christian Staffa dazu:

„Wer mag dieser Knecht sein? Der oder die einzelne Verstreute Israels oder das ganze Volk? Das Ende des babylonischen Exils beschreibt die große Aufgabe, die Stämme Jakobs wieder zusammenzuführen. Für wen entscheidet der Text nicht. Das ist wie so oft und wunderbarer­weise offen für Auslegung. Martin Buber meint, dass der Einzelne gemeint sei, der leidende Prophet mit messianischen Zügen.

Leo Baeck versteht es so: Ganz Israel ist der Bote des Herrn, der Knecht, der die Religion für alle Lande hüten soll, von dem das Licht in die Völker ausstrahlen soll. Auserwählt sein bedeutet: Gott zielt mit dem Volk Israel auf Befreiung der ganzen Welt. Licht der Völker!

„Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, / wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, / das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Völker erleuchtet, / und Herrlichkeit für dein Volk Israel“ (Lukas 2,29–32).

Für den lukanischen Simeon, der diese Sätze spricht, als Maria und Josef ihr Kind in den Tempel bringen, ist Jesus dieser Gottes­knecht, von dem das Licht der Befreiung, des Friedens und der Gerechtigkeit für die Völker und damit Herrlichkeit für das Volk Israel ausgeht. Leider hat diese wunderbare Vision Jesajas in der nachfolgenden Kirche zur Zerstreu­ung und nicht zur Wertschätzung der Stämme Jakobs geführt. Im Gegenteil: in weiten Strecken zur Dunkelheit für das Volk Israel. Als könnte nur das kirchliche Licht leuchten. Licht sein und vom Licht des Volkes Israels leben, bei allen Fortschritten ein noch uneinge­löstes christliches Vorhaben.“

 

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