Solidarität - Gebet - Dialogangebot

Solidarität – Gebet – Dialogangebote

Hinweise zur Orientierung im Russland-Ukraine-Konflikt

© freshidea / Adobe Stock

Allem Entsetzen zum Trotz: Gerade jetzt muss nach Wegen für eine Lösung des eskalierten Konflikts gesucht werden. Wie kann ein neuer, ernsthafter Dialog zwischen Russland und dem Westen aufgenommen werden? Wie lassen sich Konzepte zur Friedenssicherung finden?

Entsetzen ist das alles überwiegende Gefühl angesichts der russischen Angriffe auf die Ukraine, sagt Akademiedirektorin Friederike Krippner. „Es ist entsetzlich, dass schon jetzt ukrainische Menschen umgekommen sind; es ist furchtbar, dass sich so viele Menschen auf die Flucht begeben mussten; es ist unerträglich, dass ein Ende dieses begonnenen Krieges nicht absehbar ist.“ Viele Menschen fühlten sich in der derzeitigen Situation gelähmt und sprachlos.

„Doch gerade jetzt dürfen wir nicht in Sprachlosigkeit verharren, sondern müssen nach Wegen für eine Lösung des Konflikts suchen“, so Studienleiter Uwe Trittmann. Was die Menschen in beiden Ländern und insbesondere in der Ostukraine jetzt am dringendsten brauchen, ist Solidarität. „Unsere Gedanken und Gebete sind mit den Menschen, die nun um Leib und Leben fürchten und die erleben, wie Leid und Tod in ihre Städte und Dörfer einziehen“, sagt die Ratsvorsitzende der EKD, Präses Annette Kurschus, angesichts der aktuellen Situation.

Überall in der Welt gibt es Solidaritätsbekundungen für die Betroffenen, aber auch Rufe nach Unterstützung der Ukraine durch Waffenlieferungen. Bislang herrschte bei Expert*innen und Politiker*innen in Deutschland weitgehend Einigkeit, dass Waffenlieferungen an die Ukraine den eskalierten Konflikt zwischen Russland und dem Westen nicht lösen werden. Auch die Ratsvorsitzende betont: „Als Christinnen und Christen glauben wir ‚Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens‘ (1. Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 13). Wir weigern uns zu glauben, dass keine Chancen mehr auf Verständigung und für einen gerechten Frieden bestehen.“

Doch die große Frage bleibt: Wie kann das Fenster für einen ernsthaften Dialog wieder neu geöffnet werden? Wie lassen sich Konzepte zur Friedenssicherung finden, die von allen Seiten akzeptiert werden können? Am Ende geht es um eine neue Sicherheitsarchitektur für Europa, die auf gemeinsamen Zielen aufbauen kann und die in der Lage ist, mittelfristig die andauernde Eskalationsspirale zu durchbrechen und Sicherheit als gemeinsames Gut zu definieren.

Das schließt ein, dass auch die Nato und der Westen ihre Position der Stärke verlassen und die Fehler der Vergangenheit überwinden müssen. „Auch wenn Russland die Verantwortung für die gegenwärtige militärische Eskalation der Krise trägt, so hat die Nato doch ganz erheblich zur Verschlechterung der Beziehungen beigetragen“, so die Kritik von Martina Fischer, Referentin für Frieden und Konfliktbearbeitung beim evangelischen Entwicklungswerk Brot für die Welt, an der wiederholt bekräftigten „Nato-Mitgliedschaftsperspektive“ für die Ukraine. Es gehe nicht nur um die Ukraine; dringend geboten und Teil einer Lösung sei es deshalb, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu stärken und ihre Instrumente für Rüstungskontrolle und vertrauensbildende Maßnahmen gemeinsam weiterzuentwickeln. Weitere Analysen und Vorschläge zur Deeskalation finden sich bei der Deep Cuts Commission (PDF-Dokument) und der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Schon im Dezember 2021 hat ein breites Bündnis aus ehemaligen Botschaftern, Friedensforscherinnen, Generälen und Theologen Wege aus der Eskalationsspirale (PDF-Dokument) aufgezeigt, die nichts an Aktualität eingebüßt haben und auch in der aktuell ausweglos scheinenden Situation nicht aus dem Blick geraten dürfen:

„Es müssen mithin win-win-Situationen geschaffen werden, die die derzeitige Blockade überwinden. Dazu gehört die Anerkennung der Sicherheitsinteressen beider Seiten. (...) Das mag für viele nicht einfach sein und auch nicht der reinen Lehre entsprechen. Aber jede Alternative ist deutlich schlechter. Deutschland kommt hier eine Schlüsselrolle zu.“

Wie kann Hilfe und Unterstützung für die bedrohten Menschen in der Ukraine aussehen? Brot für die Welt unterstützt verschiedene zivilgesellschaftliche und kirchliche Partnerorganisationen, die seit Beginn des Krieges psycho-soziale Beratung und Begleitung für betroffene Menschen anbieten.

Für März planen wir aus aktuellem Anlass eine dreiteilige Reihe mit Online-Abendforen in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Villigst – beachten Sie bitte dazu die aktuellen Ankündigungen auf unserer Website.

Evangelische Reaktionen auf die Situation in der Ukraine sind auf der Website der EKD gesammelt.

Uwe Trittmann

Studienleiter für Friedensethik, Außen- und Sicherheitspolitik

Telefon 0160 / 90 94 21 86

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