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Studienleiter Ludwig Mehlhorn verstorben

 
 
5. Januar 1950 – 3. Mai 2011

Studienleiter Ludwig Mehlhorn verstorben

 

Wir trauern um unseren Freund und Kollegen Ludwig Mehlhorn, der am 3. Mai nach schwerer Krankheit verstorben ist. Sein tiefer Glaube, die Gradlinigkeit des Bürgerrechtlers und sein Engagement für Osteuropa waren für die Evangelische Akademie zu Berlin maßgeblich. Ludwig Mehlhorn war seit 1992 als Studienleiter für Ostmitteleuropa an der Akademie tätig. Mit seinen Erfahrungen bei Aktion Sühnezeichen in Polen prägte er die Arbeit der polnischen Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung. Für seinen außergewöhnlichen Einsatz wurde Ludwig Mehlhorn mit dem Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen geehrt. Im Jahr 2009 würdigte der Bundesverband der Deutsch-Polnischen Gesellschaften ihn mit dem Dialog-Preis. Und im vergangenen Jahr erhielt er für seine Unterstützung der Freiheitsbewegung in Polen die polnische Dankbarkeitsmedaille.

Ludwig Mehlhorn war überzeugter Christ und verstand sich stets als Teil der Kirche. Als einer der Protagonisten der DDR-Friedensbewegung begründete er 1987 die Initiative „Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung“ mit. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“.

Unermüdlich und konsequent setzte sich Ludwig Mehlhorn für die Verständigung und Aussöhnung zwischen Polen und Deutschen ein. An unserer Akademie initiierte er vor vielen Jahren das Forum Polen-Deutschland-Europa und die Deutsch-Russischen Herbstgespräche. Auch Studienreisen nach Ostmittel- und Osteuropa sind ihm zu verdanken. Ein Herzensanliegen waren Ludwig Mehlhorn die viel beachteten Gedenkstättenseminare mit der Stiftung Kreisau. Dank seines großen Engagements und seiner bemerkenswerten Besonnenheit genoss der einstige Mitstreiter der DDR-Oppositionsbewegung hohes Ansehen in Deutschland und Polen.

Gradlinigkeit, Unbeirrbarkeit und Sanftheit zeichneten die Persönlichkeit Ludwig Mehlhorns aus. Seine Zurückhaltung und Bescheidenheit standen nicht im Widerspruch zu seiner großen Verbindlichkeit, Zugewandtheit und Treue seinen Nächsten gegenüber. Wir behalten Ludwig Mehlhorn als zutiefst aufrichtigen, nachdenklichen und auch sehr humorvollen Menschen in Erinnerung. Der gelernte Mathematiker ging den Dingen auf den Grund und war sich zugleich der begrenzten Möglichkeiten menschlichen Wirkens stets bewusst. Tiefes Gottvertrauen hat sein Handeln bestimmt und ihn auch in seiner Krankheit getragen.

Ludwig Mehlhorn hat von seinem Leben, seiner Familie und seinen Freunden bewusst Abschied genommen. Seine Hoffnung war, dass es Menschen gibt, die seine Überzeugungen weiter tragen und sein Werk fortführen. Er wird uns in der Evangelischen Akademie zu Berlin sehr fehlen, und wir werden ihn nie vergessen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, vor allem seiner Frau und seiner Mutter.

Seinen 60. Geburtstag hat Ludwig Mehlhorn im vergangenen Sommer in Kreisau, dem Ort, der ihm so sehr am Herzen lag, gefeiert. Anstelle von Geschenken bat er um eine Spende an die Kreisau-Initiative (www.kreisau.de). Diese Bitte geben wir an dieser Stelle gern weiter.

Ludwig Mehlhorn wurde am 5. Januar 1950 in Bernsbach im Erzgebirge geboren. Nach dem Abitur studierte er von 1969 bis 1974 Mathematik und arbeitete anschließend als Programmierer in der Hochschule für Ökonomie Berlin.

Von Studienbeginn an war er Mitarbeiter bei der Aktion Sühnezeichen und in der Evangelischen Studentengemeinde; ab 1975 wirkte er außerdem in verschieden Friedens- und Menschenrechtskreisen mit. 1977 wurde sein Haus durch Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit durchsucht, er selber mehrfach verhört. In den Jahren 1981 bis 1987 galt für Ludwig Mehlhorn ein Auslandsreiseverbot. Nachdem er 1984 den Reservistenwehrdiensts verweigert hatte, erhielt er 1985 Berufsverbot; seitdem war er als Hilfspfleger in der Stephanusstiftung Berlin tätig.

Von 1985 bis 1989 baute Ludwig Mehlhorn ein Polenseminar auf; 1986 war er einer der Initiatoren des Antrags auf "Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung" an die Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und die Bundessynode und Mitbegründer des gleichnamigen oppositionellen Arbeitskreises. Er wirkte als Herausgeber und Autor illegaler Publikationen, u.a. "Aufrisse", "Spuren", "ODER", sowie als Übersetzer aus dem Polnischen.

Im September 1989 gehörte Ludwig Mehlhorn zu den Begründern der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“, 1988/89 unterstützte er die Gründung der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung. 1991 war er als Referent im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg tätig, bevor er ein Jahr später den Themenbereich Mittel- und Osteuropa an der Evangelischen Akademie zu Berlin übernahm.

Ludwig Mehlhorn war Mitglied im Vorstand der Kreisau-Initiative Berlin e.V., im Stiftungsrat der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oswiecim sowie im Fachbeirat Europa der Heinrich Böll-Stiftung.

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