Vortrag Journalistenschule

„Gott schlägt sich auf die Seite der Schwachen“

Vortrag von Rüdiger Sachau

© EAzB

Zu der Erkenntnis, dass Glaube und Verstand sich nicht ausschließen, sondern gegenseitig bereichern, ist der Protestantismus erst nach einem langen und mühevollen Weg gelangt. „Wie aber ist das in unserer gegenwärtigen Gesellschaft angesichts der Auseinandersetzungen um Islam und Pegida?“ fragt Akademiedirektor Rüdiger Sachau in seinem Vortrag in der Evangelischen Journalistenschule am 2. Februar. Im Blick auf die Beantwortung dieser Frage erkennt er einen spezifisch christlichen Aspekt in einem „theologisch geklärten Verhältnis zur Macht“.

In Zeiten des zunehmenden Missbrauchs der islamischen Religion für Gewalt und Terror von Muslimen eine „argumentative Auseinandersetzung im Inneren“ zu erwarten, hält Sachau für angemessen. Zugleich unterstreicht er, dass auch den evangelischen Christen der Diskurs und die Diskussionsfähigkeit „nicht in den Schoß gefallen“ seien. Gesprächsfähigkeit müsse immer wieder neu gewonnen werden.

Aus Sicht vieler Muslime sei die aus der Aufklärung hervorgegangene westliche Kultur mit ihrem Religionsverständnis ein großes Problem. „Sie fürchten, dass die kritische Vernunft dem vertrauensvollen Glauben entfremde.“ Die westliche Welt mit ihren „Zumutungen an den Einzelnen, der sich befreit von bevormundenden Traditionen selber einen Weg suchen muss“, erscheine vielen muslimischen Gelehrten nicht als Vorbild, in dessen Richtung sich der Islam entwickeln sollte.

Diesen Vorbehalten ist laut Sachau durch den Austausch mit Menschen anderer Religionen zu begegnen und mit guten theologischen Argumenten, die mit eigenen Erfahrungen verbunden sind. Eine zentrale theologische Erkenntnis ist für ihn dabei die, „das Gott nicht ein Gott der Stärke und Macht ist, sondern ein Gott der Liebe und Nähe“. Vor diesem Hintergrund ist der Akademiedirektor ist überzeugt, „dass diejenigen, die sich am Leben Jesu Christi als der menschengewordenen Nähe Gottes orientieren, nicht anders können, als auf Stärke und Überlegenheit zu verzichten“. Die Einladung „an den Tisch des schwachen Gottes“ sei zuerst eine Einladung zum Gespräch und zur Begegnung.

Solche Gelegenheiten des Nachdenkens, der Prüfung von Argumenten und Erfahrungen hätten nichts mit einem naiven Glauben zu tun, unterstreicht Sachau. Er unterstreicht vielmehr: „Gott hat uns den Verstand geschenkt, dass wir ihn gebrauchen, auch kritisch“. Das Vertrauen auf Gott, der in den Schwachen mächtig sein will, könne indes mit der Erwartung verbunden sein, dass „das eine oder andere Licht aufgeht“.

Den gesamten Vortrag von Rüdiger Sachau lesen Sie hier. (PDF-Dokument, 171.4 KB)

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