Barmherzigkeit Menschenrechte und Islam

Barmherzigkeit, Menschenrechte und Islam

Tagung mit dem islamischen Theologen Mouhanad Khorchide

© EAzB

„Islam ist Barmherzigkeit“?! – der islamische Theologe Mouhanad Khorchide wird nicht müde, immer wieder von neuem zu sagen: Islam und Islamismus sind zwei verschiedene Dinge. Die ethische Grundbotschaft des Islam, so Khorchide, ist Barmherzigkeit und Verantwortung. Auf der Tagung „So anders sind wir nicht!“ am 7. und 8. März stellte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster seinen Zugang zum Koran und zum Islam vor.

Für Mouhanad Khorchide gibt es eine tiefe Verbindung zwischen islamischer Theologie und ethischen Grundorientierungen an der Menschenwürde und den Menschenrechten. Seine Ansicht vertritt in einer Situation, in der sich viele Menschen Sorgen darüber machen, wie ein friedliches Zusammenleben in unserer Gesellschaft zukünftig aussehen kann. Lange schon leben Muslime in Deutschland. Doch viele Menschen fragen sich angesichts von islamistischer Gewalt, welche Einstellungen und Prägungen aus islamischen Gesellschaften mit den zahlreichen Neuankömmlingen nach Deutschland und Europa kommen. Für ein friedliches Zusammenleben ist es wichtig, bestimmte grundlegende Wertvorstellungen gemeinsam zu tragen. Wie lässt sich aber eine Balance finden zwischen der Suche nach Wertegemeinschaft und der Akzeptanz von Unterschieden in Weltanschauung und Werteorientierung, wie sie der Meinungsfreiheit in der weltanschaulich pluralen Gesellschaft entspricht?

Bei der Tagung entwickelte sich ein lebendiges Gespräch mit evangelisch-theologischen Zugängen. Dr. Andreas Goetze, landeskirchlicher Pfarrer für den interreligiösen Dialog der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, sprach darüber, wie Khorchides Interpretation des Koran Fragen behandelt, die sich durchaus auch im Christentum für den Umgang mit der Bibel stellen. Beide Religionen stehen vor der Herausforderung, Texte aus einer anderen Zeit für heute auszulegen – und das geschichtlich Überwundene zu unterscheiden vom bleibend Bindenden. PD Dr. Eva Harasta von der Evangelischen Akademie zu Berlin brachte Khorchides Ethik ins Gespräch mit evangelisch-ethischen Positionen zur Menschenwürde und zu den Menschenrechten. Angesichts einer politisch und gesellschaftlich sensibilisierten Situation ist die ruhige und beharrliche Arbeit an den Grundfragen umso wichtiger: Wie kann dem Islam – in seinen vielfältigen Gestalten und Äußerungen – ein passender Raum gegeben werden im Diskurs über europäische Werte?

Mit Khorchide weitergedacht: „Heute sind alle Religionen, ob Islam, Christentum, Judentum oder andere religiöse Weltanschauungen, gefordert, sich der Frage zu stellen, welchen Beitrag sie für mehr Frieden und Gerechtigkeit auf Erden leisten wollen.“ Und: „Hier sind auch religiöse Institutionen in den USA und Europa gefordert, stärker für Gerechtigkeit und Menschenrechte, auch auf der internationalen Bühne, einzutreten.“ (Islam ist Barmherzigkeit, S. 174-175). Die Probleme an der Wurzel anzugreifen schließt auch ein, sich aktiv gegen unterdrückerische Lebensbedingungen einzusetzen, die Ressentiments und Radikalisierung fördern.

PD Dr. Eva Harasta

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