Brexit Hatzinger Scheiden tut weh

Scheiden tut weh

Der Brexit und seine Folgen

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Der 23. Juni 2016 war ein schwarzer Tag für Europa - für alle, die an ein geeintes, friedliches und solidarisches Europa glauben und ihre Zukunft in dieser Gemeinschaft sehen. So bewertet Oberkirchenrätin Katrin Hatzinger den Ausgang der Volksabstimmung in Großbritannien. Die Leiterin der Brüsseler Dienststelle des Bevollmächtigten des Rates der EKD prognostiziert: „Die Auswirkungen werden wir auch in Deutschland spüren.“

Mit Votum der Briten zeige sich erneut, „dass Volksabstimmungen über EU-Themen, die letztlich aus rein innenpolitischen Erwägungen angesetzt werden, auch aus innenpolitischen Gründen entschieden werden“. Dabei lasse sich die EU offensichtlich weiterhin als Sündenbock für (vermeindliche) nationale Missstände missbrauchen.

Die „bittere Lektion“ des Brexit-Votums sei die, „dass Scheiden weh tut. Während die politischen Brandstifter sich ins Privatleben zurückziehen, werden die Wählerinnen und Wähler durch die Abwertung des britischen Pfunds, den Abbau von Arbeitsplätzen und den Rückgang von Investitionen die Folgen des Austritts zu spüren bekommen“.

Aus Sicht Katrin Hatzingers sollte das britische Referendum für die verbleibenden 27 Mitgliedstaaten ein „Weckruf“ sein. Die EU müsse den Bürgerinnen und Bürgern wieder plausibel gemacht werden, damit sie gegenüber den populistischen Zerrbildern der EU immunisiert würden. „Dafür ist eine Reflexionsphase zu wenig, Europa braucht vielmehr neuen Schwung und Zuversicht“, betont die Oberkirchenrätin. „Denn in Frankreich, den Niederlanden und Österreich fühlen sich Le Pen und Co. durch das Votum bestärkt, ihren Anti-EU-Kurs fortzusetzen und die Gemeinschaft zu sprengen.“

Für die Kirchen in Europa bedeute das Brexit-Votum, sich noch mehr ihrer Verantwortung für den europäischen Zusammenhalt bewusst zu sein. Hatzinger hält „mehr Auseinandersetzung mit europäischen Themen, mehr Debatten mit jungen Menschen und mehr Begegnung und Austausch mit den Partnerkirchen“ für notwendig. Nicht zuletzt sollten die Kirchen auch eine ökumenische Verantwortung für die Qualität des demokratischen Diskurses übernehmen, sich klar gegen „die Verächtlichmachung des Andern“ aussprechen und dazu beitragen, „Vertrauen in die (Europa-)politik zu erhalten, damit die Fliehkräfte nicht weiter wüten und Europa zerstören können“.

Den gesamten Kommentar von Katrin Hatzinger lesen Sie hier (PDF-Dokument, 117.7 KB).

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