Vortrag Sachau Tutzing

Immer im Wandel

Vortrag von Dr. Rüdiger Sachau

© Rüdiger Noll

Vier evangelische Akademiedirektoren im Gespräch mit Thomas Krüger (Mitte), dem Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung

Das Erbe der Reformation ist im Gen-Code der Evangelischen Akademien fest verankert. „Theologische Erkenntnisse und gesellschaftliche Erfahrungen sind durch die reformatorischen Bewegungen des 16. Jahrhunderts miteinander verschlungen in den Gen-Code der Moderne und erst recht in den der Evangelischen Akademien eingeschrieben“, sagte Dr. Rüdiger Sachau. Mit seinem Vortrag „Immer im Wandel. Reformation, Akademien und die Herausforderungen der Zukunft“ eröffnete er am 15. September die Tagung „Religion – Kultur -  Gesellschaft. Wie viel prägende Kraft steckt (noch) in der Reformation?“ in der Akademie Tutzing.

Sachau identifizierte vier wesentliche Bausteine der Moderne, die aus der von der Reformation beförderten, grundlegenden Veränderung in der Sicht auf die Welt hervorgingen, und die als „Grundlagen der Evangelischen Akademien in Deutschland“ angesehen werden können: Neben der individuellen Verantwortung des Menschen ist dies die „Vielfalt der – auch widersprüchlichen – Positionen“, die Notwendigkeit des gewaltlosen Austauschs über unterschiedliche Überzeugungen und die Selbstreflexivität. Diesen Prinzipien wissen sich die Akademien Sachau zufolge verpflichtet. Von dort aus könnten sie ihren Beitrag zur Erneuerung von Kirche und Gesellschaft leisten.

Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass die Arbeitsweisen und Formate der Akademien „immer wieder neu erfunden und gestaltet werden“. Sachau betonte insbesondere die Bedeutung der Digitalisierung. „Wir müssen uns die Frage stellen, wie der digitale Raum Teil der Kommunikation der Evangelischen Kirchen wird – und es bleibt uns nicht viel Zeit.“

Die „Auswanderung aller Lebenswelten in den digitalen Raum“ gehört für den Akademiedirektor zu den drei großen gesellschaftlichen Herausforderungen, die besonders relevant für die künftige Arbeit der Akademien sind. Angesichts der Tatsache, dass das Internet immer mehr zum „Abladeplatz von Müll, Sinnlosigkeit und Stimmungsmache“ werde, forderte Sachau eine „notwendige Kultivierung des digitalen Kontinents“. Insbesondere menschenfeindliche Äußerungen machten eine qualifizierte Gegenöffentlichkeit notwendig: „Wenn verbale Gewalt, wenn Diskriminierungen und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in den sozialen Medien zunehmen, dann können wir uns da als Christinnen und Christen unmöglich raushalten.“

Eine weitere Herausforderung ist Sachau zufolge die Instabilität der Europäischen Union. Da ein neues Narrativ, eine Verständigung auf gemeinsame Grundsätze fehle, sei „das Projekt Europa in ernster Gefahr“, unterstrich er. Eine beispielhafte Antwort vonseiten der europäischen Akademien und Bildungszentren ist seiner Meinung nach das neue Netz „Oikosnet Europe“.

Drittens schließlich benannte Sachau die Aufgabe, Zugänge zu Menschen zu finden, „die nichts anderes hören wollen als die Bestätigung ihrer gefassten Meinungen“. „Wie reden wir mit den Gesprächsverweigerern?“, fragte der Akademiedirektor im Blick auf erstarkende rechtspopulistische Gruppen. Er drückte seine Hoffnung aus, dass Kirchen und Akademien in diesen Zusammenhängen als „starke und bewegliche Mitte“ fungieren, und Diskurs wieder ermöglichen können.

Den gesamten Redetext von Dr. Rüdiger Sachau lesen Sie hier. (PDF-Dokument, 403.9 KB)

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