Vortrag von Dr. Irmgard Schwaetzer beim Sommerfest

Vom friedensfördernden Potenzial der Kirchen in Europa

Vortrag von Dr. Irmgard Schwaetzer beim Sommerfest

© EAzB

Europa steht am Scheideweg, meint die Präses der EKD-Synode, Dr. Irmgard Schwaetzer. So gespalten wie die Europäische Union und die Gesellschaften in vielen Ländern der EU – so gespalten seien auch die Kirchen, sagte Schwaetzer beim Sommerfest der Akademie am 28. August. In ihrer Rede skizzierte sie, wie die Friedensverantwortung der Kirchen in dieser Situation aussehen kann.

Im Blick auf den thematischen Schwerpunkt der EKD-Synode, die sich im November unter der Überschrift „so wirst du leben“ mit der Frage befassen wird, „was es für ein gestärktes, solidarisches und weltoffenes Europa braucht“ und welchen Beitrag die Kirchen leisten können, sagte Schwaetzer: „Wie wir leben wollen, ist die Frage, die uns in dieser krisenhaften Situation im Kern unserer Existenz berührt.“ Drei zentrale Aspekte machte die Präses der Synode, die Mitglied der Stiftung zur Förderung der Evangelischen Akademie zu Berlin ist, hinsichtlich der großen Auseinandersetzungen in Europa aus:

Erstens müsse es darum gehen, das Vertrauen in die multilateralen, die staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen gestärkt werden, um einen sicheren Rahmen für ein friedliches Zusammenleben in Europa zu erreichen. „Die Zukunft der Demokratie kann uns nicht egal sein“, unterstrich Schwaetzer. Ein funktionierender Rechtsstaat schaffe die Grundlage gegen willkürliche Ausgrenzung und Diskriminierung von Andersdenkenden und Fremden. Die Entwicklung des Rechtspopulismus zeige, „dass wir einen europaweiten öffentlichen Diskurs über unsere gemeinsamen Interessen auf der Grundlage der im Lissabon-Vertrag festgeschriebenen Werte brauchen“. Dieser Diskurs müsse in der Politik, in den Medien und in der Zivilgesellschaft – und damit insbesondere in den Kirchen – geführt werden. „Die Auseinandersetzung mit Andersdenkenden, auch mit rechtspopulistischen Parolen muss breit geführt werden“, betonte Schwaetzer. „Dabei muss besonders bedacht werden, was wir tun können, um das Grundvertrauen in die Demokratie dort zu stärken, wo die Anfälligkeit für rechte Parolen besonders groß zu sein scheint.“

Als zweites müsse die Frage beantwortet werden, wie in Europa Vielfalt in Toleranz gelebt werden könne, so Schwaetzer weiter. Sie äußerte sich zuversichtlich, dass die Religionen miteinander etwas für den Frieden tun könnten, „was jede einzelne von ihnen für sich allein nur sehr viel schlechter könnte“. Religionen könnten Beispiele gelebter Toleranz geben und zeigen, wie Menschen unterschiedlicher Überzeugungen und Lebensformen in wechselseitiger Achtung miteinander leben können.

Drittens verwies die Synodenpräses auf die Bedeutung der Inklusion für die Zukunft der Europäischen Union. „Zu den wesentlichen Faktoren, die Gewalt auslösen bzw. Gewaltpotential fördern, gehören Ausgrenzungserfahrungen, gefühlte Ungerechtigkeit, tatsächlich wachsende Ungleichheit und fehlende Chancen.“ Die Entwicklungen in jüngster Zeit hätten deutlich werden lassen, dass alle Bildungsanstrengungen und die Bemühungen um die Gestaltung einer solidarischen Union nicht genug gewesen seien. Schwaetzer forderte: „Erfahrbare Gerechtigkeit, Chancengleichheit und erlebbare Gemeinschaft müssen als Ziele neu und stärker in den Fokus von Politik, Kirchen und Zivilgesellschaft rücken.“

Im Blick auf die große friedensfördernde Aufgabe der Kirchen sprach sich Schwaetzer dafür aus, „dass wir uns selber neu als Akteure verstehen“. Sie plädierte dafür, „dass wir aktiv werden und eigene Maßnahmen ergreifen, die zu Verständigung und Frieden beitragen. Damit verkündigen wir das Evangelium am sachgerechtesten, und damit dienen wir der Welt mit dem Besten, das wir haben: mit dem Geist der Nächstenliebe, den Jesus uns neu geschenkt hat.“

Die gesamte Rede von Dr. Irmgard Schwaetzer lesen Sie hier (PDF-Dokument, 416.2 KB).

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