Abendforum "Im Gespräch bleiben"

Kommerz statt Demokratie

Abendforum "Im Gespräch bleiben"

© Andreas Schoelzel

Soziologe und Medienwissenschaftler Dr. Jan-Hinrik Schmidt

Die nicht demokratisch gestalteten Strukturen von Facebook, Google, Twitter und Co. sind nach Ansicht des Soziologen und Medienwissenschaftlers Dr. Jan-Hinrik Schmidt eines der größten Probleme im Blick auf die Digitalisierung unserer Gesellschaft. Eine "Einhegung von Nutzern in kommerzialisierte Strukturen" durch die so genannten "Informationsintermediäre" kritisierte Schmidt im Rahmen des Forums "Im Gespräch bleiben. Digitale Räume, Diskursverweigerung und die Akademien", das am 9. Januar aus Anlass des 60. Geburtstags von Akademiedirektor Dr. Rüdiger Sachau stattfand.

Tatsächlich sei das Internet zwar für alle Nutzer offen. Die Fragen nach Macht und Kontrolle stellten sich allerdings insbesondere im Blick auf die sozialen Medien besonders dringlich, betonte Schmidt, der als Referent für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation im Hans-Bredow-Institut in Hamburg tätig ist.

Die zwischen Nutzern und Informationen vermittelnden digitalen "Intermediäre" arbeiten Schmidt zufolge nach drei Prinzipien: Sie betreiben erstens eine Ent- und Neubündelung von Informationen zugleich; dabei ist der Fluss der Informationen ein sich ständig selbst aktualisierender, der nicht an feste Zeiten oder Formate gebunden, und auch nicht redaktionell, sondern durch einen Algorithmus gefiltert ist. Außerdem fördern die Informationsintermediäre die Personalisierung von Informationen. Jeder Nutzer kann aus angebotenen Quellen wählen. Gleichzeitig kommen Empfehlungs- und Filtermechanismen zum Einsatz, die bestimmte Informationen ein- oder ausblenden. Drittens unterstützen die sozialen Medien die "Konvergenz unterschiedlicher Kommunikationsmodi". Insbesondere die publizistische und die konversationale Kommunikation wachsen zusammen.

Einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Intermediären und der Meinungsbildung kann der Sozialwissenschaftler indes noch nicht ausmachen. Hier zeichneten empirische Studien "kein einheitliches Bild" - trotz so genannter Filterblasen, also der Versorgung mit Informationen, die zum jeweils eigenen Weltbild passen, und trotz der damit verwandten "Echokammern", Konversationsräumen, in denen es nicht um Argumente, sondern um die Bestätigung der eigenen Meinung geht.

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