Geschichte als zivilgesellschaftliche Ressource

Geschichte als zivilgesellschaftliche Ressource

Essay von Paul Nolte

© Andreas Schoelzel

„Deutschland schwebt mal wieder zwischen Chance und Verhängnis“, meint Paul Nolte. Und fragt: „Können wir eigentlich noch über die Gegenwart reden ohne uns sogleich in der Vergangenheit zu verstricken?“ In einem Essay im Berliner „Tagesspiegel“ erklärt der Akademiepräsident, warum Geschichte zu einer zivilgesellschaftlichen Ressource moderner Gesellschaften geworden ist.

„In der beständigen Reflexion auf die Vergangenheit steht derzeit nicht nur in Deutschland die Stabilität von Demokratie, Rechtsstaat und offener Gesellschaft zur Debatte“, schreibt der Professor für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte. Er bezeichnet die Zwischenkriegszeit der zwanziger und dreißiger Jahre, an die derzeit so häufig erinnert wird, als „Teil unseres eigenen Struktur- und Erfahrungsraumes“: „Wir erkennen die handelnden Menschen wieder: herausgefordert durch technologischen Wandel; beflügelt oder verängstigt durch gesellschaftliche Liberalisierung wie die Emanzipation der Frauen; zerrissen in einer wachsenden Kluft zwischen städtischer und ländlicher Lebenswelt.“ Gleichwohl betont Paul Nolte: „2018 ist kein Wiedergänger von 1928.“ Doch wer sich dieser Geschichte zuwende, sehe auch ihre Schatten und ihre Spiegelungen in der Gegenwart.

Diese Perspektive hat Konsequenzen. „In der Geschichte als zivilgesellschaftlichem Verhandlungsraum kann man den Fragen des Sollens nicht entkommen“, ist der Historiker überzeugt. Unter dem Eindruck von Angriffen auf die liberale Demokratie habe die normative oder „moralische“ Frage sogar eine neue Dringlichkeit gewonnen. Nolte sieht die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, sich im Horizont historischer Erfahrung zu ihr zu bekennen.

Dem Lernen aus der Geschichte können wir nicht ausweichen, schreibt der Akademiepräsident. Wissenschaft und kritische Öffentlichkeit könnten uns davor bewahren, die Vergangenheit als eine platte politische Handlungsanweisung zu missverstehen. Das, so Nolte, funktioniere in der Regel gut: „Wer die Lehren aus der Vergangenheit zu simpel strickt, darf mit Widerspruch rechnen.“ Die Geschichte sei offen und nicht durch ihre eigene Vorgeschichte determiniert. „Deshalb heißt Lernen aus der Geschichte, im Bewusstsein dieser Offenheit ebenso wie der Erfahrungen der Vergangenheit, jener Sedimente, auf denen unsere Gegenwart aufruht, zu handeln.“

Den gesamten Text von Prof. Paul Nolte lesen Sie hier.

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