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Kähler verteidigt Begriff "Mohr"

 
 

Kähler verteidigt Begriff "Mohr"

© Thomas Rheindorf

 

Der Theologe Christoph Kähler, der die Revision der Lutherbibel 2017 leitete, verteidigt das Festhalten an dem Ausdruck "Mohr" an einer Textstelle gegen Kritik. Luther selbst habe den Begriff Mohr 42 Mal gebraucht, sagte Kähler dem Evangelischen Pressedienst (epd). "In der jetzigen Revision wurden fast alle Vorkommen getilgt", erklärte der Theologe und frühere Thüringer Landesbischof. 70 Theologen hatten den Bibeltext unter seiner Leitung binnen fünf Jahren geprüft, überarbeitet und teilweise neu übersetzt.

Bereits zwischen 1964 und 1984 sei die Verwendung des Begriffs in der Bibel auf 15 Stellen reduziert worden. "Denn in der Regel reicht für die Bezeichnung eines sehr fremden Landes 'Kusch' oder der Einwohner 'Kuschit' aus, auch wenn sich Bibelleser darunter oft nicht viel vorstellen können", sagte Kähler, der in Leipzig wohnt. Anlässlich des Internationalen Tages gegen Rassismus am Mittwoch vergangener Woche hatte die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus die Verwendung des Begriffs "Mohr" in der jüngsten Ausgabe der Lutherbibel beanstandet.

In der Lutherbibel 2017 heißt es im Buch Jeremia: "Kann etwa ein Mohr seine Haut wandeln oder ein Panther seine Flecken?" Auch für diese Textstelle seien im Zuge der Überarbeitung andere Übersetzungen diskutiert worden, sagte Kähler. Doch hier gehe es nun einmal um die dunkle Hautfarbe eines Menschen, die "auf wenig schmeichelhafte Weise" mit den dunklen Flecken auf dem Fell des Raubtiers verglichen werde. "Beides aber sind Bilder für die porentiefe Boshaftigkeit der Hörer des Jeremia - in einer drastischen, politisch unkorrekten Sprache, die Menschen verletzen kann." Dies ändere sich nicht, wenn man das Wort "Mohr" durch "Schwarzer" ersetze.

Die Bibel enthält nach Ansicht des Theologen nicht nur unkorrekte Sprachbilder: "Auch fremdenfeindliche Aussagen finden sich in der Bibel." Sie müssten sorgfältig ausgelegt werden, doch eine Übersetzung dürfe sie nicht "durch schwarze Balken unsichtbar machen", forderte Kähler.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus hatte vergangene Woche Kritik an der Verwendung des Begriffs "Mohr" in der jüngsten Ausgabe der Lutherbibel geübt, die eine Kommission der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) überarbeitet hatte. "Wie kann der Rat der EKD eine Bibelübersetzung autorisieren, die das Wort 'Mohr' beibehält?", bemängelte Henning Flad, Geschäftsführer des ökumenischen Netzwerks, laut Mitteilung.

Kähler widersprach der Argumentation des ökumenischen Netzwerks, wonach ein Ursprung der Bezeichnung "Mohr" im griechischen Wort "moros" liege, was "einfältig", "dumm" oder auch "gottlos" bedeute. "Das beruht auf einem missverstandenen Wikipedia-Artikel", erklärte Kähler. "'Mohr' kommt von dem griechischen Wort 'mauros' und bezeichnet ursprünglich den 'Mauretanier' oder den Äthiopier."

Der überarbeitete Text der Lutherbibel erschien anlässlich des 500. Reformationsjubiläums 2016/2017. Außer in den klassischen Druckausgaben wurde die Lutherbibel auch als Hörbuch, E-Book, App und Computersoftware veröffentlicht. epd ost bas cxm

 
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