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Nachlese Dialog der Dialoge

 
 
Nachlese

Dialog der Dialoge

© Pixabay

 

„Dialog führen Menschen, nicht Religionsgemeinschaften“ – so Pfarrerin Ilona Klemens in ihrem Beitrag beim Workshop „Dialog der Dialoge“ am 30. Mai. Die Veranstaltung brachte 20 kirchliche Engagierte aus verschiedenen Bereichen des interreligiösen Dialogs zusammen. Gemeinsam diskutierten sie darüber, wie interreligiöse Dialoge aus der „Nische“ hinauskommen, und stärker in die Mitte von Kirche gestellt werden können. Als Referentinnen brachten sich ein: Anette Adelmann, die Generalsekretärin des Internationalen Rates der Christen und Juden, und Pfarrerin Ilona Klemens (esg Mainz), von 2003 bis 2016 Pfarrerin für Interreligiösen Dialog in Frankfurt am Main. Die beiden waren sich einig, dass die Hauptsache im Bemühen um interreligiöse Dialoge die Begegnungen sind, Begegnungen über eine längere Zeitspanne hinweg, die das Wachsen von guten Beziehungen erlaubt.

Adelmann betonte, dass die letzten Jahrzehnte im christlich-jüdischen Dialog viele wichtige theologische Klärungen brachten. Neben dieses intellektuelle Element stellte Adelmann das emotionale Element: Es gehe darum, Begegnungs- und Erinnerungsräume zu schaffen, also vom Vortrag und der Kanzelrede weg- und in den Beziehungsraum der Gemeinde hineinzukommen. Als Beispiel für einen sehr klar gestalteten Erinnerungsraum nannte Adelmann die Schweigeminute zum Jom haScho’a, wie sie in Israel begangen wird. Ilona Klemens widmete sich besonders dem christlich-islamischen Dialog und verwies zunächst auf seinen gesellschaftlichen Kontext: Öffentliche Debatten über „den Islam“ und „die Muslime“ hätten Einfluss auf christlich-islamische Begegnungen, auch wenn man sich bewusst davon abgrenze. So rücke die „Entfeindung“ in den Vordergrund, also die Arbeit an der eigenen Wahrnehmung vom anderen. Angesichts der relativ kurzen Geschichte des Austauschs mit Muslimen in Deutschland sind Fremdheitsgefühle auf beiden Seiten nicht verwunderlich. Sie lassen sich nur durch beharrliche Begegnungsarbeit überwinden.

Wie eine Kirche aussähe, die sich von interreligiösen und interkulturellen Begegnungen prägen lässt – dieser Frage widmeten sich Studienleiterin Dr. Eva Harasta und Pfarrer Dr. Andreas Goetze. Sie stellten zwei deutlich unterschiedliche Zugänge vor. Goetze betonte eine gefestigte eigene spirituelle Identität als Grundlage interreligiöser Dialoge und brachte die Faszination an der bleibend anderen Spiritualität der anderen als Movens solcher Dialoge ein, auch wenn es um Fragen des Zusammenlebens geht. Harasta benannte die Befremdung und Neuperspektivierung der eigenen religiösen Position als Movens und Ziel von interreligiösen und interkulturellen Begegnungen. In einer weltanschaulich vielfältigen Gesellschaft kommt es darauf an, den Anspruch auf Deutungshoheit ehrlich aufzugeben und sich anfechten zu lassen, wo Anfechtung nottut.

Die Veranstaltung war eine Kooperation mit dem Berliner Missionswerk.

Dr. Eva Harasta

 
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