epd Poppe würdigt Rolle der Kirchen in der DDR

Poppe würdigt Rolle der Kirchen in der DDR

© Christof Rieken

Frankfurt an der Oder (epd). Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls hat die DDR-Bürgerrechtlerin und frühere brandenburgische Aufarbeitungsbeauftragte Ulrike Poppe zum Engagement für eine menschenwürdige Welt aufgerufen. Die Geschichte der DDR-Opposition und der Ereignisse von 1989 und 1990 zeigten, "dass man sich politische Ziele setzen sollte, die nicht von der zu erwartenden Machbarkeit beziehungsweise Durchsetzbarkeit abgebremst werden", sagte Poppe der in Frankfurt an der Oder erscheinenden "Märkischen Oderzeitung" (Montag online): "Man darf auch mit unwahrscheinlichen Wendungen rechnen."

"Wir haben damals erlebt, dass wirklich Unerwartetes passieren kann", sagte Poppe. Heute wünsche sie sich "mehr Mut, eine Welt zu entwerfen, die eine gute Zukunft für unsere Nachkommen ermöglicht, auch wenn es genug Gründe gibt, diese eher düster zu zeichnen". Es müssten sowohl Gefährdungen benannt, als auch Hoffnungsbilder entworfen werden.

Die Oppositionszeit in der DDR habe gelehrt, dass es in der Außenpolitik nicht ausreiche, mit autoritären Staaten um der friedlichen Koexistenz willen diplomatischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kontakt auf den Führungsebenen zu pflegen, sagte Poppe: "Man sollte schauen, wo es demokratische Gegenkräfte in den jeweiligen Diktaturen gibt und wie sie unterstützt werden können."

Poppe würdigte zugleich die Rolle der Kirchen in der DDR, die der Opposition Raum gaben und so dazu beigetragen hätten, dass "Bestrebungen nach politischen Freiheitsrechten und Rechtsstaatlichkeit in all den Jahrzehnten überwintert haben". Von der Öffentlichkeit sei die DDR-Opposition jedoch durch die starken Beziehungen zu den Kirchen kaum wahrgenommen worden. "Für größere Veranstaltungen und Zusammenkünfte konnten wir lediglich kirchliche Räume nutzen", sagte Poppe: "Und für viele Menschen in der DDR war die Schwelle zum Betreten kirchlicher Einrichtungen zu hoch."

Als dann im Frühjahr 1989 oppositionelle Gruppen die Fälschung der DDR-Kommunalwahlen aufdeckten, sei plötzlich eine organisierte Opposition sichtbar geworden, betonte Poppe: "Das machte vielen Menschen Mut, die bisher nur die Faust in der Tasche geballt hatten."

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