Beobachtungen in einer veränderten Welt 14

Geist, Körper und Psyche in Zeiten von Corona

Beobachtungen in einer veränderten Welt 14 - Silke Ewe

Corona-Blog Ewe

© EAzB/EKD

Die Krise bringt viele Menschen aus dem Gleichgewicht, auch wenn sie selbst nicht erkrankt sind. Warum die Veranstaltungen der Akademie auch in dieser Hinsicht fehlen und digitale Formate ein guter, aber kein vollwertiger Ersatz sein können, schreibt Silke Ewe in ihrem Beitrag.

Das Zusammenspiel von Geist, Körper und Psyche macht uns als Menschen aus. Sind diese drei stabil und im Einklang fühlen wir uns wohl, sind agil und lebensfroh, leistungsfähig und können unser gesamtes Potenzial nutzen.

Seit Einführung der Corona-Maßnahmen ist es für viele von uns schwer, diesen Einklang zu behalten. Unser Geist muss sich plötzlich veränderten Anforderungen stellen, muss neue Dinge lernen, fremde Regeln befolgen und umdenken - sei es im Alltag oder im Job, im Umgang mit Krankheiten oder in der Beziehung zu anderen Menschen. Unser Körper, der bei vielen bisher getrimmt war auf Funktionalität, Fitness und eine geregelte Tagesstruktur, gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht durch veränderte Abläufe, Bewegungsformen und Ansprüche an ihn. Die Psyche muss dies alles verarbeiten, neu sortieren und strukturieren. Und wir dürfen dabei den Mut und den Glauben an die Zukunft nicht verlieren und müssen uns schon jetzt auf eine veränderte Welt „nach Corona“ einstellen.

Das Zusammenspiel von Körper, Geist und Psyche prägt auch viele unserer Veranstaltungen. Leben diese doch meist von persönlichen Begegnungen in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten, bei denen aktuelle Themen zur Debatte stehen, die geistige Nahrung und Anregung für die eigene Persönlichkeit, für die Arbeit, das Ehrenamt oder das Studium geben sollen. Dialog und Austausch stehen im Vordergrund, Begegnung und gegenseitige Inspiration sind jedoch nicht weniger wichtig. Es entsteht im besten Fall eine Atmosphäre, in der sich Geist, Körper und Psyche wohlfühlen.

Die Psyche speichert diese Erfahrungen und Erlebnisse, Stimmungen und Emotionen, die dann unseren inneren Motor immer wieder antreiben können.

Die persönlichen Begegnungen können derzeit nicht stattfinden. Wir können uns zumindest digital verständigen in verschiedenen Formaten, die wir teilweise erst verstehen und erlernen müssen. Ja, auch diese können eine Form von Nähe geben, jedoch niemals ein Ersatz für Händeschütteln, für Blickkontakt oder für ein persönliches Gespräch sein. Die Sprache des Körpers, die einen großen Teil unserer Kommunikation ausmacht, ist nicht zu ersetzen, wenn wir in Videokonferenzen nur unsere Köpfe als rechteckigen Ausschnitt betrachten können.

Einige unserer Tagungen - wie zum Beispiel die einmal jährlich stattfindende Feministische Befreiungstheologische Sommerakademie - leben unter anderem von der Gemeinschaft, von intensiven Gruppenarbeiten, von lebendigen Diskussionen, vom Händefassen beim Beten, von Körperarbeit, von atmosphärischen Stimmungen, wie sie niemals via Medium – und sei es noch so modern - vermittelt werden könnten. Andere unserer Veranstaltungsformate, die weniger von der Atmosphäre, dafür umso mehr von kreativen Präsentationen, angeregten Diskussionen und geistigem Input leben, können gut digital aufbereitet und angeboten werden, ohne dass die gegenseitige Inspiration verloren gehen wird. Doch auch bei diesen werden die Gemeinschaft, persönliche Begegnungen, echter Applaus, Körpersprache und eine begeisterte Stimmung nur schwer ersetzbar sein.

Auf die persönlichen Kontakte bei unseren Veranstaltungen, die so wichtigen Gespräche am Rande und in den Kaffeepausen, auf den lebendigen zwischenmenschlichen Austausch und auf echte Begegnungen müssen unser Geist, unser Körper und unsere Psyche noch auf unbestimmte Zeit verzichten. Das zeigt uns auf besondere Art, wie wertvoll die Räume der Kommunikation und Begegnung für uns sind. Die Verlusterfahrung wird die Vorfreude und die Erwartung intensivieren und uns daran wachsen lassen.

Wir freuen uns auf alle kommenden Begegnungen.

Seien Sie behütet!

Dieser Text steht unter CC-0 und darf frei geteilt und modifiziert werden.

Ewe, Silke 2019

Silke Ewe

Tagungsorganisation, Öffentlichkeitsarbeit, Websitebetreuung

Telefon (030) 203 55 - 508

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