Predigt Krippner

„Streit ermöglicht Zusammenleben“

Einführungspredigt von Friederike Krippner

Dr. Friederike Krippner 27.09.2020

© EAzB

„Worte schaffen politische und gesellschaftliche Strukturen“, meint Dr. Friederike Krippner. In ihrer Predigt aus Anlass ihrer Einführung stellte die neue Akademiedirektorin Überlegungen zum Streitgespräch in den Mittelpunkt. „Wir streiten leider zu häufig auf eine Weise, die Menschen ausgrenzt“.

Ausgangspunkt ihrer Ausführungen war das Buch Hiob „mit seinen von Argumenten gespickten kunstvollen Reden und Gegenreden“, das die Literaturwissenschaftlerin als „weisheitliche Unterweisung um die Grenzen des Sagbaren und Erkennbaren in der Welt“ einordnete. Streit und Auseinandersetzung als (über)lebenswichtige Notwendigkeiten für Mensch und Gesellschaften müssten auf eine Weise geführt werden, die viele mitnehme. „Wir dürfen sie nicht elitär und wir dürfen sie nicht exkludierend führen“, betonte Friederike Krippner. Gleichzeitig identifizierte sie „die Rede vom Redeverbot“ als Argument, das es zulasse, „wahlweise antiwissenschaftliche, antidemokratische oder schlicht rassistische Parolen zu schwingen“. Dies zeige die Grenzen des produktiven Streits auf „und auch über diese Grenzen müssen wir uns unbedingt verständigen und sie als solche klar markieren“.

Trotz des enormen Spannungsfeldes zwischen den Erfordernissen, nicht auszugrenzen und gleichzeitig Grenzen zu markieren, ist Streit für die Akademiedirektorin eine „diskursive Praxis, die Zusammenleben erst ermöglicht“. Aber: „Streit, der nicht destruktiv ist, sondern die Andere wahrnimmt, der offen ist und dessen Ausgang offen ist: Das ist eine Praxis, die gelernt, gelebt und ermöglicht werden muss.“ Orte, die Räume und Strukturen bieten, um sich im Streiten zu üben, seien die Akademien. Auch die Evangelische Akademie zu Berlin versuche, ein solcher Ort zu sein, unterstrich Friederike Krippner, „und sie hat nun – nicht nur angesichts der Pandemie – die Chance und die Herausforderung, Formen des Streits, des Einübens einer diskursiven Praxis noch einmal neu zu erfinden“.

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