Vergiftete Solidarität

Online-Reihe

Vergiftete Solidarität

Rechte Solidarität mit Israel als anti-islamischer Schachzug

Reihe: Extreme Zeiten! Religion als Zielscheibe und Ausgangspunkt extremistischen Denkens

Tagungsnr.
24045
Von: 13.02.2024 19:00
Bis: 13.02.2024 20:30
Online

© Olena Krasnokutska

Extremistische, demokratiefeindliche, antisemitische und antimuslimische Positionen greifen um sich – global, aber auch in Deutschland. Religion ist oft Zielscheibe, aber auch Ausgangspunkt solcher Haltungen. Die interreligiöse Veranstaltungsreihe "Extreme Zeiten!" beleuchtet die verhärtete und unübersichtliche Debattenlage. Die Reihe macht auf die Bedrohungen aufmerksam, die Mitgliedern monotheistischer Religionsgemeinschaften gegenwärtig entgegenschlagen. Zugleich zeigt sie auf, wie reilgiöse und theologische Diskurse demokratiefeindliche, mitunter extremistische Haltungen auch befördern.

Inhalt

Bei der zweiten Veranstaltung der Reihe sprechen Monty Ott und Ruben Gerczikow über die Motive, aus denen die extreme Rechte plötzlich Solidarität mit Israel zur Schau stellt.

Im Bundestag klatscht die AfD, als Bundeskanzler Olaf Scholz von der Sicherheit Israels als deutscher Staatsräson spricht. Die Redner*innen ihrer Fraktion sprechen in (auch israelbezogenen) antisemitischen Codes und im selben Atemzug von Solidarität zum Staat Israel. Gleichzeitig wird die Debatte um Migration wieder befeuert, werden Muslim*innen zu Schuldigen und zu Urhebern des Antisemitismus in Deutschland erklärt. Rechte Solidarität mit Israel zielt sichtbar auf die Abwertung des Islam ab und darauf, Hass und Misstrauen gegen Muslim*innen zu schüren. Inwiefern diese anti-islamische Haltung tief mit dem Antisemitismus verwoben bleibt, soll an diesem Abend beleuchtet werden.

Monty Ott ist Politik- und Religionswissenschaftler und politischer Schriftsteller. Er publiziert zu tagespolitischen Themen und beschäftigt sich in seinen Beiträgen mit Antisemitismus, Erinnerungskultur, Intersektionalität und Queerness. Anfang 2023 erschien in der Zeit sein Essay „Inzwischen ist es kalt geworden“ über Antisemitismus in linken Bewegungen. Seit über einem Jahrzehnt engagiert sich Monty Ott in der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit.

Ruben Gerczikow ist Autor und hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert. Er recherchiert zu antisemitischen Strukturen im analogen und digitalen Raum. Er hat für Medien wie FAZ, Tagesspiegel und taz geschrieben. Seine Veröffentlichungen behandeln die Themenfelder Antisemitismus, Rechtsextremismus, Islamismus und jüdische Gegenwart.

Für ihren Text „Hat Halle uns verändert? Ein Manifest mutiger, widerständiger Jüdischkeit“ wurden Ott und Gerczikow beim Schreibwettbewerb L’Chaim der Initiative Kulturelle Integration ausgezeichnet. Anfang 2023 ist ihr gemeinsamer Reportage-Band „Wir lassen uns nicht unterkriegen“ – Junge jüdische Politik in Deutschland im Verlag Hentrich & Hentrich erschienen.

Online-Veranstaltungsreihe Extreme Zeiten!

Extreme dominieren gerade die Debatten. Das zeigt sich nicht nur daran, wie die Geschehnisse im Nahen Osten direkt und indirekt Einfluss auf das gesellschaftliche Leben in Deutschland nehmen und Antisemitismus wie antimuslimischen Rassismus aufkochen lassen. Es wird auch an den besorgniserregend hohen Zustimmungswerten rechter Parteien vor den Landtagswahlen in mehreren Bundesländern deutlich. Durch diese extremen Zeiten fühlen sich nicht nur jüdische und muslimische Menschen gefährdet und unsicher, sondern auch viele andere, die die Demokratie bedroht sehen.

Die Fronten scheinen verhärtet. Hass und Ausgrenzung nehmen zu und die Lage wird immer unübersichtlicher. Wenn sich rechte Akteure an die Seite Israels stellen, ist das dann "echte" Solidarität? Sind antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus überhaupt trennbar? Welches extremistische Potenzial kann von absolut verstandenen Religionen ausgehen? Warum ist der gesellschaftliche Antisemitismus alles andere als ein importiertes Problem?

Die unübersichtlichen, verzerrten und die Debatten verwischenden Narrative, Komplexitätsreduktionen und Strategien sollen im Rahmen dieser Reihe näher untersucht werden. Damit wollen wir dazu beitragen, öffentliche Stimmen klarer einzuordnen, den kritischen Blick zu schärfen und antisemitischen, antiislamischen und antidemokratischen Tendenzen differenziert entgegenzutreten. Dabei gilt es, die Problembereiche der monotheistischen Religionen ebenso zu benennen wie die Bedrohungen, die ihren Mitgliedern gegenwärtig entgegenschlagen. Indem wir uns kritisch mit den Beständen der Religionen auseinandersetzen und problematische Stränge identifizieren, wollen wir der Instrumentalisierung und Pervertierung von Religion ebenso gegenarbeiten wie den kursierenden Religionsfeindlichkeiten.

Veranstalter der Reihe Extreme Zeiten! ist das interreligiöse Netzwerk Grenzgänge. Neben der Evangelischen Akademie zu Berlin gehören ihm die Alhambra Gesellschaft e.V., der Evangelische Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg, das Berliner Missionswerk sowie die Apostel-Paulus-Kirchengemeinde Schöneberg an.

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Leitung

Christina Sawatzki

Studienleiterin für Theologie und interreligiösen Dialog

Telefon (030) 203 55 - 412

Organisation

Melanie Baumert-Sarnow

Veranstaltungsorganisation

Telefon (030) 203 55 - 404

Extreme Zeiten!

Reihe zu Religion als Zielscheibe und Ausgangspunkt extremistischen Denkens

Extreme dominieren gerade die Debatten. Das zeigt sich nicht nur daran, wie die Geschehnisse im Nahen Osten direkt und indirekt Einfluss auf das gesellschaftliche Leben in Deutschland nehmen und Antisemitismus wie antimuslimischen Rassismus aufkochen lassen. Es wird auch an den besorgniserregend …

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