Gerade in Zeiten multipler Krisen und Unsicherheiten stellt sich für viele Menschen die Frage nach Sinn und letztem Halt. Lange wurde Religion in der Psychotherapie als positive Ressource abgetan. Heute berücksichtigt die Forschung Religion und Spiritualität vermehrt und erkennt sie als Resilienzfaktoren an. Dabei ist Religion keinesfalls per se förderlich für die psychische Gesundheit: Spiritueller Machtmissbrauch, Manipulation oder eine lebensfeindliche Ethik religiöser und spiritueller Gruppen können gegenteilige Wirkungen entfachen.
Was sind heilsame, was krankmachenden Formen des Glaubens? Und wie hängen diese mit Formen neuer Religiosität zusammen? Das beleuchten wir an diesem Abend der Reihe Extreme Zeiten! mit dem Religionspsychologen Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.
Prof. Dr. Michel Utsch ist Religionspsychologe und approbierter Psychotherapeut. Neben der Tätigkeit in seiner eigenen Praxis ist er seit 1997 Referent für Religion und Gesundheit bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Zu seinen Forschungsinteressen gehören psychologische Anknüpfungspunkte für religiöse und spirituelle Erfahrungen, krankmachende Gottesbilder und Merkmale destruktiver Gruppen sowie Förderung der Resilienz durch positive Spiritualität. Er ist Verfasser einer Vielzahl von Veröffentlichungen und seit 2013 Honorarprofessor für Religionspsychologie an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg.
Extreme Zeiten! ist eine Reihe des interreligiösen Netzwerks Grenzgänge. Neben der Evangelischen Akademie zu Berlin gehören ihm die Alhambra Gesellschaft e.V., der Evangelische Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg, das Berliner Missionswerk sowie die Apostel-Paulus-Kirchengemeinde Schöneberg an.