Kein Sprint, sondern ein Marathon

Kein Sprint, sondern ein Marathon

Adventsblog „Geburt und Anfang“ │ Jonas Enderlein

© mediaflair / photocase.de

Weihnachten und Schöpfung - Geburt und Anfang - sind in der christlichen Tradition eng mit der Symbolik des Lichts verbunden. Auch auf den Fotos zu unserem Adventsblog steht das Licht im Mittelpunkt.

Eine Firmengründung ist ein erhebender Moment. Viel wichtiger für den Erfolg sind aber Durchhaltevermögen, Verantwortungsbereitschaft und Geschick für das, was danach kommt. Der „Kick“ der Gründung ist bloß der Anstoß, der alles in Gang bringt und Motivation für den ersten Teil der Strecke liefert.

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Dieser berühmte Satz Hermann Hesses ist tief in unserem Sprachgebrauch verankert. Von allen Anfängen, die ich in meinem Leben bisher erleben durfte, war keiner so eindrucksvoll und prägend wie die Geburt meiner Tochter. Als Gründer und Unternehmer habe ich schöne und zugleich fordernde Momente erlebt, aber trotz aller Parallelen reicht keine Gründung an die Erfahrung einer Geburt heran. Obwohl ich in der Regel ein starkes Nervenkostüm habe, hat sie mir fast die Füße weggezogen und mich auf eindrucksvolle Weise Demut gelehrt.

Doch warum sind Anfänge so wichtig für uns? Warum müssen wir emotional durchgeschüttelt und von Glücksgefühlen geflutet werden, wenn etwas Wichtiges in unserem Leben passiert? Eine Geburt ist eindrucksvoll, doch markiert sie nur den Beginn eines langen Weges, der immer wieder von Herausforderungen geprägt ist. Vor allem den Eltern wird ein hohes Maß an Hingabe, Durchhaltevermögen und Aufopferung abverlangt, bis aus einem Kind ein glücklicher Erwachsener werden kann. Auch eine gute Beziehung entsteht nicht beim „Verlieben“, sondern durch Kompromissbereitschaft, gegenseitigen Respekt, tiefe Zuneigung und Akzeptanz.

Und wenn ich mal ganz ehrlich bin: Die Unterzeichnung eines Gesellschaftsvertrags bei der Gründung eines Unternehmens in den edlen Altbaubüros eines Potsdamer Notariats hat mir zwar jedes Mal einen kräftigen „Endorphin-Kick“ gegeben. Das eigentlich Wichtige beim Aufbau eines Unternehmens ist aber, sich jeden Tag schwierigen Situationen zu stellen, Verantwortung zu übernehmen, nach Rückschlägen wieder aufzustehen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter einer gemeinsamen Vision zu vereinen und Kunden glücklich zu machen. Anfänge und die damit verbundene Faszination sind wichtig. Sie sind aber nur der Anstoß, der alles in Gang bringt und uns mit Motivation für den ersten Teil der Strecke versorgt.

Im Gründerjargon gibt es die Formulierung „jemanden anzünden“. Sie steht dafür, einen Menschen zu begeistern und von etwas zu überzeugen. Mindestens genauso wichtig ist es aber, das Feuer immer wieder zu nähren, damit es nicht erlischt. Alle Dinge, für die es sich zu leben lohnt, sind eben kein Sprint, sondern ein Marathon. Echte Erfolge in Beruf und Privatleben sind kein schneller Lottogewinn, sondern das Ergebnis langer und kontinuierlicher Hingabe und Aufopferung, einer Aneinanderreihung von Höhen und Tiefen.

Leider sind mediale Trugbilder von schnellem Geld, Erfolg und Glück omnipräsent. Wenn die Erwartung an das Ergebnis aber deutlich größer ist als die Bereitschaft, dafür zu arbeiten, dann läuft das in der Regel auf Frust und Enttäuschung hinaus. Wer nicht bereit ist, den ganzen Weg zu gehen, der hat den „Zauber des Anfangs“ wahrscheinlich auch nicht verdient.

Der IT-Unternehmer Jonas Enderlein hat mehrere Start-up-Firmen gegründet. Er ist technischer Direktor der Potsdamer Solutiance AG, die softwarebasierte Dienstleistungen für Immobilienbetreiber anbietet.

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