Erinnerungskulturen in der Einwanderungsgesellschaft

Erinnerungskultur:en der Einwanderungsgesellschaft

Video zum „Grenzgänge“-Forum am 3. März 2021

Es ist wichtig, über den Holocaust zu sprechen. „Es ist aber auch wichtig, andere Geschichten zu thematisieren“ – Geschichte(n), an die Menschen sich erinnern, die selbst oder deren Vorfahren nicht in Deutschland geboren wurden, meint Saba-Nur Cheema in „Erinnerungskultur:en in der Einwanderungsgesellschaft“.

Die Leiterin der Bildungsprogramme an der „Bildungsstätte Anne Frank“ rückte neben der Shoah den Nahostkonflikt und den Völkermord an den Armeniern in den Fokus, aber auch Verbrechen in Vietnam, Afghanistan oder anderen Herkunftsländern in Deutschland lebender Menschen. Dem Nahostkonflikt komme in der deutschen Erinnerungskultur eine „Symbolbedeutung“ zu, betonte Hanno Loewy, der Direktor des Jüdischen Museums Hohenems. Doch auch die deutsche Kolonialgeschichte und ihr Vermächtnis dürfe nicht aus dem Blick geraten, gab er zu bedenken.

„Wer hat das Recht, wann wie ‚wir‘ zu sagen?“ Debatten über das sich wandelnde ‚wir‘ seien komplex, so Hanno Loewy, und würfen auch die Frage auf, welches eigentlich der richtige Raum für die Auseinandersetzung mit Diversität in der Erinnerungskultur sei. „Die Schule“, so Hanno Loewy, „ist der schlechteste Raum dafür“. Geeigneter seien vielmehr Räume, die nicht „vermachtet“ seien und in denen es mehr Freiheiten gebe.

Erinnerungskultur sei heute nicht nur Aufgabe der Schule, unterstrich Saba-Nur Cheema. Vielmehr seien auch Politik, Kultur und Öffentlichkeit in der Pflicht, damit Erinnerungskultur diversitätsbewusster gedacht und gelebt werde. Nicht die Präsentation kultureller Vielfalt etwa beim Karneval sei wichtig, sondern es gehe darum, vielfältigen Perspektiven aus marginalisierten Gruppen auch in etablierten Kulturinstitutionen Raum zu geben. Wichtig seien Repräsentanz und Pluralität in Teams, die Kultur gestalten. „Wenn die Menschen, die Kultur gestalten und die Ressourcen haben, vielfältig sind, wird natürlich auch anderen Perspektiven Raum gegeben.“

Der deutsch-palästinensische Politikwissenschaftler Mohamed Ibrahim, der gemeinsam mit einem jüdischen, aus Israel stammenden Kollegen Bildungsarbeit zum Nahostkonflikt in Berliner Schulen macht, wies darauf hin, dass es inzwischen viele Initiativen in diesem Feld gebe, aber auch Widerstand gegen neue Formen der Erinnerungsarbeit. „Es liegt noch eine schwierige Zeit vor uns.“

Die Veranstaltung „Erinnerungskultur:en in der Einwanderungsgesellschaft“ ist ein Teil der interreligiösen Reihe „Grenzgänge", die gemeinsam mit der Alhambra-Gesellschaft, der Apostel-Paulus-Gemeinde, dem Berliner Missionswerk und dem Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg organisiert wird. In dieser Reihe verbinden wir die inhaltliche Auseinandersetzung mit interreligiösen Fragen mit der Suche nach künstlerischen Zugängen zur Begegnung von Menschen unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Prägung.

2021 3 Mär

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Erinnerungskultur:en in der Einwanderungsgesellschaft

Woran erinnern sich Menschen in einer Einwanderungsgesellschaft? Und wie erinnern sie sich? Welche Rolle spielen dabei Migrationserfahrungen und religiöse Zugehörigkeiten? Wie können, wie müssen Erinnerungskulturen weiterentwickelt werden, um auch… weiter
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