Grundsicherung ist kein Allheilmittel

Grundsicherung ist kein Allheilmittel

Wie stark muss soziale Sicherung an Arbeit gekoppelt sein?

Miniature businessman standing on a pile of coins with umbrella

© Adobe Stock / Hyejin Kang

Müssen soziale Absicherung und Erwerbsarbeit stärker entkoppelt werden? Nils Goldschmidt von der Universität Siegen plädierte bei unserem Fachgespräch am 28. September dagegen. Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), betonte die Bedeutung des Gerechtigkeitsempfindens bei diesem Thema.

Ob mit Blick auf die Rente oder auf die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen: Die Frage einer stärkeren Ver- oder Entkoppelung von Erwerbsarbeit und sozialer Sicherung bleibt umstritten. DGB-Vize Hannack unterstrich, dass ein soziales Sicherungssystem nur dann als gerecht empfunden werde, wenn es Solidarität gegenüber den Schwachen verwirkliche. Aus gewerkschaftlicher Perspektive sei ein System sozialer Sicherung, das an die Erwerbsarbeit gekoppelt ist, „auch deshalb gerecht, weil Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen zu gleichen Teilen hierzu ihre Beiträge leisten“.

Allerdings gebe es „sozialpolitische Aufgaben der Gesellschaft, die sich weder an Erwerbsverläufe noch an Versicherungsansprüche koppeln lassen“. Dazu gehöre beispielsweise die Bekämpfung der Kinderarmut. Das Thema Kindergrundsicherung mache deutlich, „wie genau wir die Definition der Koppelung an Erwerbsarbeit eingrenzen müssen“.

„Eine falsche Stoßrichtung“ sähe Ökonom Goldschmidt in einer Entkoppelung von Arbeit und Absicherung, wie sie etwa im Zusammenhang mit einem bedingungslosen Grundeinkommen diskutiert wird. Laut einer Studie seines Zentrums für ökonomische Bildung an der Universität Siegen sei für die meisten Menschen eine bezahlte Tätigkeit „der Schlüssel für ein gelingendes Leben und für die gesellschaftliche Integration“. Außerdem seien die Gründe für eine lange Arbeitslosigkeit überwiegend individueller und nicht gesellschaftlicher Art. Der Ökonom warnte vor „pauschalisierten Lösungen“ und plädierte für eine „individualisierte, begleitende Sozialpolitik“.

Das Fachgespräch in der Reihe „Soziale Marktwirtschaft unter Transformationsdruck“ veranstaltete die Evangelische Akademie zu Berlin gemeinsam mit der Katholischen Akademie in Berlin. Die gesamte Veranstaltung kann nun als Mitschnitt angesehen werden.

2021 28 Sep

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Dr. Michael Hartmann

Studienleiter Wirtschaft und Soziales

Telefon (030) 203 55 - 504

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