„Differenzen nicht herausgearbeitet“

„Differenzen nicht herausgearbeitet“

Kommentar zu landeskirchlichen Leitgedanken zu den Nahost-Konflikten

Christian Staffa 2021

© Karin Baumann / EAzB

Wenig Resonanz bei der Vollversammlung des ÖRK wird der „Gesprächsimpuls“ von fünf Landeskirchen zur Situation in Israel und den besetzten Gebieten haben, meint Studienleiter Christian Staffa. Es fehlten beispielsweise die Berücksichtigung der weltweit langen Tradition des Antisemitismus und Beiträge jüdischer Dialogpartner*innen, schreibt er in der aktuellen Ausgabe der evangelischen Monatszeitschrift „zeitzeichen“.

Grundsätzlich kritisiert Staffa, der auch Antisemitismusbeauftragter der EKD ist, auch die ausdrücklich „konsentierte“ Sprache des Kirchenpapiers. Er fragt, warum die Verfasser*innen sich nicht für „ein Herausarbeiten der Differenz der Positionen, um das Gegenüber und sich selbst wirklich zu verstehen“ entschieden hätten.

Für wünschenswert hätte er es außerdem gehalten, auch jüdische Stimmen aus Deutschland und Europa anzuhören oder gar zu zitieren, die von Israelfeindschaft betroffen sind. Gerade im Vorfeld der im September stattfindenden Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) sei auch ein Bezug zu Äußerungen des ÖRK hilfreich gewesen, „sowohl für den ÖRK, wie auch für die deutsche kirchliche Leser*innenschaft, um sich kritisch daran abzuarbeiten“.

Für nicht weiterführend hält Staffa darüber hinaus die ständige Betonung der besonderen deutschen Verantwortung. „Sie ist zwar da, aber die Geschichte des christlichen Antisemitismus ist älter.“ Die lange Tradition christlicher Judenfeindschaft „wäre mit dem ÖRK zur genaueren Beschreibung seiner Ablehnung des Antisemitismus zu diskutieren und hätte gut ein Anfang des landeskirchlichen Papiers darstellen können“, meint der Studienleiter. In den Mittelpunkt solcher Diskussionen hätte die Frage gehört, wie sich Antisemitismus in Positionierungen zu Israel zeige. „Können wir Kriterien der Scheidung der so gerechtfertigten Kritik an Israel und dem Verhaftet-Sein in antijüdischen Stereotypen gemeinsam erarbeiten, anstatt immer die gleichen Parolen gegen Antisemitismus und für Menschenrechte (der Palästinenser*innen) zu wiederholen?“

Den gesamten Kommentar von Christian Staffa lesen Sie hier (PDF-Dokument, 441.8 KB)

Das Positionspapier der fünf Landeskirchen trägt den Titel „Israel - Palästina - Leitgedanken und Thesen“ und soll nach dem Willen der Verfasser*innen „Leitgedanken für einen konstruktiven Diskurs entwickeln“. Hintergrund der Veröffentlichung sind die aktuellen Debatten über die Zunahme von Antisemitismus und die kontroversen Auseinandersetzungen in Deutschland und innerhalb der weltweiten Kirchengemeinschaft über die Konflikte im Nahen Osten. Gemeinsame Verfasser des Textes sind die evangelischen Kirchen der Pfalz, von Hessen-Nassau, Baden, dem Rheinland und von Westfalen.

Dr. Christian Staffa

Studienleiter für Demokratische Kultur und Kirche

Telefon (030) 203 55 - 411

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