Kein perfekter Friede
Zur Kritik an der EKD-Friedensdenkschrift

© EKD
Die Hauptautor*innen der EKD-Friedensdenkschrift kritisieren, die Debatte um das Grundsatzpapier werde auf altbekannte Reizthemen verengt. Im Mittelpunkt stünden oft atomare Abschreckung, Pazifismus, Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung – Themen also, die die friedensethische Debatte in der evangelischen Kirche seit Jahrzehnten prägten. Dies verstelle den Blick auf wichtige heutige Fragen, schreiben Reiner Anselm und Maximilian Schell sowie Akademiedirektorin Friederike Krippner in einem Beitrag in der Monatszeitschrift Herder-Korrespondenz (Nr. 3/2026).
„Für die künftige friedensethische Orientierung werden Fragen des Umgangs mit hybrider Kriegsführung, mit digitaler Desinformation, mit den eskalierenden Folgen der Klimakrise oder autoritären Angriffen auf demokratische Gesellschaften aber drastisch an Bedeutung gewinnen“, betonen die drei Theolog*innen.
Im Interesse einer anregenden und profilierten öffentlichen Theologie für das 21. Jahrhundert lohne ein Blick auf die grundlegende Intention und Konzeption der Denkschrift, schreiben sie weiter: „Sie will nicht moralisch überbieten, sondern geistlich ausrichten.“ Es gehe weder um die Darstellung vermeintlich eindeutiger Lösungen noch um die Darstellung vermeintlich unvereinbarer Weggabelungen, sondern „um die Beschreibung eines friedensethischen Korridors, dessen Charakteristikum das dialektische Denken ist, das sich im Horizont des Schon und Noch-nicht, des Letzen und des Vorletzten, zwischen Gott und Mensch, Himmel und Erde bewegt.“
Und weiter: „Im Wissen darum, dass der Gerechte Friede aus menschlicher Kraft allein nicht zu erreichen ist, werden christlich tragbare friedensethische Positionen ausgelotet, die zugleich um die eigene Unzulänglichkeit und geschöpfliche – und gerade darin schöpferische – Begrenztheit wissen.“
Erschienen am 24.02.2026
Aktualisiert am 24.02.2026



