Liberale, Christin, Anwältin für Gleichstellung
Nachruf auf Carola von Braun

© Andreas Schoelzel
Carola von Braun 2018 bei ihrer Verabschiedung als Vizepräsidentin der Akademie
Die Akademie erinnert in Dankbarkeit an ihre langjährige Wegbegleiterin Carola von Braun, die am 7. August im Alter von 83 Jahren gestorben ist. Die FDP-Politikerin und engagierte evangelische Christin war von 2008 bis 2018 ehrenamtliche Vizepräsidentin der Akademie, deren Gesellschafterversammlung sie als Vertreterin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) angehörte.
„Carola von Braun war in der Arbeit der Akademie immer eine leidenschaftliche Verfechterin der Rechte von Frauen und Anwältin ihrer Interessen“, erklärt Heinz-Joachim Lohmann, stellvertretender Akademiedirektor. „Als leidenschaftliche Christin und kluge Ratgeberin hat sie uns in vielen Auseinandersetzungen um das Verhältnis von Politik und Gesellschaft begleitet. Sie wird uns fehlen.“
Im Glauben grundiert
Geboren 1942 und geprägt durch das Vorbild ihrer Großmutter Hildegard Margis, die 1944 von der Gestapo verhaftet wurde und im Frauengefängnis Barnimstraße starb, verstand Carola von Braun das Erbe des Nationalsozialismus als Auftrag zur Gestaltung der deutschen Demokratie. Ihre politische Heimat fand sie im sozialen Liberalismus; grundiert war ihr Engagement durch den christlichen Glauben und ein reformatorisches Selbstverständnis.
1980 wurde sie für die FDP in den Bundestag gewählt, verweigerte sich aber dem Koalitionswechsel ihrer Partei zwei Jahre später und wechselte stattdessen nach West-Berlin. Dort wurde sie 1984 erste Frauenbeauftragte des Senats, später war sie Landes- und Fraktionsvorsitzende ihrer Partei, dann bis 2005 Referatsleiterin in der Senatsverwaltung für Bildung. Ein Schwerpunkt ihrer politischen Leidenschaft galt der Frauenpolitik. Von 1992 an betrieb sie diese im mittlerweile wiedervereinigten Berlin auch überparteilich betrieb, nämlich als maßgebliche Initiatorin (PDF) und Sprecherin der Überparteilichen Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen, die auch jenseits der parlamentarischen Politik die Zusammenarbeit mit Frauenprojekten an der Basis suchte.
Engagiert in der Kirche und für Frauenthemen
Von den 1990er Jahren an engagierte sich von Braun zunehmend im kirchlichen Rahmen: Acht Jahre lang gehörte sie dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages an, sechs Jahre der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ebenso war sie vielfältig in der Landeskirche aktiv, etwa im Arbeitskreis Wirtschaft und Arbeit der EKBO.
Auch an der Evangelischen Akademie zu Berlin galt von Brauns besonderes Engagement der Auseinandersetzung mit Geschlechter- und Frauenbildern, etwa in der Förderung der Veranstaltungsreihe „Frauen reden zu Tisch (PDF)“ sowie der feministischen und geschlechterbewussten Theologie in den feministisch-theologischen Sommerakademien. Neben der Gremienarbeit war sie auch eine häufige Teilnehmerin an Veranstaltungen der Akademie und dieser auch nach ihrem Ausscheiden aus der Gesellschafterversammlung als Mitglied im Freundeskreis der Akademie verbunden.
Bei ihrer Verabschiedung im Jahr 2018 fasste der damalige Akademiepräsident Paul Nolte Carola von Brauns Wirken so zusammen: „Alles, was sie getan hat, alles, was sie anfasst, kommt aus einer tiefen Überzeugung, nicht zuerst das private Glück, geschweige denn den privaten Wohlstand mehren zu wollen, sondern an einer gemeinsamen Sache zu arbeiten: das Gemeinwohl zu mehren, Verantwortung in der Welt zu übernehmen und diese Welt etwas besser, fairer und gerechter zu machen.“
Erschienen am 11.08.2026
Aktualisiert am 11.08.2026


