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Exkursion nach Bernau

 
 

Exkursion

Exkursion nach Bernau

Tagungsnummer
2007Exk1
21. April 2007
08:30 - 19:30 Uhr
[Nicht festgelegt]
Inhalt:

Leitung

Dr. Rüdiger Sachau

 

Organisation

Hannah Kickel-Andrae

 
(030) 203 55 - 506

Ziel unserer ersten Exkursion in diesem Jahr ist Bernau, eine kleine Stadt im Berliner S-Bahn-Bereich. Wir werden dort erleben, wie - nach Verfall und Abriss - der historische Stadtkern Ende der 70er Jahre beispielhaft in einem eigens für Bernau entwickelten Plattenbausystem rekonstruiert wurde. Unser besonderes Interesse gilt also der Entwicklung des Stadtzentrums seit Beginn der Umbaumaßnahmen 1979 und ihrer Fortführung ab 1994.

Wir werden die spätgotische St. Marien-Kirche (16. Jh.) mit ihrer bedeutenden Ausstattung und dem historischen Dachstuhl besichtigen und das St. Georgen-Hospital (14. Jh.), einer für die Zeit vorbildlichen sozialen Einrichtung.


Für eine Überraschung sorgt am Nachmittag der Besuch eines international anerkannten Baudenkmals der Moderne, UNESCO-Kulturerbe-verdächtig und nach dem Bauhaus-Gebäude in Dessau das zweite aus diesem und doch schon veränderten Geist hervorgegangene Schulgebäude: die 1928-1930 von Hannes Meyer und Hans Wittwer errichtete Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Es wird wieder ein langer Tag, aber zum Glück ist der Heimweg nicht weit!


Wir laden Sie auch im Namen des Freundeskreises der Evangelischen Akademie herzlich zur Teilnahme ein.


Dr. Rüdiger Sachau, Ev. Akademie zu Berlin

Helga Wetzel, Arbeitskreis Stadtpolitik

Programm:

09.00 Einführung und Stadtrundgang

Herr Friedemann Seeger, Leiter des Stadtplanungsamtes und Vorsitzender des vereins baudenkmal bundesschule bernau e.v.


12.00 Mittagspause in den Gaststätten in der Bürgermeister- und Brauerstrasse am Marktplatz


13.15 Führung in St. Marien einschließlich historischer Dachstuhl

Herr Pfarrer i.R. Ulrich Hasse


16.00 Bundesschule der Gewerkschaften, Führung

Herr Dr. Günter Thoms, verein baudenkmal bundesschule bernau e.v.


18.15 Hospital St. Georgen, Einführung und Besichtigung der Kapelle

Frau Annett Schauß, Bauforscherin und Restauratorin

Ausklang einschließlich Kaffee und Kuchen


Zur Einführung in die Stadtgeschichte

Bernau wurde vermutlich 1232 an der Handelsstraße Berlin–Stettin gegründet, auf kreisförmigem Grundriss mit nahezu rechtwinkligem Straßennetz. Eine der ältesten Urkunden stammt aus dem Jahr 1292. Die St. Marien-Kirche, eine spätgotische Backsteinhalle, weist nur geringe Reste vom Ursprungsbau des 13. Jh. auf und wurde vermutlich 1519 beendet. Das vierschiffige Langhaus mit Sterngewölbe, einem Kreuzgewölbe im Chor und dem Westturm aus dem Jahr 1846 sind neben einer bedeutende Ausstattung besonders hervorzuheben.


Die Stadtmauer des 13. Jh. aus geschichteten Feldsteinen umschließt den Stadtkern bis auf den heutigen Tag fast vollständig. Zwei Rundtürme und drei Stadttore, darunter das Steintor, sind erhalten. Von den ursprünglich 42 Lughäuser wurden mehrere wieder aufgebaut. Heute ziehen sich die Wallanlagen als grüner Gürtel um die Innenstadt.


1406 wurde fast die gesamte Stadt durch eine große Feuersbrunst zerstört, auch das Rathaus mit Urkunden und Dokumenten ging verloren. Privilegien wie Zollberechtigung und Schulzengericht wurden aber neu bestätigt. Das Rathaus an der Südseite des Marktplatz weist Reste gotischer Kellergewölbe auf; nach dem Stadtbrand neu errichtet, wurde es 1801 abgetragen und 1803/05 als klassizistischer Putzbau mit einer Freitreppe (1846) neu erbaut.

1328 wurde die Stiftung St. Georgen-Hospital gegründet, eine für die Zeit vorbildliche soziale Einrichtung. 1432 wurden die Gebäude zerstört und später neu aufgebaut. Die Kapelle, ein einschiffiger gewölbter Backsteinbau, stammt vom Ende des 15. Jh. Das Spitalgebäude ist heute ein eingeschossiger Fachwerkbau von 1738, die Umfassungsmauer aus Feld- und Backstein erhalten.


Bis ins 18. Jh. waren Landwirtschaft und Brauereibetriebe vorherrschend, zeitweise alle größeren Wohnhäuser so genannte bürgerliche Brauhäuser. Im 19. Jh. etablierten sich Handschuhmacher als wichtigster Industriezweig nach der Textilindustrie.

1432 standen die Hussiten vor Bernau; 1539 kam es offiziell zum Übertritt zum lutherischen Glauben. Pestjahre zwischen 1598 und 1638 sowie Elend und Zerstörung durch den 30jährigen Krieg reduzierten die Einwohnerzahl von ca. 2500 auf etwa 700.

Hugenotten siedelten ab 1699 in Bernau (Edikt von Potsdam) und bereicherten das städtische Leben in vielerlei Hinsicht.

Das 19. Jh. brachte wichtige Neuerungen: 1862 die Gründung der ersten Buchdruckerei, 1873/74 Telegrafenstation und Fernsprecheinrichtung, 1842 die Eröffnung der Eisenbahnstrecke Berlin – Stettin mit Anschluss Bernau, 1891 einen günstiger Vororttarif; 1924 den Bau der S-Bahn.


1979 wurde mit der Rekonstruktion der Bernauer Innenstadt in mehreren Bauabschnitten begonnen. Nach den Stadtbränden des 15. Jh. war dies der gravierendste Einschnitt in die städtebauliche Entwicklung des Stadtkerns. Bernau war neben Gotha und Greifswald Beispielobjekt für die Rekonstruktion der vom Verfall bedrohten Klein- und Mittelstädte mit Plattenbausystemen der 70er Jahre, mit einer eigens für Bernau entwickelte Plattenbauweise mit kleinerem Modul (3,6m statt 6.0m), Abriss und Wiederaufbau bei Nachzeichnung der alten Stadtstruktur und Baumassenkomposition. Einzelne historische Bauten (z.B. Kantorhaus von 1583/83, heute Musikschule, Henkerhaus am Rande der Stadt, heute Teil des Heimat-Museums) wurden erhalten. Mit Fortschreiten der Maßnahmen kam es jedoch zu einer geringerer Anpassung an die örtliche Gegebenheiten.

Seit 1994 wurde die Stadtkernsanierung verstärkt, erhaltene Bürgerhäuser originalgetreu saniert und neue Wohngebiete entwickelt. Im Unterschied zu den meisten anderen (kleinen) Städten hat Bernau ein Bevölkerungswachstum zu verzeichnen.


Die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), wurde 1928 bis 1930 fünf km nordwestlich der Stadt nach Entwürfen von Hannes Meyer und Hans Wittwer als Stahlbeton-Skelettbau mit vorgeblendeten Klinker errichtet. Der Topographie des Geländes folgt der Gebäudekomplex aus Lehr-, Wohn- und Wirtschaftsgebäuden mit verbindendem Glasgang.

Die 1927 beschlossene Gründung einer ersten zentralen Bildungsstätte des ADGB sollte einerseits der Elementar-Schulbildung seiner Funktionäre dienen und andererseits der gewachsenen gesellschaftlichen Bedeutung der Gewerkschaften sinnfälligen Ausdruck geben. Die Stadt Bernau beschloss, die Bundesschule als „neuen korporativen Bürger der Stadt“ aufzunehmen und zu fördern. Im Bauprogramm finden reformpädagogische Ideen ihren Niederschlag. Die Schule soll ‚das Persönlichkeits- und Gemeinschaftsgefühl stärken und durch ihre Raumkultur auf Lebensgestaltung und Lebensführung beeinflussend und erzieherisch wirken’. So gewann das Bauhaus Dessau unter ihrem neuen Leiter und Nachfolger von Walter Gropius, Hannes Meyer, den Architektenwettbewerb. Meyer brachte Erfahrungen aus der Schweizer Genossenschaftsbewegung ein; Bauen bedeutet für ihn „Gestaltung von Lebensvorgängen“. Seine Rede bei der Eröffnung der Bundesschule – „Dieser Schulbau ist ein Bau des Lebens und nicht der Kunst“ – markiert eine ideologische Richtungsänderung im Baushaus.

Die Bundesschule erfuhr eine wechselvolle Bau- und Nutzungsgeschichte, zumal im Nationalsozialismus. Zu umfassenden Erweiterungen kam es um 1960 und ab 1976. Für das international anerkannte Baudenkmal der klassischen Moderne wird die Aufnahme in Weltkulturerbeliste der UNESCO angestrebt.

1990 gründete sich der verein baudenkmal bundesschule bernau e.v. mit dem Ziel, das Ensemble zu erhalten und adäquat zu nutzen. 2001 konnte der Verein die Bundesschule erwerben und eine denkmalgerechte Sanierung durch die Handwerkskammer Berlin erwirken.

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