Verschwundene Orte

Fachtagung

Verschwundene Orte

13. Ost-Westeuropäisches Gedenkstättentreffen Kreisau

Tagungsnr.
13/2015
Von: 25.03.2015 18:00
Bis: 28.03.2015 12:00
Internationale Begegnungsstätte Kreisau / Polen

Inhalt

Gewalt, Zerstörung und Vernichtung sind essentielle Teile der Erinnerung an das 20. Jahrhundert. Die totalitären Systeme und die Weltkriege haben Millionen Menschen das Leben gekostet. Zahlreiche Orte in ganz Europa wurden in Mitleidenschaft gezogen – sie sind zerstört oder gänzlich von der Landkarte verschwunden. Während Verbrechen wie in Lidice, Oradour-sur-Glane oder Coventry als Symbol für unmenschliche Taten in (trans-)nationale Narrative eingegangen sind, haben andere Akte der Vernichtung kaum Spuren im kollektiven Gedächtnis von Gesellschaften oder Gruppen hinterlassen. Sie fanden nicht Eingang in die Sphäre einer breiteren Opfererzählung. Manche Orte überlebten allein in dem Wissen und der Trauer von Hinterbliebenen oder erhielten durch historische Forschungen Aufmerksamkeit

Das 13. ost-westeuropäischeGedenkstättentreffen in Kreisau thematisiert die „verschwundenen Orte“ - Erinnerungsorte, die Geschichte erzählen, die mahnen und pars pro toto an Gewaltakte erinnern. Der Begriff „Erinnerungsorte“ wird dabei in Anlehnung an Pierre Noras „lieux de mémoire“ weit gefasst. Aufgrund der Kriege und politischer Umbrüche, der Zwangsumsiedlungen von Millionen Menschen und den vollzogenen Grenzveränderungen bekamen historische Erfahrungsräume neue Bedeutungen oder gingen zum Teil verloren. Verschränkungen und Mehrfachkodierungen ein- und desselben Gedächtnisortes sind insbesondere für Ostmitteleuropa charakteristisch.

Wir laden Historiker, Ausstellungsmacher sowie Mitarbeiter von Zeitzeugenprojekten und Erinnerungsstätten zum disziplinübergreifenden Austausch. Folgende Fragen sind u.a. zu stellen: Was unterscheidet die Erinnerung an Orte, die real existieren, von der an ausgelöschte historische Stätten? Wie gehen Gedenkstätten und Museen mit Orten um, die zwar physisch, nicht jedoch aus dem kulturellen Gedächtnis verschwunden sind? Wie verändern sich die Erinnerung und das Gedenken an Orten, wenn Zeitzeugen als Bindeglieder zur Vergangenheit fehlen?

Auf diesen Treffen sollen Erfahrungen aus der Ausstellungspraxis ausgetauscht und aktuelle Formen der digitalen Darstellung und Internetpräsenz im Rahmen der historisch-politischen Bildung erörtert werden. Schließlich soll auch über mögliche Grenzen der Erinnerung diskutiert werden. Welche Funktion und Wirkung kann dem Vergessen zukommen?


Dr. Jacqueline Boysen - Dominik Kretschmann - Dr. Burkhard Olschowsky -Dr. Dominik Pick


Eine Kooperation von Stiftung Kreisau, Evangelische Akademie zu Berlin, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Europäisches Netzwerk Erinnerung und Solidarität, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Gewalt, Zerstörung und Vernichtung sind essentielle Teile der Erinnerung an das 20. Jahrhundert. Die totalitären Systeme und die Weltkriege haben Millionen Menschen das Leben gekostet. Zahlreiche Orte in ganz Europa wurden in Mitleidenschaft gezogen – sie sind zerstört oder gänzlich von der Landkarte verschwunden. Während Verbrechen wie in Lidice, Oradour-sur-Glane oder Coventry als Symbol für unmenschliche Taten in (trans-)nationale Narrative eingegangen sind, haben andere Akte der Vernichtung kaum Spuren im kollektiven Gedächtnis von Gesellschaften oder Gruppen hinterlassen. Sie fanden nicht Eingang in die Sphäre einer breiteren Opfererzählung. Manche Orte überlebten allein in dem Wissen und der Trauer von Hinterbliebenen oder erhielten durch historische Forschungen Aufmerksamkeit

Das 13. ost-westeuropäischeGedenkstättentreffen in Kreisau thematisiert die „verschwundenen Orte“ - Erinnerungsorte, die Geschichte erzählen, die mahnen und pars pro toto an Gewaltakte erinnern. Der Begriff „Erinnerungsorte“ wird dabei in Anlehnung an Pierre Noras „lieux de mémoire“ weit gefasst. Aufgrund der Kriege und politischer Umbrüche, der Zwangsumsiedlungen von Millionen Menschen und den vollzogenen Grenzveränderungen bekamen historische Erfahrungsräume neue Bedeutungen oder gingen zum Teil verloren. Verschränkungen und Mehrfachkodierungen ein- und desselben Gedächtnisortes sind insbesondere für Ostmitteleuropa charakteristisch.

Wir laden Historiker, Ausstellungsmacher sowie Mitarbeiter von Zeitzeugenprojekten und Erinnerungsstätten zum disziplinübergreifenden Austausch. Folgende Fragen sind u.a. zu stellen: Was unterscheidet die Erinnerung an Orte, die real existieren, von der an ausgelöschte historische Stätten? Wie gehen Gedenkstätten und Museen mit Orten um, die zwar physisch, nicht jedoch aus dem kulturellen Gedächtnis verschwunden sind? Wie verändern sich die Erinnerung und das Gedenken an Orten, wenn Zeitzeugen als Bindeglieder zur Vergangenheit fehlen?

Auf diesen Treffen sollen Erfahrungen aus der Ausstellungspraxis ausgetauscht und aktuelle Formen der digitalen Darstellung und Internetpräsenz im Rahmen der historisch-politischen Bildung erörtert werden. Schließlich soll auch über mögliche Grenzen der Erinnerung diskutiert werden. Welche Funktion und Wirkung kann dem Vergessen zukommen?


Dr. Jacqueline Boysen - Dominik Kretschmann - Dr. Burkhard Olschowsky -Dr. Dominik Pick


Eine Kooperation von Stiftung Kreisau, Evangelische Akademie zu Berlin, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Europäisches Netzwerk Erinnerung und Solidarität, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Programm

Mittwoch, 25. März 2015


ab 17:00 Anreise – Zimmerbelegung – Kaffee

18:00–19:00 Abendessen

19:00–20:30 Besuch des Berghauses, kurze Einführung in die Geschichte des Ortes

Einführung in das Programm durch die Veranstalter, Vorstellungsrunde

anschließend geselliger Abend zum Kennenlernen und Austauschen



Donnerstag, 26. März 2015


09:30–11:00 Herausforderungen europäischer Erinnerungen

Prof. Dr. Étienne François, „Lieux de memoire“.

Kommentar: Prof. Dr. Jochen Roose, Willy-Brandt-Zentrum, Breslau


Diskussion

Moderation: Dr. Jacqueline Boysen


11:00–11:30 Kaffeepause


11:30–13:00 Verschwundene Erinnerungsorte. Erinnern ohne Orte.

PhDr. Stanislav Kokoška, Lidice Denkmal. Vergangenheit und Zukunft

Richard Jezierski, Oradour-sur-Glane. Die Ruinen und die Erinnerung

Dr. Tomasz Kranz, Fundamente der Erinnerung. Sichtbare und unsichtbare Zeugnisse der NS-Verbrechen am Ort des früheren Vernichtungslagers in Sobibór -

Moderation: Dr. Dominik Pick


13:00–14:30 Mittagspause


14:30–16:00 Verschwundene Erinnerungsorte. Erinnern ohne Zeitzeugen.

Dr. Juliane Haubold-Stolle, Verschwindende Erinnerung an deutsche Soldaten in Mittel- und Osteuropa

Lolita Tomsone, Die Erinnerung an Jānis Lipke und die Rettung estnischer Juden

N.N. (Memorial), Letzte Adresse. Erinnerung an Opfer kommunistischer Gewalt

Moderation: Dr. Burkhard Olschowsky


16.00-16.30 Kaffeepause


16:30–18:30 Virtuelle Erinnerung. Virtuelle Rekonstruktion.

Dr. Arnulf Scriba, Lebendiges Museum Online

Dr. David Barnouw, Verschwundene Orte im Film

N.N. (Memorial), Virtual Museum of the Gulag

Moderation: Dominik Kretschmann


18:30–19:30 Abendessen


ab 19.30 Kontaktbörse


Freitag, 27. März 2015


09:30–11:30 (Um)Deutungen von Stätten nationalsozialistischer und kommunistischer Gewalt.

Dr. Rikola-Gunnar Lüttgenau, Buchenwald als doppelter Erinnerungsort

Dr. Violetta Rezler-Wasielewska, Łambinowice. Vielschichtiger Erinnerungsort

Tatyana Kursina, Perm 36

Moderation: Dr. Juliane Haubold-Stolle (Volksbund)


11:30–12:00 Kaffeepause


12.00 – 13.00 Projektpräsentationen


13:00–14:00 Abfahrt nach Breslau/Wrocław


14.00-15.00 Mittagessen


15:00 Renata Bardzik-Miłosz, Breslau gestern – Wrocław heute


19:00 Abendessen


Samstag, 28. März 2015


09:30–11:30 Grenzen der Erinnerung. Wie viel und wie lange kann erinnert werden?

Dr. Guido Vaglio, Museo Diffuso di Torino

Dr. Vera Dubina, Möglichkeiten und Probleme der Gedenkstättenarbeit

Prof. Dr. Ulrich Pfeil, Villages phantômes der Schlacht von Verdun

Moderation: Dr. Andrea Genest


11:30–12:00 Auswertungsrunde und Ideen für das nächste Mal


Tagungssprachen (Simultanübersetzung): Deutsch, Polnisch, Russisch


Stand: 23.01.2015 Änderungen vorbehalten!

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Leitung

Dr. Jacqueline Boysen

Projektstudienleitung Ost-Westeuropäisches Gedenkstättentreffen Kreisau

Telefon (030) 203 55 – 508 (über Silke Ewe)

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