Kirchmöser/Plaue

Exkursion

Kirchmöser/Plaue

Idyllische Industriekultur

Tagungsnr.
24/2018
Von: 02.06.2018 09:50
Bis: 02.06.2018 19:00
Kirchmöser/Plaue

Inhalt

Plaue und Kirchmöser sind Stadtteile von Brandenburg an der Havel. Plaue liegt am Plauer See und ist geprägt von seinem Schloss und einer Gartenstadt mit 300 Reihenhäusern, die als Wohnungen für die Arbeiter*innen der Pulverfabrik Kirchmöser gebaut wurden. Die Pulverfabrik wurde 1918 aufgelöst. Danach stand die industrielle Entwicklung Kirchmösers ganz im Zeichen der Eisenbahn. Berlin-Brandenburgische Stadtexkursionen
Bei Plaue gab es schon im Hochmittelalter eine Havelbrücke und eine Zollstätte, die von einer Burg „bewacht" wurden. Die Flusskreuzung der Handelsstraße Magdeburg-Brandenburg war eine begehrte Machtposition, was die Brücke nicht lange überlebte, die Burg auch nicht und nicht mal die Stadtfunktionen waren ausgeprägt. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg kam allmählich eine wirtschaftliche Basis, die nicht besonders beständig aber staatlich gefördert war: Wollwaren-Manufaktur, rotes und weißes Porzellan und der Plaue-Parey-Kanal. Das Schloss wurde am Standort der ehemaligen Burg gebaut und harrt heute einer Sanierung, nachdem es eine Dolmetscherschule war. So ist die sanierte Pfarrkirche eines der wenigen älteren Zeugnisse, insbesondere mit ihren Wandmalereien und Ausstattungen.
Die bis 1918 gebaute Gartenstadt Plaue - 1914/15 geplant von dem Architekten Paul Schmitthenner - ist ein Zeugnis einer nicht vollständig realisierten Städtebauidee, adaptiert zu einer Werkssiedlung.
Kirchmöser (bis zum Eisenbahnanschluss Bauern- und Fischerdorf Möser) gehörte anders als Plaue noch lange zur preußischen Provinz Sachsen. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde auf einer Sandinsel zwischen den wunderbaren und z.T. sehr flachen Seen eine Pulverfabrik errichtet. Es handelte sich um eine Werksanlage, die ursprünglich von Russland bestellt worden war und wegen des Kriegsbeginns 1914 nicht ausgeliefert werden konnte. Die Fabrik brauchte auf dem flachen Land Arbeiter und Wohnungen. Doch das Werk erlebte nach vier Jahren vor nun 100 Jahren seine erste Konversion, ehe weitere Werkssiedlungen errichtet waren. Auch sie erhielten in den 1920er Jahren im wesentlichen Baustrukturen der Gartenstadtideen ohne die dazu gehörende Bodenreform – nun als Werkssiedlungen für das Eisenbahnausbesserungs-und Lokomotivwerk. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam dieser Teil der Provinz Sachsen zum Brandenburgischen und erhielt neben einem Walzwerk wieder ein Rüstungswerk: jetzt Panzerausbesserungen für die Sowjetarmee. Das endete erst nach rund vierzig Jahren, aber an der nun dritten, längsten - weil unvollendeten - Konversion leidet die Region noch heute.
Sowohl in Kirchmöser-Ost als auch in Kirchmöser-West lassen sich interessante Stadt-Raum-Bildungen mäßig verdichteter Wohnformen und Freiraumbezüge erleben. Auch die Kirche mit Gemeindezentrum in Kirchmöser-West zeigt den Städtebau prägenden Sinn für Gemeinschaftseinrichtungen. Gerade in Zeiten, da kaum noch Städtebau sondern vorrangig Investitionen unser tägliches Umfeld prägen, sollten wir diese von unseren Großvätern weitgediegenen komplexen Gedanken neu befragen, wie wir eigentlich leben wollen.
Berlin-Brandenburgische Stadtexkursion

Heinz-Joachim Lohmann, Evangelische Akademie zu Berlin
Traugott Messow, Arbeitskreis Stadtpolitik

Programm

Programm
Samstag, den 02. Juni 2018

Abfahrt Berlin, RE 1 Richtung Stadt Brandenburg-Hbf (Hoch)
Treffpunkt in den beiden vorderen Wagen
Reiseleitung: Traugott Messow / Hans Tödtmann

08.24 Uhr ab Berlin Ostkreuz
08.33 Uhr ab Berlin Alexanderplatz
08.37 Uhr ab Berlin Friedrichstraße
08.41 Uhr ab Berlin Hauptbahnhof (hoch)
08.47 Uhr ab Berlin Zoologischer Garten
08.51 Uhr ab Berlin Charlottenburg
09:00 Uhr ab Berlin Wannsee
09:37 Uhr Ankunft Brandenburg Hauptbahnhof

09.50 Uhr Fahrt mit Charterbus nach Plaue Kirche, Kirchstr. 8, 14774 Plaue

10.15 Uhr Begrüßung, Andacht und Führung
Christian Bochwitz, Gemeindepfarrer Brandenburg-West

11.00 Uhr Führung Gartenstadt Plaue (zuvor kurze Busfahrt)
Udo Geiseler, Historiker, Unabhängiger Bürgerverein e. V. Plaue

12.00 Uhr Fußweg durch den Park zum Schlossrestaurant (zuvor kurze Busfahrt)

12.30 Uhr Mittagessen im Restaurant Schloß Plaue, Schloßstr.27a, 14774 Plaue

13.45 Uhr Busfahrt zum Werkseingang Nordtor Kirchmöser, Platz am Seegarten (Obelisk)

14.00 Uhr Die Werks- und Wohnsiedlungen Kirchmöser
Einführung und Ausstellungsbesuch
Frank Brekow, Historiker und Stadtführer

14.30 Uhr Busfahrt zum Werk

15.00 Uhr Führung durch die Wohnsiedlung Kirchmöser-Ost
Frank Brekow, Historiker und Stadtführer

15.45 Uhr Busfahrt, vorbei am Verwaltungsgebäude und Panzerwerk

16.10 Uhr Gemeindezentrum Kirchmöser-West
Brandenburger Allee 11,14774 Kirchmöser
Erläuterungen zum Gebäudekomplex,
Kaffee und Kuchen

17.15 Uhr Rundgang durch die Wohnsiedlung Kirchmöser-West

18.20 Uhr Rückfahrt mit Charterbus nach Brandenburg Hbf
19.00 Uhr Abfahrt Brandenburg Hbf, RE 1 Richtung Frankfurt Oder
19.32 Uhr an Berlin Wannsee
19.41 Uhr an Berlin Charlottenburg
19.44 Uhr an Berlin Zoologischer Garten
19.55 Uhr an Berlin Friedrichstraße

Änderungen des Programms vorbehalten!

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Leitung

Heinz-Joachim Lohmann

Studienleiter für Demokratische Kultur und Kirche im ländlichen Raum

Telefon (030) 203 55 - 510

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